SCREEN TIME #5: OLIVER KORITTKE
Das 33. Internationale Filmfest Oldenburg hat begonnen - und der Kulturschnack ist mitten drin! Für unser Format SCREEN TIME treffen jeden Tag eine Person aus dem Festivalbetrieb: Regisseur:innen, Schauspieler:innen oder jemand ganz anderen. Mit ihnen sprechen wir über die Filme, das Kino, die Unabhängigkeit und was uns sonst noch einfällt. Das Ergebnis? Findet ihr als Video auf unserem Insta-Kanal - und als Interview hier!

Oliver Korittke ist ein bekannter Name - und ein bekanntes Gesicht - im deutschen Schauspielgeschäft. Kein Wunder: Er ist seit 54 Jahren dabei. Schon im zarten Alter von vier Jahren hatte der gebürtige Berliner einen Auftritt in der Sesamstraße. Dabei blieb es nicht, in den folgenden Jahrzehnten wirkte er in etlichen Kultfilmen mit, darunter „Bang, Boom, Bang“ oder „Musterknaben“. Viele kennen ihn auch aus dem TV-Dauerbrenner „Wilsberg“. Dabei ist Olli auf echte „Typen“ abonniert: Charaktere mit Ecken und Kanten, die es häufig nicht so leicht haben oder sich selbst im Weg stehen - die im Grunde aber absolut liebenswert sind.
Die Hauptrolle in seinem neuesten Film „Superbuhei“ passt durchaus in diese Linie, schließlich ist Jesse Bronske ein Kneipenwirt mit Alkoholproblem, einer wachsenden Paranoia und Stress mit den Scorpions. Der Film selbst genießt aber trotz der vielen Erfolge eine Sonderstellung in der langen Filmographie von Oliver Korittke. Mit seinem Debüt kreiert Regisseur Josef Brandl eine überaus sehenswerte Mischung aus klugen Einfällen, einer ganz eigenen Ästhetik und einem starken Ensemble - samt überzeugendem Hauptdarsteller. Warum die Rolle des schrägen Vogels so reizvoll ist, wie sich Drehtage mit 15 Stunden anfühlen und weshalb die Kneipe als Debattenort unterschätzt ist? Hat Oliver uns im Interview verraten.
SUPERBUHEI
MIT OLIVER KORITTKE
DO 21.30 UHR
CASABLANCA
AUSVERKAUFT
FR 16:30 UHR
CASABLANCA AUSVERKAUFT
Oliver, dein neuer Film „Superbuhei“ spielt in einem Supermarkt, aber eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Das ist kein Film von der Stange. Es ist etwas sehr Besonderes, fast schon ein kleines Kunstwerk. Wie kam es dazu, dass du Teil davon geworden bist?
Ich kenne den Regisseur Josef Brandl schon ganz lange. Ich habe ihn mal bei 13th Street kennengelernt, bei diesem Festival saß ich in der Jury für Kurzfilme - und er hat gewonnen. Dort hat er mir von einem Projekt erzählt, das er vorhatte, und dass ich dafür eigentlich die ideale Besetzung wäre. Ein paar Wochen später kam dann ein Drehbuch - aber danach ging Zeit ins Land, weil es nie so richtig gepasst hat. Das Ganze ist mittlerweile acht Jahre her und ich bin total glücklich darüber, dass Josef an mir festgehalten hat.
Es hat einfach einen Riesenspaß gemacht, die Figur des Jesse zu spielen. Die Rolle erfordert auch einigen Mut, weil man nicht eitel sein darf - aber das bin ich nicht und nie gewesen.
Wir haben es dann geschafft, diesen Film in 20 oder 21 Tagen mit einem echt kleinen Budget zu drehen. Aber wir hatten ein tolles, wahnsinnig junges und motiviertes Team, mit Moritz Moessinger einen tollen Kameramann und mit Jan Philip Lange einen coolen Produzenten. Der ist neben seinen öffentlich-rechtlichen Sachen immer noch Film-Enthusiast und stellt dann auch noch so ein Projekt auf die Beine. Das ist schon lobenswert.
Für Josef Brandl ist „Superbuhei“ das Langfilm-Debüt. Ist es eigentlich ein Unterschied, ob man mit einem ambitionierten Newcomer zusammenarbeitet oder mit etablierten Regisseuren?
Sagen wir mal so: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Josef kommt ja auch von der Requisite beziehungsweise Ausstattung, und das sieht man dem Film auch an. Aber das finde ich toll, und es tut dem Film gut. Er hat eine ganz tolle Bildsprache und ist sehr detailverliebt, gerade was die Requisiten angeht, die im Bild stehen. Er wusste schon genau, was er wollte. Ich glaube, er hat mich auch als Schauspieler ausgesucht, weil er wusste: Dem muss er nicht jedes kleine Fitzelchen erklären. Er hat mir zum Beispiel gesagt: „Komm, hab Mut, stell dich da hin.“ Er hatte da schon eine sehr klare Vorstellung.
Anfangs hat natürlich alles ein bisschen länger gedauert. Josef musste sich an den ersten Tagen wahrscheinlich auch erst daran gewöhnen, der Chef und die erste Person am Set zu sein. Das ist ja nicht ganz einfach. Aber er hatte Stan, einen tollen Regieassistenten aus Berlin. Der hat das alles ein bisschen zusammengehalten und Josef dadurch Luft verschafft. Er hat viel übernommen und war auch jemand, der keine Angst davor hatte, vielleicht nicht immer der Beliebteste am Set zu sein. Das brauchst du bei so einem Haufen. (lacht)

In „Superbuhei“ gibt es viele schöne Einfälle bei den Kamerapositionen und den Schnitten, aber darüber hinaus auch eine ganz eigene Ästhetik, die manchmal fast surreal wirkt.
Der Film geht, wie ich fast sagen würde, ein bisschen in Richtung Arthouse. Ich bin jetzt nicht immer so der Namensgeber für solche Sachen, aber es ist einfach ein schöner Film geworden und kein 08/15-Film, der sich irgendwo anpasst. Ich glaube, entweder gefällt er den Leuten oder andere können damit gar nichts anfangen. Das ist ja auch völlig in Ordnung. Aber es ist eben kein Blockbuster oder das, was man im Moment sehr viel sieht, sondern eine ganz andere Familiengeschichte.
Wenn du mich fragst: Das könnte ein Geheimtipp und später vielleicht sogar ein Kultfilm werden.
Hoffentlich. Das Team hätte es verdient. Es war wirklich ein Ritt - und ich bin ja noch nicht mehr 25. (schmunzelt) Wir waren 21 Tage am Start, teilweise 15 Stunden am Tag, und ich war einfach in jedem Bild dabei. Es gab drei Tage, da hatte ich jeweils eine halbe Stunde Pause, weil ich nicht dran war. Ansonsten war ich durchgehend dran. Das verging aber relativ schnell und es hat einen Riesenspaß gemacht. Das war für mich echt ganz besondere Arbeit.

Der Film ist ja irgendwo ein Kammerspiel, weil fast alles in der Kneipe, im Supermarkt und im Haus spielt. Ist das für dich als Schauspieler schwieriger, wenn man immer im gleichen Umfeld arbeitet?
Nein, das Setting ist irgendwann wie ein Freund, den man hat. Man kommt morgens rein und kann sich damit viel mehr verbinden als mit einer Bushaltestelle auf einer Straße, wo eine Traube von Menschen steht, die ferngehalten werden müssen. Oder wenn du in einem Studio bist, wo oben die ganzen Lampen hängen. Es gibt einem auch eine gewisse Sicherheit, wenn man zehn Drehorte hat und nicht fünfunddreißig. Dieses triste Haus war nachher mein Freund. Du kommst da morgens rein und denkst dir: „Na, guten Morgen.“ (lacht) Und dann muss ich auch noch mal Milton Welsh erwähnen, Hans-Jürgen Alf, Susanne Bredehöft, Silke Bodenbender, sowieso.
Wenn du solche Kollegen hast, die gut vorbereitet sind, denkst du beim Spielen: „Oh meine Güte, da muss ich immer ein bisschen am Start sein und Gas geben.“ Das hat echt gut gepasst, und das tut dem Film gut.
Wir haben uns nicht einfach gemocht, weil wir uns für die Zeit mögen mussten. Das war echt. Milton kannte ich vorher schon ein bisschen. Und ich finde auch die kleine Rolle von Hans-Jürgen Alf toll. Der hat vielleicht drei oder vier Sätze im Film, aber die sind so prägnant, dass du dir diesen Typen total merkst. Er ist vielleicht von 107 Minuten nur 17 Minuten dabei, aber das merkst du dir.
Das war Josef natürlich wichtig, und das arbeitet er entsprechend aus. Aber das war auch vorher alles schon da. Das war in dem Buch beschrieben. Man sah, als man dort ankam, was drumherum schon vorgedacht und gearbeitet war. Moritz hat eine super Bildsprache, und Peter hat ein tolles Licht gemacht. Also auch technisch war das doch hochwertig. Es wurde schön gebaut, es war eine tolle Ausstattung. Und auch beim Licht und beim Kameraequipment ist relativ viel Geld reingeflossen.
Kommen wir mal zu deiner Rolle, Jesse. Du hast irgendwann mal gesagt, du spielst gerne liebenswerte Loser. Was hat dich persönlich an Jesse gereizt? Zählst du ihn dazu?
Ich würde ihn voll dazuzählen. Das ist jemand, der ganz klar an der Außenseite steht, der die ganze Zeit mit einem Riesenproblem durch den Film läuft und dem man unheimlich gerne dabei zuschaut, wie er von einem Haufen Scheiße in den nächsten reintritt. Und das mache ich gerne.
Hast du dich jemals gefragt, warum du diese Vorliebe für solche Rollen hast?
Ich glaube, dass man immer ein bisschen das spielt, was man auch ist. Es gibt Schauspieler, die haben einen tollen Buddy-Typen, und das ist ihre Präferenz. Und bei mir ist es eben eher das. Auch wenn ich im Leben eigentlich gar nicht so bin, kann ich mich nicht beschweren – weder über meine Kindheit noch über die Arbeit, die ich bis jetzt machen durfte, oder über mein Leben überhaupt. Auch bei Wilsberg, den ich jetzt seit zwanzig Jahren mache, ist es ein ähnlicher Charakter: ein etwas trotteliger Finanzbeamter, der eine Vorliebe für Kriminalfälle hat und einen interessanten Menschen kennengelernt hat. Ich glaube, dass man immer ein bisschen das spielt, was man ist. Es hört sich komisch an, aber man hat einfach eine Affinität dafür.
Klar, als Schauspieler spielt man mal die Bösewichte, mal die Guten, aber bei mir ist es so: Selbst wenn ich böse Menschen gespielt habe, waren die Leute am Ende traurig, wenn ich erschossen wurde.
Das liegt irgendwie in meiner Natur oder einfach daran, wie ich an die Figuren rangehe. Ich meine, ich kann ja nichts machen. Ich bin so, wie ich bin. Ich habe dieses Gesicht, dieses Spiel. Ich habe eine relativ prägnante Stimme, höre ich immer wieder. Aber es ist einfach, wie es ist, und ich hab da nichts gegen. „Ich spiele lieber die Kaputten“, wie Ralf Richter gesagt hat, der leider kürzlich verstorben ist. Wer schaut schon jemanden 90 Minuten beim Bügeln zu? Damit ist eigentlich alles gesagt.

Der gebürtige Oldenburger Jan Georg Schütte, der in „Superbuhei“ den Leiter des Supermarktes spielt, ist ja durchaus ein ein ähnlicher Typ. Da habe ich gleich gedacht: Wenn ihr beide in einem Film seid, ist das noch mal ein kongeniales Duo.
Ja, super. Ich habe bei ihm auch eine andere Herangehensweise erlebt. Ich glaube, er bereitet sich noch ein bisschen mehr vor als ich, und es war einfach großartig, mit ihm zu spielen. Ich kannte ihn vorher, wenn ich ganz ehrlich bin, gar nicht. Oder er ist so ein Chamäleon, so wandelbar, dass man ihn vielleicht gar nicht wirklich wahrnimmt. Aber als ich dann gesehen habe, was der da spielt und wie er diese Figur spielt, war ich begeistert.
Das mussten andere erst mal so spielen, und du glaubst ihnen kein Wort. Aber er kann das.
Der zentrale Ort des Films ist ja die Kneipe „Klaus Meine“. Dort führen Jesse und seine Stammgäste in all ihrer Verschrobenheit wunderbare Gespräche. Würdest du sagen, dass Kneipen als Orte der Alltagsphilosophie unterschätzt werden?
Ich bin ja in der Kneipe großgeworden. Mein Großvater hatte seit den 60er- und Anfang der 70er-Jahre in Steglitz eine Kneipe. Da bin ich aufgewachsen. Das war mein Hort und mein Kindergarten und am Anfang meine Schule des Lebens. Und da war es, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht ganz so. Es war schon ein bisschen politischer, aber nicht ganz so philosophisch wie bei uns im Film. Da haben sich Ärzte getroffen, Baulöwen, Leute von der Bank. Jede Gesellschaftsschicht trinkt ganz gerne mal was. Und ich habe dort auch solche Gespräche erlebt. Da war allerdings viel mehr Trubel. Das war alles nicht so trostlos und kaputt wie in dem Film. Kaputt irgendwie auch schon, aber mit ein bisschen mehr Humor oder mit ein bisschen mehr Abstand dazu.
Gnadenlos guter Erzähler: Oliver Korittke hat viel gesehen und viel erlebt. Uns hat er an nicht nur von seinem neuesten Film erzählt, sondern auch von seiner Haltung zum Schauspiel. (Bilder: Kulturschnack)
Es war damals völlig normal, nach der Arbeit in die Kneipe zu gehen und seine zwei Lagen zu trinken oder sonntags durch die Kneipen im Viertel zu ziehen und seinen Sonntagsschnaps abzuholen. Aber ich glaube, dass die Kneipe bis heute ein Ort des gedanklichen Austauschs geblieben ist. Bei „Superbuhei“ wird das noch ein bisschen verstärkt, um zu erzählen, wo das richtige Leben vielleicht tatsächlich stattfindet: in Cafés, in Kneipen und so weiter. Damals bnei meinem Großvater ist das auf jeden Fall passiert, und zwar auf wirklich interessante Art. Da kamen vom Maurer bis zum Gelehrten, bis zur Lehrerin, bis zum Philosophen alle zusammen, die da saßen und ihr Bier getrunken haben. Und da kamen gute Gespräche zusammen.
Eine weitere Besonderheit ist Jesses Faible für die Scorpions. Deren Sänger Klaus Meine hat sogar eine kleine Rolle übernommen. Wie hat er sich als Schauspieler geschlagen?
Er war da und ich glaube, dass ihm die ganze Welt oder das Universum von „Superbuhei“ ganz gut gefallen hat. Er war am Set total freundlich. Aber natürlich kommt da ein Rockstar an, mit einer kleinen Limousine und seinem Fahrer und seinem Manager, der irgendwie auf ihn aufpasst. Aber es war toll, dass er sich darauf eingelassen hat. Ich mag halt Menschen, die sich nicht ganz so ernst nehmen. Und ich glaube, er gehört dazu.
Er hätte ja auch sagen können: „Nee, warte mal, hier so ein Film, wo die ganze Zeit so ein Querkopf rumläuft, wo die in so einer Kneipe sitzen und da so ein schräges Ding passiert – da gebe ich meinen Namen nicht für her.“ Ich glaube aber, dass er die Idee ganz witzig fand, dass er in Wirklichkeit dabei ist und das eigentlich geil findet, im Film aber so tut, als wäre er der spießige Rockstar, der nicht will, dass diese verpennerte Kneipe seinen Namen trägt. Und das war der Grund, warum er mitgemacht hat.

Es ist durchaus erstaunlich, dass ein Debütfilm mit begrenztem Budget so viel Prominenz versammeln kann.
Wie Alfred Hitchcock damals gesagt hat: Was macht einen guten Film aus? Ein gutes Buch, ein gutes Buch und ein gutes Buch. Und das war bei diesem Film so.
Das ist ein Film, bei dem du mir hättest sagen können: „Kriegst gar nichts“, ich hätte es trotzdem gemacht. So einem Film dreht man nur einmal im Leben. Das machst du nicht oft.
Ich habe, locker 100 Filme in meinem Leben gedreht. Nicht unbedingt in der Hauptrolle, aber so um die 100 Filme. Vielleicht sogar noch mehr, völlig egal. Aber wenn mich jemand fragt, nenne ich ihm nur fünf. Es gibt einfach Sachen, für die man steht. Dann rede ich über „Wilsberg“, über „Musterknaben“, über „Bang Boom Bang“, über „Vollgas“. Und wenn mich jemand fragt, was meine Karriere ausmacht, versuche ich nicht, möglichst viel aufzuzählen, sondern lieber wenig Gutes. Denn da war auch viel Müll dabei.
Das klingt angenehm authentisch und reflektiert.
Das ist überhaupt nicht böse gemeint. Es gibt viele Sachen, die man wegen des Geldes gemacht hat oder weil man dachte, das könnte ein Star-Ding werden. Aber diesen Film habe ich mit Sicherheit weder wegen des Geldes noch wegen irgendwelchem Ruhm gemacht. Alles, was mir Freude bereitet, weil ich anderen Leuten damit Freude bereitet habe, ist einfach cool. Und das macht man halt nicht oft.
In diesem Geschäft trifft man immer viele Leute, die gerade die Leiter nach oben gehen, und dann sagst du: „Bleib ruhig, Junge, du kommst irgendwann wieder runter.“ Das ist einfach so. Es geht nicht nur nach oben. Du hast zehn, vielleicht fünfzehn gute Jahre, wenn du Glück hast. Und da musst du deine Schäfchen ins Trockene bringen. Damit meine ich nicht, dass du so viel Geld scheffeln musst, dass du danach auf den Malediven leben kannst. Du solltest in dieser Zeit einfach zusehen, dass du drei, vier, fünf Filme machst, für die du stehst und für die du gerne stehst. Das macht es für mich aus. Das ist mein Weg.
Letztlich habe ich aber alle Filme gerne gedreht. Ich spiele nicht nach dem Motto: „Das ist sowieso nur eine kleine Rolle, da gebe ich mir nur die halbe Mühe.“ Wenn ich nur drei Drehtage habe, spiele ich genauso, als wenn ich dreißig habe. Wenn ich 500 Euro am Tag kriege, spiele ich genauso, als wenn ich 5.000 bekomme. Du spielst ja nicht für das Geld, du spielst, weil du es liebst. Außerdem ist das irgendwie auch das Einzige, was ich kann. Deswegen ist es ganz okay, dass ich dabei bleiben durfte.

Du bist auf jeden Fall schon länger als zehn oder 15 Jahre dabei.
Ja, ich glaube nicht, dass es so viele Schauspieler gibt, die mit vier in der Sesamstraße angefangen haben und dann mit 58 noch hier sitzen und vor allen Dingen immer noch Spaß daran haben. Auch wenn die gestrige Nacht echt hart war, die Eröffnungsnacht. Es war gleich ein wilder Ritt, aber voll gut.
Das bringt mich eigentlich zu einer guten Frage. „Superbuhei“ feiert in Oldenburg seine Premiere. Das ist ein Festival, das Independent-Film feiert. Ist das ein Perfect Match für euch?
Ich finde das auf jeden Fall viel passender, als mit dem Film jetzt in Cannes zu sein, wo er kein Aufsehen erregt oder überhaupt kein Interesse findet. Oder auf der Berlinale. Weil es einfach so groß ist, da hätte er sich verloren. Hier bekommt er wahrscheinlich genau die richtige Aufmerksamkeit.
Ich glaube, das ist ein Film, der eher die Liebe zum Film zeigt, anstatt damit jetzt das große Geld zu verdienen. Und die Leute, die ihn gemacht haben, werden, glaube ich, weiterhin zu tun haben. Die wird man sich merken und die werden Aufmerksamkeit erregen. Und das ist einfach cool.
Das Filmgeschäft ist vielleicht ein bisschen wie ein Autorennen: Mit dem schnellsten, besten und teuersten Auto Erster zu werden, ist nicht so schwer. Aber mit einer Ente irgendwie unter die ersten zehn zu kommen, ist schwieriger und hat auch etwas viel Interessanteres. Und der Weg dahin ist auch viel interessanter. Wenn du an ein Set kommst, wo du einfach das Gefühl hast: Diese Leute hier reißen sich den Arsch auf für das, was sie machen, dann ist das etwas anderes als wenn die Leute nur fragen: „Wann ist Mittag? Wann ist Feierabend? Kein Bock hier auf die Scheiße.“ Das zieht dich als Schauspieler einfach total runter. Wenn du dagegen hinkommst und da stehen junge Leute, die schon wirbeln und arbeiten, dann nimmst du dich auch ganz anders wahr und nimmst die eigene Arbeit viel ernster.

Du hast jetzt mehrfach angedeutet, dass es dir nicht darum geht, auf Platz eins der Kino-Charts zu landen. Was erwartest du denn oder was erhoffst du dir von „Superbuhei“?
Ich hoffe, dass er auf jeden Fall Aufsehen erregt, dass er mit den Kopien, die er hat, sein Publikum findet und dass er relativ schnell als Film dasteht, den man sich immer wiedermal angucken kann. Dass man irgendwann sagt: „Wollen wir mal was anderes gucken?“ Und ich hoffe, dass das so ein bisschen, dass die Leute nach einigen Jahren mal wieder sehen, dass ich noch da bin und immer noch Spaß habe. Dass man sieht, dass es immer noch interessante, neue Regisseure gibt, neue interessante Kameramänner und dass die Filmszene insgesamt noch nicht ganz im Arsch ist. Dass es immer noch Menschen gibt, die eine wahnsinnige Liebe für diesen Beruf beweisen.
Und natürlich hoffe ich, dass man dem Publikum damit großen Spaß bereitet, aber auch zum Nachdenken anregt.
Ich hoffe, dass der Film den Erfolg hat, den er verdient, und dass auch die Leute in der Filmszene, die daran gearbeitet haben, irgendwann sagen können: „Siehste, man muss gar nicht viel Geld haben. Man kann auch für kleines Geld immer noch gute Sachen machen.“ Dass daraus etwas Positives für die Filmszene ausstrahlt – das würde ich mir wünschen.


