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KULTIV: MENSCHEN MIT TALENTEN

vor 1 Tag
12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Stunden

Sie war schon immer schwer zu überblicken: Die Oldenburger Kultur- und Kreativszene. In der Vergangenheit gab es deshalb immer wieder Versuche, diese heterogene Menge zu vernetzen und sichtbar zu machen. Trotz Anfangseuphorie und Fördermittel waren die meisten Initiativen aber nicht von langer Dauer. Jetzt startet KULTIV - das Oldenburger Kultur- und Kreativnetzwerk einen neuen Versuch. Was daran anders ist? Das haben uns Katharina Semling und Nele Honig vom Organisationsteam berichtet.



Bunt und ausdrucksstark: Das Key Visual auf der KULTIV-Website gibt ein Image vor, mit dem das Netzwerk sich identifizieren kann. (Bild: Kultiv)
Bunt und ausdrucksstark: Das Key Visual auf der KULTIV-Website gibt ein Image vor, mit dem das Netzwerk sich identifizieren kann. (Bild: Kultiv)

Viele denken immer noch gern daran zurück: An jene Demonstration im Mai 2017. Den Anlass dafür hatte die Alte Maschinenhalle am Pferdemarkt gegeben. Der damalige Oberbürgermeister wollte sie in eine Restaurant verwandeln, die Kunst- und Kulturszene den charakterstarken Veranstaltungsort erhalten. Das Ganze ging gut aus, die Halle wurde schließlich sogar für kulturelle Zwecke saniert. Letztlich ging es aber um sehr viel mehr: um Freiräume für Kultur, für Entwicklungsmöglichkeiten der Kunst- und Kreativszene.


Und es gab sogar noch einen Nebeneffekt: Dass plötzlich über dreihundert Menschen für die Kultur auf die Straße gingen, war für viele auch ein Augenöffner: „Wir haben eine Stimme, wenn wir uns vernetzen.“ Und so entstand aus dieser Demonstration die Creative Mass, die einige Jahre lang mit viel Aufwand versuchte, den bunten Haufen an Kreativen zu einer eingeschworenen Truppe zu formen. Das schlug letztlich zwar fehl, doch der Gedanke blieb. Und so gab es in der Folge einige ambitionierte, aber nicht immer dauerhafte Netzwerk-Experimente, die nun im neuesten Konstrukt münden: KULTIV - das Oldenburger Kultur- und Kreativnetzwerk. Mit Nele Honig und Katharina Semling vom Organisationsteam haben wir darüber gesprochen, warum es diesen weiteren Versuch braucht, was er anders macht als alle anderen und wieso man immer ein Standbein und ein Spielbein braucht.



Volle Energie: Im Mai 2017 demonstrierten Kulturschaffende und Kreative als Creative Mass für mehr Anerkennung. (Bild: Creative Mass e.V.)
Volle Energie: Im Mai 2017 demonstrierten Kulturschaffende und Kreative als Creative Mass für mehr Anerkennung. (Bild: Creative Mass e.V.)

Kultiv: Der nächste Schritt


Fangen wir mit der einfachsten Frage an: Wie würdet ihr KULTIV in euren Worten beschreiben?


Katharina: Wir sind ein offenes Kreativnetzwerk. KULTIV ist quasi die Weiterentwicklung vieler Netzwerke wie Cre8, Creative Mass, Kulturgesichter0441 oder das Oldenburger Portal, die es bereits gab und die sich über die Jahre immer weiterentwickelt und verbessert haben. Kultiv ist jetzt der nächste Schritt.


Nele: Wir wollen eine Plattform für alle Kultur- und Kreativschaffenden in Oldenburg und Umgebung schaffen. Unser Ziel ist, dass sich alle miteinander vernetzen, voneinander profitieren und gemeinsam Dinge auf die Beine stellen können. Es geht um Gemeinschaft, Austausch, Vernetzung und Bündnisse.


Welche Voraussetzungen gibt es neben der regionalen Herkunft? Wie kreativ muss ich sein, um mich bei KULTIV anmelden zu dürfen?


Nele: Eigentlich gibt es da keine besonderen Voraussetzungen. Wenn du das Gefühl hast, dass du in irgendeiner Weise kulturell oder kreativ tätig bist – in welcher Form auch immer –, bist du bei KULTIV richtig. Das gilt auch, wenn du eine Veranstaltungslocation betreibst oder einen Ort für Kultur- und Kreativschaffende anbietest. Darum geht es schließlich: Wir wollen Menschen, Institutionen und Orte zusammenbringen und miteinander vernetzen.


Wie ist das Ganze organisiert? Wer kümmert sich um das Netzwerk?


Katharina: Nele kümmert sich um die administrativen Aufgaben, also beispielsweise um die Website, die Pflege der neuen Profile und darum, den Leuten bei Fragen zu helfen. Ich übernehme eher die Veranstaltungsschiene. Wir sind allerdings noch mehr Leute. Ina Lehnert-Jenisch von der Wirtschaftsförderung ist ebenfalls dabei. Außerdem gehören Jinke Fanselau, Manuela Girgsdies und Thiemo Eddiks zu unserem Kernteam.


Nele: Ina koordiniert uns viel und ist manchmal auch der kleine Tritt in den Hintern, wenn wir mit unseren Köpfen gerade wieder in anderen Projekten stecken. Sie kümmert sich außerdem um die Finanzierung und viele weitere organisatorische Dinge. Es muss einfach eine Person geben, die sich hauptsächlich um die administrativen Aufgaben kümmert. Der Rest ist aber ebenfalls immer mit dabei, bringt gute Ideen ein, nimmt an den Teammeetings teil und organisiert mit, wenn wir Treffen planen oder durchführen.


Katharina: Wir bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Zur Not würden wir es aber auch ohne machen, weil wir einfach dafür brennen. Mit einer Aufwandsentschädigung ist es natürlich trotzdem schöner.


Nele: Wir haben auch eine kleine Förderung von der Wirtschaftsförderung Oldenburg bekommen, damit wir uns in den nächsten zwei Jahren intensiv darum kümmern können, das Netzwerk so weit auf- und auszubauen, dass es sich irgendwann selbst tragen kann. Das ist unser Plan für die kommenden zwei Jahre.



KULTIV lädt zum Austausch ein

Fehlende Räume: Wohin mit Oldenburgs Kreativszene?

Der Kreativbau im Schützenweg muss für mehrere Monate schließen. Damit verlieren zahlreiche Künstler:innen und Kreativschaffende ihre Ateliers, Werk- und Proberäume. Wohin sie ausweichen können, ist bislang weitgehend offen. Das Oldenburger Kreativ-Netzwerk KULTIV möchte deshalb das Thema auf die Agenda setzen und lädt am Mittwoch, 11. November 2026, zu einem gemeinsamen Austausch ins Litfaß ein.


Nicht verfügbar: Der stark nachgefragte Kreativbau mit seiner Vielzahl an Ateliers und Proberäumen muss zeitweise vollständig geräumt werden. (Bild: Kulturschnack)
Nicht verfügbar: Der stark nachgefragte Kreativbau mit seiner Vielzahl an Ateliers und Proberäumen muss zeitweise vollständig geräumt werden. (Bild: Kulturschnack)

Dabei geht es um mehr als den drohenden Verlust eines einzelnen Gebäudes. Katharina sieht darin ein grundsätzliches Problem der Stadtentwicklung: Oldenburg habe schon seit Jahrzehnten enorm viel Leerstand, während gleichzeitig dringend Räume für kreative Arbeit gesucht würden. Dabei könnten gerade leer stehende Ladenlokale und Etagen neue Möglichkeiten eröffnen. Denn Kreativschaffende benötigen nicht zwangsläufig perfekte Infrastruktur, sondern vor allem eines: Platz.


Doch wie lassen sich vorhandene Räume und konkrete Bedarfe zusammenbringen? Und wer kann dazu beitragen, neue Perspektiven zu entwickeln? Darum soll es am 11. November gehen. Eine fertige Lösung versprechen die Organisatorinnen ausdrücklich nicht. Vielmehr will das KULTIV-Netzwerk Menschen aus unterschiedlichen Bereichen an einen Tisch bringen – auch jenseits der eigenen kreativen Netzwerke. Welche Informationen, Kontakte und Raumangebote gibt es? Wer kann was einbringen? Und welche nächsten Schritte sind denkbar? MITTWOCH, 11. NOVEMBER 2026

AB 18 UHR

LITFAß


Der inhaltliche Teil ist bewusst auf eine Stunde begrenzt. Im Anschluss bleibt Zeit für persönliche Gespräche, neue Kontakte und Vernetzung.



Rhythmus für Mehrwerte


Ihr habt gerade schon gesagt, dass es besonders um den Austausch zwischen den Menschen geht. Macht ihr etwas, um diesen Austausch anzuregen? Wie sorgt ihr dafür, dass das Netzwerk in die Gänge kommt?


Katharina: Wir hatten im August eine Auftaktveranstaltung im Gleispark. Die war super! Es kamen richtig viele Leute, wir hatten eine gute Reichweite und haben im Vorfeld ordentlich Werbung gemacht. Das war wirklich toll. Grundsätzlich möchten wir für unsere KULTIV-Treffen einen Rhythmus von ungefähr zwei Monaten etablieren, in dem wir eine Veranstaltung oder Aktion organisieren.


Dabei muss es immer einen Mehrwert geben. Dieser Mehrwert kann einerseits ein konkretes Thema sein, mit dem wir uns beschäftigen. Wir greifen gerne aktuelle Anlässe auf. Andererseits geht es aber auch einfach darum, sich zu treffen, gemeinsam einen Schnaps zu trinken und all die Dinge zu machen, die eine Szene lebendig halten.


Ein Rhythmus ist also angepeilt, aber es gibt noch keinen festen Veranstaltungsplan.


Nele: Genau. Wir müssen natürlich schauen, wie es bei uns zeitlich aussieht und was wir umsetzen können. Aber dass wir ungefähr alle zwei Monate etwas anbieten, ist uns wichtig.

Wir freuen uns natürlich auch über Impulse aus der Community. Die Leute können uns gerne sagen, was sie beschäftigt und worüber wir sprechen sollten. Vielleicht gibt es auch Bedarf, sich in kleineren Gruppen zu treffen oder zwischendurch Workshops zu organisieren. Der Zwei-Monats-Rhythmus ist deshalb nicht in Stein gemeißelt. Das ist eher das Mindestmaß, das wir uns vorgenommen haben und auch leisten können. Was sich daraus entwickelt, kann ganz unterschiedlich aussehen. Vielleicht entstehen wöchentliche Treffen, vielleicht gehen wir gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt oder machen irgendetwas ganz anderes.


Gibt es bestimmte Formate für diese Treffen? Oder kann es letztlich ganz unterschiedliche Formen annehmen?


Katharina: Absolut. Wir können auch einfach mal wieder zusammen tanzen gehen.


Nele: Ich habe von Mitgliedern beispielsweise schon gehört, dass es toll wäre, wenn wir uns einmal mit Förderanträgen beschäftigen würden. Gerade für viele Kultur- und Kreativschaffende, insbesondere im selbstständigen Bereich, ist es wichtig, sich mit Fördermöglichkeiten auszukennen. Gerade junge Kreativschaffende, die neu nach Oldenburg kommen, wissen häufig nicht, an wen sie sich wenden können. Da wollen wir natürlich Unterstützung bieten. Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Wo kann ich Fördermittel beantragen? Wie fülle ich einen solchen Antrag aus? Wie ist das mit der Künstlersozialkasse? Welche Veranstaltungsräume gibt es? Wie kann ich einen Raum buchen? Wie rechne ich etwas ab? Wie schreibe ich Rechnungen? Das sind alles wichtige Themen, die dazugehören. Eine gute Möglichkeit wäre beispielsweise, Menschen mit entsprechender Expertise einzuladen, die Workshops anbieten und ihr Wissen weitergeben.


Katharina: Ich würde das als Standbein und Spielbein bezeichnen. Das Standbein sind die konkreten Fakten und die Unterstützung bei Fragen, die im Arbeitsalltag auftauchen. Das Spielbein ist der persönliche Austausch: Wir treffen uns, trinken gemeinsam Kaffee oder backen Kuchen. Einfach das, worauf wir Lust haben.



Orientierung für Kreative

Kulturförderung: Geld für Kunst


Der öffentliche Förderdschungel stellt viele Kreative immer wieder vor Probleme - und das fängt manchmal schon in der Heimatstadt an. Auch in Oldenburg haben sich die verschiedenen Fördermöglichkeiten immer weiter ausdifferenziert. Was eigentlich absolut löblich ist, hat einen Nachteil: Es wird kompliziert.

Geld für Kunst: Eine aktive und attraktive Kulturszene kann es nur geben, wenn sie bei ihren Ideen Unterstützung findet. Grafik: Canva KI/Kulturschnack)
Geld für Kunst: Eine aktive und attraktive Kulturszene kann es nur geben, wenn sie bei ihren Ideen Unterstützung findet. Grafik: Canva KI/Kulturschnack)

Beim Kulturschnack haben wir deshalb im Sommer 2026 eine Übersicht zusammengestellt, die alle wichtigen städtischen Förderinstrumente für die Kultur vorstellt und erklärt. Das hilft, um einen Überblick zu gewinnen - und zu entschieden, für welchen Zuschuss man sich bewirbt. Das Ergebnis findet ihr hier.


Die geplanten Hilfestellungen des Kultiv-Netzwerks docken wunderbar daran an. Denn eine Step-by-Step-Anleitung zum Ausfüllen der Anträge bieten wir bisher nicht an.



Kreative Freiräume, kreatives Miteinander


Ihr wollt also kein System aufbauen, in dem ausschließlich ihr die Impulse gebt. Es soll vielmehr ein organisches Netzwerk sein, in das etwas hineinkommt und aus dem auch etwas herausgeht. Die Kulturschaffenden können sich bei euch melden, wenn sie Gedanken und Ideen haben oder ein Thema vorschlagen möchten.


Nele: Genau. Wir arbeiten auch proaktiv daran, dass es irgendwann so weit kommt, dass sich das Netzwerk selbst trägt und eigenständig organisiert. Wir möchten dann natürlich weiterhin gerne dabei sein und mitorganisieren. Aber irgendwann soll nicht mehr alles an unserem Kernteam hängen. Es soll viele andere Menschen geben, die genauso viel Lust haben wie wir, sich einzubringen und eigeninitiativ tätig zu werden.


Es gibt ja auch immer wieder übergeordnete Themen, die viele Kreative beschäftigen. Zum Beispiel: KI. Habt ihr vor, auch so etwas aufzugreifen, oder liegt euer Schwerpunkt eher auf dem praktischen Austausch?


Katharina: Definitiv beides. Einerseits wollen wir uns mit den Dingen beschäftigen, die die Community im Alltag wirklich betreffen. Wie kann ich meinen kreativen Beruf ausüben? Wie komme ich zurecht? Wie funktioniert das alles hier? Andererseits geht es natürlich auch ums Netzwerken, darum, einfach nett zusammenzukommen und sich untereinander kennenzulernen. Das entsprechende Bedürfnis gibt es schon lange, deshalb gab es verschiedene Formate und Initiativen wie Cre8, Creative Mass, Kulturgesichter0441, das Oldenburger Portal. Wir hatten eigentlich immer die gleichen Themen. Wenn ich mir beispielsweise einen alten Flyer von 2017 anschaue, auf dem es um kreative Freiräume, kreatives Miteinander und ein kreatives Oldenburg geht, dann sind das genau die Dinge, die wir heute immer noch wollen.



Aus nach fünf Jahren: Das Oldenburger Portal ging im April 2021 an den Start, im August 2026 wurde es von Kultiv abgelöst. (Bild: Stephan Walzl)
Aus nach fünf Jahren: Das Oldenburger Portal ging im April 2021 an den Start, im August 2026 wurde es von Kultiv abgelöst. (Bild: Stephan Walzl)

Könnt ihr euch vorstellen, dass durch das Netzwerk auch ganz neue Dinge entstehen – neue Formate und neue Formen der Kultur?


Nele: Absolut. Genau darum geht es. Das muss unbedingt passieren. Wir müssen uns weiterentwickeln, die Stadt muss sich weiterentwickeln und wir müssen Räumlichkeiten neu und anders nutzen. Wir haben hier in Oldenburg durch die Hochschule und die Universität auch großes Glück. Es kommen immer wieder viele kreative junge Leute nach, die natürlich ganz neue Ideen mitbringen.


Es ist besonders wichtig, die junge Generation abzuholen und mitzunehmen. Die haben unglaublich viel Energie, sind motiviert und wollen Dinge auf die Beine stellen. Wir hoffen natürlich auch, dass wir gemeinsam mit der Stadt und der Politik niedrigschwellig coole Projekte und Ideen möglich machen können.

Katharina:  Hier gibt es so viele tolle Menschen, aber oft weiß das niemand. Dann buchen Unternehmen ihre Aufträge wieder in Hamburg oder Berlin, obwohl sie das gar nicht müssten. Viele der wirklich guten Leute haben wir längst hier.



Kultur als Faktor

Neues Leben für die City


Kunst und Kultur haben nicht die Aufgabe, eine Stadt weiterzuentwickeln. Dennoch tun sie genau das - mit all ihren Ideen, Initiativen und Interventionen. Im Zuge der Konversion der Innenstädte - weg von der reinen Handelsmaschinerie hin zu multifunktionalen Räumen - wir sie ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, wie Architekt Alexis Angelis erklärt.


Eine für alle: Die Rolle der Innenstadt wird derzeit neu definiert - und dabei spielt die Kultur eine Rolle. (Bild: Kulturschnack)
Eine für alle: Die Rolle der Innenstadt wird derzeit neu definiert - und dabei spielt die Kultur eine Rolle. (Bild: Kulturschnack)

Im Frühjahr 2024 haben wir uns ausführlich mit ihm über die Zukunft der City und die Rolle der Kultur unterhalten. Alexis war damals auch überregional zu einem gefragten Gesprächspartner geworden, weil er mit dem Core ein zeichen dafür setze, wie man Substanz erhalten und gleichzeitig neue Akzente setzen konnte.


In unserem Gespräch geht es um die Möglcihkeiten, aber auch die Grenzen bei der Umgestaltung unserer Innenstädte. Woraus es nach Ansicht des Experten ankommt? Und wie genau die Kultur dort hineinpoasst? Das lest ihr hier.



Raus aus dem Schlafmodus


Du hast es gerade schon angedeutet: KULTIV ist letztlich eine Weiterentwicklung des Oldenburger Portals. Warum fandet ihr einen Neustart notwendig?


Katharina: Das Portal war aus verschiedenen Gründen ein wenig eingeschlafen. Außerdem war die Internetseite einfach nicht besonders schön. Wenn man selbst kreativ tätig ist, sollte die eigene Plattform auch entsprechend aussehen. Das war jedenfalls der Anspruch einiger Leute, unter anderem auch meiner. Die Seite sollte schön und zeitgemäß gestaltet sein. Und genau das ist sie jetzt.


Nele: Die Website ist ein erster Aufschlag, und der ist schon ziemlich klasse. Wir haben viel umgesetzt, freuen uns aber natürlich immer über Feedback. Was können wir noch besser machen? Was fehlt noch? Wir haben uns beispielsweise darüber unterhalten, dass ein Newsticker richtig cool wäre. Man geht auf die Seite und sieht direkt, was gerade in Oldenburg und in der Kreativszene passiert. Welche Veranstaltungen gibt es? Wo kann ich hingehen? Da wird sich noch einiges entwickeln. Wir freuen uns über Feedback und Ideen. Tragt sie gerne an uns heran!


Katharina: Die Website ist wirklich ein Work in Progress. Wir haben nicht den Anspruch, dass jetzt schon alles perfekt ist und wir bereits alles umgesetzt haben. Das ist schließlich auch eine gemeinschaftliche Arbeit.



Längst nicht alle: Das hier ist nur eine Auswahl der über 300 Kreativen im Netzwerk. Die Pflege bleibt jedoch eine Herausforderung: Ein paar Karteileichen lassen sich finden. (Screenshots: Kulturschnack)
Längst nicht alle: Das hier ist nur eine Auswahl der über 300 Kreativen im Netzwerk. Die Pflege bleibt jedoch eine Herausforderung: Ein paar Karteileichen lassen sich finden. (Screenshots: Kulturschnack)

Vom Oldenburger Portal ist die Datenbank geblieben, in der die Kreativschaffenden verzeichnet sind. Das ist mit viel Pflegeaufwand verbunden - genau wie ein Newsticker oder ein Veranstaltungskalender. Glaubt ihr, dass ihr das alles leisten könnt, oder braucht es dafür neue Strukturen?


Katharina: Es gibt das Prinzip: „Kein Ehrenamt ohne Hauptamt.“ Das finde ich wichtig. Bei der Creative Mass sind wir damals ebenfalls sehr kraftvoll gestartet. Aber man braucht letztlich eine hauptamtliche Stelle. Das ist eigentlich unser Fernziel. Wir möchten zwar, dass sich das Netzwerk selbst trägt, aber meine Erfahrung aus den vergangenen 20 Jahren in diesem Bereich zeigt: Es wäre toll, wenn es jemanden gäbe, der sich hauptamtlich darum kümmert. Eine Person, von der man weiß, dass es eine Telefonnummer und eine feste Anlaufstelle gibt und die für diese Arbeit auch bezahlt wird.


Das wäre unser Wunsch und auch unser Anliegen an die Politik: Wenn ihr wollt, dass es so etwas gibt und wir uns darum kümmern, dann helft uns und unterstützt uns dabei.

Die Initiativen, die du gerade genannt hast, sind alle mit großer Euphorie gestartet, aber früher oder später ist die Luft immer raus gewesen. Wie wollt ihr das verhindern?


Nele: Es muss einfach immer wieder etwas passieren. Jemand muss da sein und sich darum kümmern. Es müssen regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, auf die man sich verlassen kann. Man muss wissen: Mindestens alle zwei Monate passiert etwas. Ich kann irgendwo hingehen, mit Menschen sprechen, Themen werden bearbeitet und ich kann eigene Themen einbringen. Vielleicht kann ich mir das sogar schon vorher im Kalender eintragen, weil ich weiß, dass es regelmäßig ein KULTIV-Treffen gibt. Oder ich habe eine Arbeitsgruppe, die sich alle drei Wochen trifft. Das muss tatsächlich passieren. Natürlich gehört auch die ganze Arbeit auf Social Media dazu. Wir müssen sichtbar sein und dürfen nicht vom Algorithmus verschluckt werden.



Spaß dabei: KULTIV bedeutet für Nele und Katharina viel Arbeit, doch die beiden brennen für die Sache. (Bild: Kulturschnack)
Spaß dabei: KULTIV bedeutet für Nele und Katharina viel Arbeit, doch die beiden brennen für die Sache. (Bild: Kulturschnack)

Oldenburg: Goldfischglas statt Haifischenbecken


Wie ist euer Gefühl gerade? Ihr hattet einen erfolgreichen Start und steht vor der nächsten Veranstaltung. Merkt ihr schon, dass etwas wächst und entsteht?


Katharina: Für mich war der Schlüsselmoment tatsächlich die Vorstellung im Kulturausschuss. Unsere Auftaktveranstaltung war toll. Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Leute gekommen sind und dass es allen Spaß gemacht hat. Aber im Kulturausschuss war es vor allem die Dankbarkeit der Ratsmitglieder, die mich beeindruckt hat. Auch Kulturdezernent Holger Denkmann und andere haben sich ausdrücklich bedankt und gesagt, wie schön sie es finden, dass wir das machen. Das hat mich sehr gefreut.


Nele: Holger Denkmann interessiert sich wirklich dafür und möchte gemeinsam mit uns über die Themen sprechen und seinen eigenen Beitrag leisten. Ich finde das super. Das war bei den Kulturdezernenten nicht immer so.


Wenn ihr jetzt in die Zukunft schaut: Welche Entwicklung würdet ihr euch besonders wünschen? Was soll in fünf Jahren über Kultiv in der Zeitung stehen?


Katharina: „Ein lebendiges Miteinander“. Ich erinnere mich da immer an Georg Heckel, den Intendanten des Oldenburgischen Staatstheaters. Bei einer Veranstaltung des Kultursalons wurde er einmal gefragt, was er an Oldenburg besonders findet. Er hat ja schon viel in Deutschland und darüber hinaus gesehen. Seine Antwort fand ich großartig: Was Oldenburg für ihn besonders macht, sei, dass die Kultur- und Kreativszene so wohlwollend miteinander umgeht. Dass sich die Menschen wirklich füreinander interessieren und zusammenarbeiten. Dass es dieses Konkurrenzdenken nicht gibt, sondern dass man sich gegenseitig mag, schätzt und unterstützt. Und genau dieses Gefühl habe ich auch.


Ich sage immer: Oldenburg ist kein Haifischbecken, sondern ein Goldfischglas. Und das mag ich wirklich sehr.

Nele: Wenn ich mir noch etwas wünschen darf, dann wäre es, dass KULTIV irgendwann der Ort ist, an dem man einen vollständigen Überblick über alle Veranstaltungen in Oldenburg bekommt. Über wirklich alles. Eine Datenbank, ein Kalender, in dem sämtliche Veranstaltungen zu finden sind und der die Informationen aus den verschiedenen Veranstaltungskalendern zusammenführt. Das wäre richtig geil!


 
 
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