SCREEN TIME #7: ZOE BELL
Das 33. Internationale Filmfest Oldenburg hat begonnen - und der Kulturschnack ist mitten drin! Für unser Format SCREEN TIME treffen jeden Tag eine Person aus dem Festivalbetrieb: Regisseur:innen, Schauspieler:innen oder jemand ganz anderen. Mit ihnen sprechen wir über die Filme, das Kino, die Unabhängigkeit und was uns sonst noch einfällt. Das Ergebnis? Findet ihr als Video auf unserem Insta-Kanal - und als Interview hier!

Es gibt Karrieren, die sorgfältig geplant und durchlaufen werden: gradlinig, zielgerichtet, ohne Umwege. Alles folgt einem festen Ablauf, nichts wird dem Zufall überlassen. Und es gibt Karrieren wie die von Zoë Bell: unvorhersehbar und wechselhaft, mit Brüchen und Wendungen, aufregend und lehrreich. Mit viel Selbstironie spricht die weltbekannte Stunt Performerin und Schauspielerin heute von „interesting career choices“, die sie häufig auf die Überholspur, manchmal aber auch in eine Sackgasse führten.
Wie es dazu kam? Dafür braucht es einen Blick zurück - und nach Neuseeland. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Zoe nämlich in den 1980er Jahren auf Waiheke Island, eine 45-minütige Fährfahrt von der Metropole Auckland entfernt. Oberflächlich betrachtet spricht hier zunächst nur wenig für eine internationale Filmkarriere. Wer genauer hinschaut, entdeckt aber durchaus die eine oder andere günstige Voraussetzung - zumindest dann, wenn man die Welt mit den Augen einer Zoë Bell betrachtet: voller Neugier und Wagemut.

Erst Turnen, dann Thurman
„Schon als kleines Mädchen wollte ich auf Bäume klettern, so hoch ich konnte, irgendwo runterspringen und so schnell rennen, wie es nur geht“, erinnert sich die Neuseeländerin. Turnen, Turmspringen, Eislaufen und Kampfsport – all das faszinierte sie. „Ich glaube, ich wurde mit einem Teil davon geboren.“ Dass aus dieser Lust an Höhe, Geschwindigkeit und Bewegung einmal ein Beruf werden könnte, wusste sie zunächst nicht. Doch dann sprach sie mit dem Stunt Performer Peter Bell, der von ihrem Vater ärztlich behandelt worden war - und das sollte alles verändern:
„Als ich herausfand, dass man dafür bezahlt werden kann, sich zu prügeln und Saltos zu machen, war ich von der Idee sofort angefixt.“
Ihre Karriere begann mit der Arbeit als Stuntdouble, unter anderem für Lucy Lawless in der Serie „Xena: Warrior Princess“. Später wurde sie Uma Thurmans Double in Quentin Tarantinos „Kill Bill“. Für ihre Arbeit an „Kill Bill: Volume 2“ erhielt sie 2005 zwei Taurus World Stunt Awards. Die Arbeit mit dem berühmten Regisseur sollten ähnlich folgenreich sein wie einst die Begegnung mit dem Stunt Performer. Denn es war Tarantino, der Zoë schließlich eine Rolle auf den Leib schrieb: In „Death Proof“ von 2007 spielte sie eine fiktionalisierte Version ihrer selbst – und wurde damit vom unsichtbaren Körper hinter einem Star zu einer sichtbaren Schauspielerin.
Doch unsichtbar zu sein, hat für Zoë keineswegs etwas Minderwertiges. Im Gegenteil. „Wenn die Leute glauben, Uma Thurman oder Sharon Stone hätten all ihre Stunts selbst gemacht, dann finde ich, dass wir einen guten Job gemacht haben“, sagt sie im Gespräch. „Wenn sie nicht erkennen, dass jemand anderes als sie es war, dann machen wir es richtig.“ Das ist ein bemerkenswert nüchterner Blick auf einen Beruf, der von außen vor allem nach Mut aussieht. Natürlich tut es weh, sagt Zoë. Wer Stunts macht, gehe eigentlich immer mit „irgendeinem blauen Fleck, einem Kratzer, einer Verstauchung oder irgendetwas“ nach Hause. Aber Schmerz und Angst funktionieren für sie anders als für viele andere Menschen. „Wenn ich in einer Performance bin, schalte ich den Schmerz so weit wie möglich aus.“ Später, am Ende des Tages, komme er zurück – etwa unter der Dusche, „wenn plötzlich alles anfängt zu brennen und weh zu tun“.

Stunt Performances: Der Spaß am Risiko
Noch wichtiger als Schmerz ist für sie die Vorbereitung. Stunt Performerin wurde Zoë nicht etwa, weil sie besonders verrückt wäre. „Ich fühle mich nicht verrückt“, sagt sie. Vielmehr müsse man Schmerz und Angst möglicherweise „ein bisschen anders managen“.
Ein Stunt wird wiederholt geprobt, technisch abgesichert und so eingerichtet, dass er mehrfach für die Kamera ausgeführt werden kann. „Man will niemals einen Stunt machen, bei dem man denkt, dass man beim ersten Take sterben wird“, stellt Zoë mit einem Schmunzeln fest, denn: „Das wäre aus mehreren Gründen eine schlechte Idee.“ Der entscheidende Moment komme deshalb vor dem Dreh. „Wenn ich ihn für die Kamera ausführe, habe ich den irrationalen Teil der Angst bereits hinter mir.“ Wenn sie beim eigentlichen Stunt noch wirklich Angst habe, sei das für sie ein Warnsignal: „Dann habe ich ihn nicht genug geprobt oder wir haben ihn nicht richtig vorbereitet.“ Beim Dreh selbst gehe es nicht mehr darum, ob sie sich verletzen könnte. Es gehe darum, die Aufgabe zu erfüllen. „Andere können Angst um mich haben“, sagt sie. „Aber ich sollte keine Angst vor mir selbst haben.“
Trotz aller Professionalität bleibt eine Sache ganz klar: Ja, die Stunts machen ihr Spaß. Besonders das Körperliche, das gemeinsame Tüfteln, die Zusammenarbeit. „Ich liebe es, meinen Körper einzusetzen und herausfinden, wie etwas funktioniert. Dann die Ausführung – und es richtig hinzubekommen“. Während der Proben könne etwa ein hoher Fall richtig Spaß machen. „Aber wenn es ans Drehen geht, ist es kein „Fun“ mehr, sondern eine Performance. Es ist ein Job.“ Dann zählt nicht mehr der Kick, sondern die Präzision.
Vielleicht liegt darin der Schlüssel zu Zoës Karriere: Sie versteht Action nicht als Selbstzweck. Für sie ist ein Stunt ein erzählerisches Mittel. Ein Film könne eine einzige Szene haben, in der jemand von einem Auto angefahren wird – und trotzdem könne genau dieser Moment für die Geschichte entscheidend sein. „Wenn es sich nicht echt und realistisch anfühlt, ziehst du das Publikum nicht auf dieselbe Weise mit.“ Gute Filmemacher benutzten Action wie jedes andere erzählerische Mittel.
„Ein Stunt kann eine Figur charakterisieren, eine Geschichte vorantreiben, eine Beziehung verändern. Wenn du ihn richtig einsetzt, ist er ein unglaublich dynamisches Werkzeug des Erzählens.“
Keine Preise für Unsichtbarkeit
Zoë kennt die andere Seite des Problems nur zu gut: Stuntleute sollen möglichst unsichtbar bleiben, obwohl ihre Arbeit wesentlich dafür ist, dass die Illusion funktioniert. Das Oldenburger Filmfest formuliert es ähnlich: Stuntarbeit sei lange eine „unsichtbare Kunst“ gewesen – unverzichtbar, aber dazu bestimmt, hinter den Schauspieler:innen zu verschwinden. Zoë habe diese Logik aufgebrochen.
Sie selbst ist bei der Frage nach Anerkennung ambivalent. Einerseits gefällt ihr die alte Ordnung. „Ich bin da old school. Ich mag es, dass wir nicht unbedingt erkannt werden.“ Andererseits findet sie es schwer zu erklären, warum andere Bereiche der Filmproduktion selbstverständlich ausgezeichnet werden, die Stuntabteilung aber lange nicht. „Professionell gesehen verdient die Stunt-Community definitiv die gleiche Wertschätzung und Anerkennung wie andere Departments.“ Dann folgt ein typischer Satz von Zoë Bell, mit einem Lachen serviert, aber ernst in der Sache:
„Warum bekommen Kostüme einen Oscar und Stunts nicht? Wie oft habe ich in einem Kostüm gearbeitet und gedacht: Warum bekommt ihr dafür einen Preis, wenn ich darin die ganze Arbeit machen muss?“

Vom Double zur Hauptrolle
Dass Zoë heute selbst vor der Kamera steht, war keineswegs von langer Hand geplant. Während „Kill Bill“ begann sie erstmals darüber nachzudenken, wie es wäre, auch Umas Thurmans Job zu machen – also die gesamte Figur zu verkörpern. Tarantino habe sie damals „gezwungen“, stärker wie eine Schauspielerin zu denken, erzählt die Neuseeländerin. Sie erinnert sich an seine Fragen nach Motivation und Ziele für die Figur. Ihre spontane Reaktion: „Was? Ich will hinfallen und mich nicht verletzen – das ist meine Motivation.“
Als schließlich „Death Proof“ entstand, war der Rollenwechsel für sie trotzdem geradezu absurd, denn es veränderte sich mehr als nur ihre Arbeit. Zuvor war sie als Stuntfrau jemand, der gerufen wurde, wenn es gefährlich wurde. Plötzlich stand ihr Name auf einem Stuhl. Am Set fragte sie plötzlich jemand, ob sie einen Tee wolle.
„Ich dachte: Ja, aber ich kann mir meinen Tee selbst holen. Normalerweise fragen mich die Leute nur, ob ich etwas möchte, wenn ich an Drähten hänge, von einem Baum baumle oder an ein Auto geschnallt bin.“

Die Unterschiede zwischen Schauspielern und Stuntleuten hat sie damit unmittelbar erlebt. Am Set gebe es durchaus eine Hierarchie, sagt Zoë. Sie hält sie organisatorisch sogar für notwendig: Irgendwo müsse letztlich eine Entscheidung getroffen werden. Aber als Menschen sollten alle gleich behandelt werden. Selbst die Reihenfolge in der Kantine – erst Cast, dann wichtige Crew, dann die „Stunties“, zuletzt die Komparsen – wirke auf sie „immer ein bisschen komisch“.
Besonders interessant findet sie die Zusammenarbeit zwischen Schauspieler:innen und ihren Doubles. Im besten Fall entsteht eine echte Partnerschaft. Zoë möchte als Double nicht nur die Bewegungen übernehmen, sondern auch die Figur verstehen: „Für mich wäre es ideal, wenn wir gemeinsam die Figur aufbauen.“ Diese Haltung schimmerte bereits in der Dokumentation „Double Dare“ durch, in der Zoë mit Blick auf Lucy Lawless die Perspektive wechselte: „She's my Acting Double“, stellt sie dort trocken fest. Zwar garnierte sie die Aussage mit einem herzhaften Lachen - gleichzeitig ist jedoch zu spüren, dass da ein gewisser Ernst unter der humorvollen Oberfläche durchschimmert.
Die Angst vor der Kamera

Der Übergang zur Schauspielerin war für sie alles andere als leicht. „Es hat mir höllische Angst gemacht“, sagt sie. „Die Kamera vor mir zu haben, war sehr konfrontierend.“
Ihr größtes Problem war ausgerechnet eine Fähigkeit, die sie als Stuntfrau perfektioniert hatte: die Kamera zu meiden.
Bell erzählt von einer langen Verfolgungssequenz in „Death Proof“. Sie sitzt auf der Motorhaube, das Auto fährt, die Kamera bewegt sich, sie bewegt sich – mehrere Minuten lang. Nach dem Dreh ist sie begeistert: „Das muss großartig gewesen sein!“ Tarantino zeigt ihr das Material. Zoë ist begeistert: „Oh mein Gott, das ist verdammt cool.“ Doch der Regisseur erklärt ihr, was nicht stimmt: „Wir sehen dein Gesicht kein einziges Mal.“ Als Stuntfrau hatte Bell gelernt, genau das zu tun: Sie spürt, wo die Kamera ist, und vermeidet sie. Mit den Händen, den Haaren, durch eine Drehung des Körpers. „Ich hatte sieben Minuten lang die Kamera vermieden, ohne es überhaupt zu merken.“
Diese Gewohnheit, sagt sie, sei bis heute nicht vollständig verschwunden. Wenn sie länger nicht vor der Kamera gestanden habe, neige sie immer noch dazu, alles so zu machen, dass die Kamera nicht direkt auf ihrem Gesicht sei. Was sie am Schauspiel schließlich lieben lernte, ist genau das Gegenteil ihrer früheren Arbeit: die vollständige Kontrolle über eine Figur. „Ich liebe es, die ganze Figur spielen zu können.“
Und sie lernte etwas, das im Stuntgeschäft kaum Teil der Aufgabe ist: emotionale Verletzlichkeit. „Menschen auf eine sehr öffentliche Art an mich heranzulassen, war wirklich schwierig und beängstigend.“ Heute könne sie das genießen, weil sie nicht zwangsläufig sich selbst preisgebe. Sie könne jemand anderen spielen, Emotionen erforschen, sich öffnen – und zugleich eine Figur zwischen sich und die Welt stellen.
„Wenn du dich hundertprozentig darauf einlässt, denkst du nicht über dich selbst nach.“ Es ist derselbe Mechanismus wie beim Stunt: Wer vollständig bei der Sache ist, hat keinen Platz mehr für Angst.

Zwischen Hollywood und Neuseeland
Vielleicht erklärt das auch, warum Zoë heute entspannter auf ihre Karriere blickt als früher. Sie erzählt, dass sie nach „Death Proof“ durchaus Mühe hatte, ihren Platz in Hollywood zu finden.
„Das Schauspielern habe ich geliebt, das Navigieren durch die Industrie dagegen nicht. Ich war darin auch nicht besonders gut.“
Ihre Beziehung zu Hollywood beschreibt sie rückblickend sogar als eine narzisstische Beziehung: „Hollywood hat mich die ganze Zeit gaslighted.“ Immer wieder sei sie an den Punkt gekommen, an dem sie dachte: Schluss damit, ich gehe nach Hause nach Neuseeland. Dann kam ein Job, der ihr wieder das Gefühl gab, warum sie diesen Beruf eigentlich liebt. Heute habe sich ihr Blick verändert. Ihr Leben außerhalb der Filmindustrie, ihr Zuhause, ihr Mann, ihr Hund hätten ihr eine andere Perspektive gegeben. „Ich darf mich dafür entscheiden, in dieser Industrie zu sein“, sagt sie. Und genau das mache sie dankbarer.

Harte Schale, weicher Kern?
Dass Zoë bislang vor allem mit Action verbunden wird, ist für sie nachvollziehbar, aber sie würde gern ausbrechen. „Sehr wenige Leute denken außerhalb dieser Schublade und sagen: Sie wäre großartig in einer Komödie oder einem Drama.“ Dann kommt der spontane Appell in die Kamera: „Besorgt mir bitte jemand einen Comedy Film!“ Und wir können nur hoffen, dass Zoë erhört wird, denn ihr ansteckender, oftmals ironischer Humor bildet einen roten Faden des Gesprächs. Nur zu gern würden wir ihn auch der Leinwand erleben.
Der Moment ist auch deshalb schön, weil Bell dabei etwas zeigt, das in ihrem öffentlichen Image leicht verloren geht. Die Frau, die Autos zerlegt, sich schlagen lässt, von Dingen springt und jahrzehntelang ihren Körper als Arbeitsgerät eingesetzt hat, ist keineswegs die „toughest woman in the world“, als die sie einst von einem Film-Magazin bezeichnet wurde.
„Ist das wahr? Nein. Ich weiß gar nicht, was tough überhaupt bedeutet. Ich würde sagen, ich bin körperlich ziemlich belastbar. Aber ich bin definitiv eine weiche, emotionale und sensible Seele.“
Dann setzt sie nach: „Stell dir einen Menschen mit mehreren Dimensionen vor.“
Und vielleicht ist das der treffendste Satz des gesamten Gesprächs. Zwar mögen viele Zoë Bell als Stuntfrau aus dem Action-Genre abgespeichert haben und sie lägen damit ja nicht falsch. Doch wenn Zoës Karriere eines gezeigt hat, dann dass sie sehr viel mehr ist als nur das.
Zoë Bell: Was kommt noch?
Zoë wird 2028 fünfzig Jahre alt. Auf die Frage nach dem Älterwerden reagiert sie zunächst pragmatisch: „Wenn du nicht älter wirst, stirbst du. Also ist Älterwerden großartig.“ Natürlich gibt es die andere Seite. Der Körper regeneriert langsamer. Alte Verletzungen melden sich zurück. „Was ich meinem Körper in den letzten vierzig Jahren zugemutet habe – ich bin beeindruckt.“ Sie versucht deshalb, ihrem Körper dankbar zu sein. Aber irgendwann müsse man akzeptieren, dass Verletzungen länger brauchen. Und was die Filmindustrie betrifft, ist ihre Antwort bemerkenswert kurz: „Die kann mich mal.“
Das klingt nach derselben Unabhängigkeit, die sich durch das gesamte Gespräch zieht. Zoë will nicht mehr unbedingt beweisen, dass sie in eine Industrie passt. Sie will entscheiden, ob die Industrie noch zu ihr passt.
Was sie bis zu ihrem runden Geburtstag unbedingt noch ausprobieren möchte? Nach einer Karriere voller Autounfälle, Schlägereien, waghalsiger Sprünge und Rollenwechsel könnte man eine spektakuläre Antwort erwarten. Doch nach einem kurzen Überlegen folgen zunächst nur vier Worte: „Meinen ersten Spielfilm inszenieren.“ Aber wenn es nach ihr geht, soll das möglichst bald passieren. Das passt zu einer Frau, deren beruflicher Lebenslauf zunächst wie ein Zufall klingt und sich bei genauerem Hinsehen doch erstaunlich konsequent liest.

„In der Schule war ich gut in den Fächern, die ich mochte: Englisch, Sport. Aber ich konnte mir keine Welt vorstellen, in der diese drei Interessen zusammen eine Karriere ergeben könnten“, erinnert sich Zoë. Dann kam das Stuntgeschäft. „Und siehe da: ich bin in dem einzigen Beruf gelandet, der für mich alle drei Dinge miteinander verbindet.“ Deshalb benutzt sie das Wort „gesegnet“ so gern, obwohl sie sich selbst nicht als besonders religiös bezeichnet. Das Multitalent hatte die Möglichkeit, etwas zu finden, das sie wirklich begeistert. Und wenn man eine Arbeit liebt, verändern sich auch die Opfer, die sie verlangt.
„Die harte Arbeit fühlt sich dann nicht mehr so hart an. Der Schmerz tut nicht so weh. Die langen Arbeitszeiten sind nicht ganz so schlimm.“
Einen Rat für Menschen, die in das Stuntgeschäft oder überhaupt in die Filmbranche wollen, hat sie deshalb nur ungern parat. Einen festen Weg gebe es nicht. Auch nicht einmal innerhalb des Stuntberufs: Manche hervorragenden Stuntleute seien schlechte Stuntkoordinatoren, manche hervorragenden Koordinatoren seien nie besonders gute Performer gewesen. Ihr Prinzip ist einfacher: „Was liebst du? Mach mehr davon.“
Und vielleicht ist das die eigentliche Geschichte von Zoë Bell. Nicht die einer Frau, die keine Angst kennt. Sondern einer Frau, die gelernt hat, Angst in Vorbereitung zu verwandeln – und einen Beruf daraus zu machen. Erst mit dem Körper, dann mit dem Gesicht, schließlich mit der ganzen Geschichte.
Gute Schauspielerin: Zoë Bell hat ihre Geschichte schon hundert Mal erzählt. Trotzdem wirkte sie bis zum Ende des Gesprächs so, als hörte sie all unsere Fragen zum ersten Mal. (Bilder: Kulturschnack)
So hoch hinaus wie es geht
Hätte es für Zoë Bell noch höher hinaus gehen können? Hätte ihr Karriereweg geradlinig und zielgerichtet bis an die Spitze verlaufen können? Viel spricht dafür. Wer die höchst sympathische Neuseeländerin im Gespräch erlebt, kann ihre Starqualitäten nicht übersehen. Von ihr geht genau jenes Strahlen aus, das man vielen Schauspielgrößen zuschreibt. Und doch ist sie nicht den Olymp der Megastars aufgestiegen. „Some interesting career Choices“ standen dem entgegen. Als ein Makel wirkt das bei ihr allerdings nicht. Im Gegenteil: Zoe Bell ist mit sich im Reinen. Und das ist vielleicht mehr, als so mancher Star von sich behaupten kann.
In Oldenburg wird sie dafür gefeiert, dass sie die Grenze zwischen Stunt und Schauspiel, zwischen Körper und Figur, zwischen vor und hinter der Kamera verschoben hat. Das Festival nennt sie eine der prägenden physischen Erscheinungen des modernen Genrekinos. Bell selbst würde die Sache vermutlich weniger pathetisch formulieren.
„Ich will alles machen. Und wenn man ihr zuhört, klingt das nicht wie ein Karriereplan. Eher wie die logische Fortsetzung einer Kindheit, in der ein Mädchen auf Waiheke Island einfach immer höher klettern, schneller fahren und ausprobieren wollte, was als Nächstes kommt.


