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EINFACH MACHEN: DAT_FUNST FESTIVAL

  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

Ausgelassen Feiern, zusammen mit anderen eine gute Zeit haben: Wer mag das nicht? Gemeinsam kreativ sein, sich ein bisschen ausprobieren und etwas Neues schaffen: Das klingt auch nicht schlecht. Aber muss man diese Dinge eigentlich trennen? Funktionieren sie vielleicht auch zusammen? „Aber sicher!", sagt Sonja Hackstedt. Und sie tritt auch gleich den Beweis an - mit „Dat-Funst“, dem Feier- und Kunstfestival. Was sich dahinter verbirgt? hat sie uns im Gespräch erzählt.


Vielversprechend: Das Plakat deutet einiges an, aber lässt vieles offen. Genau richtig,, um neugierig zu machen! (Bild: Dat_Funst)
Vielversprechend: Das Plakat deutet einiges an, aber lässt vieles offen. Genau richtig,, um neugierig zu machen! (Bild: Dat_Funst)

Kunst anschauen kann jeder. Die meisten trauen sich durchaus auch ein Urteil oder eine Meinung zu. Aber selbst etwas gestalten? Dafür braucht es doch Talent, Erfahrung oder zumindest ein bisschen Mut – oder? Sonja Hackstedt möchte genau mit diesem Gedanken aufräumen. Mit dem kleinen Dat_Funst-Festival in der Oldenburger Werkschule verbindet die hauptberufliche Lichtdesignerin Kunst, gemeinsames Schaffen und Feiern. Vor allem aber möchte sie eine Einladung aussprechen: einfach mal machen.


„Ich hab schon immer gerne gefeiert und ich mochte auch schon immer gerne Kunst“, erzählt die Initiatorin. Als eine Party aber einmal ziellos vor sich hin trudelte und außer Getränken nicht viel zu bieten hatte, kam ihr der Gedanke, beides miteinander zu verbinden. Denn warum sollte man beim Feiern eigentlich immer nur konsumieren? Und warum sollte Kunst nicht in einer ausgelassenen Atmosphäre entstehen? Warum also nicht gleichzeitig etwas ausprobieren, gestalten und gemeinsam entstehen lassen? Aus dieser Idee entwickelte sich das „Feier- und Kunstfestival“.



DAT_FUNST

FEIER- UND KUNST-FESTIVAL


5. BIS 6. SEPTEMBER 2026


WERKSCHULE OLDENBURG

26122 OLDENBURG


EINTRITT: 5,- EURO


ACHTUNG: BEI DER VERANSTALTUNG WIRD NUR BAR-ZAHLUNG MÖGLICH SEIN!



Probieren statt funktionieren


Es klingt zunächst tatsächlich etwas schräg. Musik- und Kunstfestivals? Kennt man. Aber ein Festival fürs Feiern - das haben wir bisher noch nicht gehört. Kann das wirklich funktionieren? Wird das einen Mehrwert haben? Aber schon diese Fragen führen in die Irre, denn sie setzen voraus, dass alles auf einen Zweck ausgerichtet ist. Bei Dat_Funst ist das aber anders. Es muss eben nichts „funktionieren“ oder zwangsläufig einen tiefen Sinn haben. Es geht vielmehr ums Probieren - und darum, die Zurückhaltung, das Zaudern und Zögern abzulegen, das uns im Alltag oft davon abhält, die coolen Dinge zu tun. Doch dafür bietet sich nun die perfekte Gelegenheit.



Lust auf Feiern und Kunst: Sonja Hackstedt möchte beides nicht trennen, sondern zusammenführen - ganz locker und unkompliziert. (Bild: Kulturschnack)
Lust auf Feiern und Kunst: Sonja Hackstedt möchte beides nicht trennen, sondern zusammenführen - ganz locker und unkompliziert. (Bild: Kulturschnack)

Oder besser gesagt: eine ganze Reihe an Gelegenheiten, denn das Programm des „Dat_Funst“-Festivals ist sehr vielfältig. Es gibt ruhige Angebote wie Yoga oder ein Soundbad, aber auch Aktionen, die ein bisschen mehr Mut erfordern – etwa die Möglichkeit, sich das Organspende- oder Semikolon-Tattoo tätowieren zu lassen. Dazwischen finden sich zahlreiche Angebote, bei denen wirklich jede:r einfach loslegen kann, wie etwa Papierschöpfen, eine Buttonmaschine, Linol- oder Siebdruck. Wer möchte, kann am Sonntag ein eigenes T-Shirt oder einen Jutebeutel mitbringen und bedrucken. Musikalisch wird's auch: Schon tagsüber legen Djs auf, am Samstagabend ist lil.lili vom Vielviel Kollektiv zu Gast, am Sonntagnachmittag das Singer-Songwriter-Duo Promised Potion.



Dat_Funst: Trust the Process


Kunst muss dabei nicht kompliziert sein. „Es geht eher darum, mitzumachen und Spaß zu haben“, erklärt Sonja. Vorkenntnisse oder eine besondere Kunstaffinität seien nicht notwendig. Das Festival soll gerade für Menschen offen sein, die bislang wenig Berührung mit Kunst hatten. Wer möchte, kann zunächst einfach kommen, sich umschauen und die Ausstellungsfläche im Foyer der Werkschule erkunden. Dort treffen professionelle Ansätze auf Arbeiten von Menschen, die kreativ tätig sind, ohne daraus ihren Beruf gemacht zu haben. Sonja geht es genau um diese Mischung: Menschen zusammenzubringen, die sonst vielleicht nicht in einem Raum gemeinsam kreativ werden würden.



Zum Prinzip von Dat-Funst gehört es, dass man vollkommen unvorbereitet in die Veranstaltung eintauchen kann. Wer aber beim Blick aufs Programm sofort weiß, was er ausprobieren möchte, kann sich via Instagram direkt an die entsprechenden Künstler:innen wenden und vorab einen Platz reservieren. So vermeidet man Wartezeiten zu Stoßphasen und erleichtert dem Orgateam die Planung. (Grafik: Das_Funst)
Zum Prinzip von Dat-Funst gehört es, dass man vollkommen unvorbereitet in die Veranstaltung eintauchen kann. Wer aber beim Blick aufs Programm sofort weiß, was er ausprobieren möchte, kann sich via Instagram direkt an die entsprechenden Künstler:innen wenden und vorab einen Platz reservieren. So vermeidet man Wartezeiten zu Stoßphasen und erleichtert dem Orgateam die Planung. (Grafik: Das_Funst)

Dabei darf auch etwas entstehen, das nicht perfekt ist. Im Gegenteil: Das Unfertige, Überraschende und Gemeinsame gehört zum Konzept. „Trust the process“ nennt Sonja das. Niemand weiß vorher genau, was am Ende herauskommt. "Das Ergebnis entsteht aus den Menschen, die da sind, ihren Ideen und dem, was sie miteinander ausprobieren." Trotzdem ist das Mitmachen kein Muss. Im Laufe des Tages - oder auch: Abends - dürfte sich der Vibe immer stärker Richtung Feiern verschieben. Wem es vor allem um das F im Wörtchen Funst geht, kommt auch also auf seine Kosten.



Die Schwelle einfach weglassen


Für Sonja geht es bei Dat_Funst auch um eine grundsätzliche Frage: Warum wird Kunst so häufig mit einer hohen Einstiegshürde verbunden? Ein Kunstkurs, eine feste Anmeldung, ein bestimmtes Können – all das kann Menschen davon abhalten, überhaupt anzufangen. Ihr Gegenentwurf ist denkbar einfach: vorbeikommen, ausprobieren, wieder gehen. Vielleicht entsteht dabei nur ein kleiner Druck oder ein selbst gestalteter Button. Vielleicht wird daraus ein Bild, das später zu Hause an der Wand hängt. Entscheidend ist nicht das Ergebnis, sondern die Erfahrung, selbst etwas gemacht zu haben.



Perle im Bahnhofsviertel: Von außen wirkt die Werkschule unspektakuläre, aus dem Inneren eröffnen sich aber spannende Blick in die Umgebung. (Bild: Kulturschnack)
Perle im Bahnhofsviertel: Von außen wirkt die Werkschule unspektakuläre, aus dem Inneren eröffnen sich aber spannende Blick in die Umgebung. (Bild: Kulturschnack)

„Einfach mal machen“ lautet deshalb die vielleicht wichtigste Botschaft des Festivals. Ohne großen Anspruch und ohne das Gefühl, erst etwas beweisen zu müssen. „Wir müssen keine Meister sein“, sagt Sonja. „Wir müssen keinen Titel haben, um ein Bild malen zu können.“


Denn im gemeinsamen Tun verändert sich auch die Art, wie Menschen miteinander umgehen. Man kommt ins Gespräch, probiert etwas aus, schaut anderen über die Schulter und entdeckt vielleicht Seiten an sich selbst, die im Alltag weniger Raum bekommen. Dass das Festival Kunst und Feiern verbindet, ist deshalb kein Zufall. Sonja möchte einen Raum schaffen, in dem Begegnung unkompliziert möglich ist.


Kunst darf Spaß machen.

Sie darf spontan sein.

Und sie darf sogar nebenbei passieren.



Gemeinsam etwas Positives schaffen


Dieses Prinzip bekommt für Sonja auch eine gesellschaftliche Dimension. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen mit schwierigen Themen und gesellschaftlichen Spannungen beschäftigt sind, könne ein gemeinsamer kreativer Raum ein Gegenangebot sein: ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen und etwas Positives schaffen.


Gut gelaunt: Sonja ist selbst das beste Beispiel für ihren "Einfach mal machen"-Ansatz - denn genau so entstand auch Dat_Funst. (Bild: Kulturschnack)
Gut gelaunt: Sonja ist selbst das beste Beispiel für ihren "Einfach mal machen"-Ansatz - denn genau so entstand auch Dat_Funst. (Bild: Kulturschnack)

Dabei versteht sie das Festival überhaupt nicht als politische Veranstaltung. Vielmehr geht es um eine Erfahrung, die ganz unmittelbar funktioniert: Menschen begegnen sich, machen gemeinsam etwas und erleben, dass daraus etwas entstehen kann. „Kunst ist für alle“, sagt Sonja. Für die, die schon lange kreativ arbeiten. Für diejenigen, die sich bislang nicht getraut haben. Und für alle dazwischen.


Am Ende des Festivals soll deshalb nicht nur die Erinnerung an einen schönen Tag bleiben. Eine kleine Ausstellung und eine abschließende Matinée zeigen am Sonntag, was während des Wochenendes entstanden ist. Vielleicht nehmen Besucherinnen und Besucher ein selbst gestaltetes Stück mit nach Hause. Vielleicht aber auch einfach die Lust, weiterzumachen. Denn genau das wäre für Sonja das schönste Ergebnis: dass aus dem einmaligen Ausprobieren eine neue Neugier entsteht. Dass jemand nach Hause geht und denkt: Das hat Spaß gemacht. Das könnte ich eigentlich noch einmal machen.


Und vielleicht ist das der niedrigschwelligste Zugang zu Kunst überhaupt: nicht erst darauf zu warten, sich als Künstlerin oder Künstler zu fühlen – sondern einfach anzufangen.


 
 
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