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DIE SCHMIEDE

  • kulturschnack
  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Eine Kulturplattform für das urbane Dorf. Unter diesem Motto entstand bereits im Jahr 2023 das Kulturfestival Bloherfel.de, das auch abseits des Zentrums die Kultur des (quasi) gleichnamigen Stadtteils in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte und sie dabei als spielerisches Mittel nutzte, Menschen zusammenzubringen, die ohnehin Haustür an Haustür miteinander leben. Mit der frisch eröffneten Schmiede als eigener Location schafft man nun einen kulturellen Anlaufpunkt, der nicht nur zeitweise existiert, sondern gekommen ist um (hoffentlich) zu bleiben. Warum das so wichtig für eine Stadt wie Oldenburg ist, das lest ihr hier.


Ein Ort für das urbane Dorf. Foto: Michael Uhl
Ein Ort für das urbane Dorf. Foto: Michael Uhl

Alles begann für Britta Langanke und Michael Uhl im Jahr 2020 mit dem Hörspielprojekt "Der Schatz von Bloherfelde". Ein zweiteiliges, interaktives Theaterformat, das den Stadtteil nicht nur räumlich, sondern vor allem erzählerisch erfahrbar machte - durch die Geschichten, Erinnerungen und Perspektiven seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Nicht nur der Titel des Hörspiels, sondern gleich das ganze Unterfangen als solches sollte sich in der Folge als wahrer Schatz herausstellen, da man im Zuge der Umsetzung auf zahlreiche Gleichgesinnte traf und schnell das Gefühl eines gemeinsamen Miteinanders entstand zwischen allen Beteiligten. Unter der Trägerschaft und mit Unterstützung des örtlichen Bürgervereins reifte daher früh der Entschluss, diesen besonderen Moment nicht als einmaligen Glücksfall zu begreifen, sondern eine gemeinsame Plattform entstehen zu lassen - Bloherfel.de war geboren!


Das Kulturfestival


"Im Anschluss kam dann der nachgeordnete Gedanke: Was wäre, wenn wir unsere verschiedenen Disziplinen zusammenwerfen und ein eigenes Kulturfestival auf die Beine stellen würden?", erinnert sich Michael Uhl an die damalige Zeit der initialen Gründung zurück. Gesagt, getan. Bereits mit der ersten Auflage im Jahr 2023 gelang es, den Stadtteil nachhaltig in Bewegung zu setzen. In Bloherfelde, "dem urbanen Dorf", verwandelten sich zahlreiche vertraute und zentrale Plätze der unmittelbaren Nachbarschaft in Räume für Kunst, Musik, Theater. Sei es beispielsweise das Kinder- und Jugendzentrum "Offene Tür Bloherfelde", der große Marktplatz oder die Gaststätte "Zum Lindenhof" - das Festival war präsent, sichtbar und die Gemeinschaft spürbar. Doch zeigte das Festival auch eine klare, rein strukturelle Grenze auf. All die bespielten Orte waren geliehene Räume auf Zeit, die nach dem Festival zu ihrer eigentlichen Funktion, ihrem regulären Alltag zurückkehrten. Der Geist von Bloherfel.de jedoch blieb!


Bloherfel.de - Eine Plattform, ein Kollektiv! Foto: Tobias Frick
Bloherfel.de - Eine Plattform, ein Kollektiv! Foto: Tobias Frick

Denn eigentlich war allen Beteiligten schnell klar, dass man mehr wollte als die kurzzeitige Belebung des eigenen Stadtteils. Zu stark waren die Resonanz, der Zuspruch und das eindeutige Gefühl, etwas Bedeutsames angestoßen zu haben. Dieser Bedeutung wollte man auf den Grund gehen, sie klar herausstellen und so ließ das Kollektiv fortan nicht mehr der Gedanke an einen eigenen Ort los, an dem sich dieser Geist manifestieren und weiterentwickeln könnte. Doch solche Dinge entstehen letztlich vermutlich nie von einem Tag auf den anderen und vorerst lautete die Devise ohnehin: Verstetigung. Man wollte dieses Momentum nicht vergehen lassen und mindestens die Gewissheit liefern, auch im Folgejahr erneut ein Kulturfestival auf die Beine zu stellen, das allen klarmacht: wir sind gekommen um zu bleiben und - gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Bloherfeldes - zu wachsen!


Geschmiedete Kultur


Im Hintergrund reifte in der Zwischenzeit längst ein Plan, der letztlich nur noch auf die entscheidende Möglichkeit wartete. Mit einer absoluten Punktlandung zur Eröffnung der frisch vergangenen dritten Auflage des Kulturfestivals Bloherfel.de im September 2025 war es dann soweit: die Eröffnung der "Schmiede", das neue Zuhause der Kunst und Kultur innerhalb des Stadtteils, konnte in diesem Rahmen gefeiert werden. Punktlandung ist dabei tatsächlich wörtlich zu nehmen, wie sich Michael Uhl im Gespräch zurückerinnert: "Der Elektriker ist am Nachmittag hier rausgelaufen und abends war die Einweihung." Die historische Metallwerkstatt, die dem Stadtteil 1919 sogar seinen ersten Strom lieferte, jedoch in letzter Nutzung einen Druckereibetrieb beherbergte, war in den Monaten hin zum Festival saniert worden, ohne dabei den rohen Charakter einzubüßen, der den besonderen Reiz der Location von Beginn an ausmachte. Prominent gelegen an der zentralen Bloherfelder Straße, unmittelbar neben dem hochfrequentierten hiesigen Supermarkt und in Wurfweite zu allen Einrichtungen, die ohnehin bereits fester Bestandteil der kreativen Zusammenarbeit im Zuge des Festivals waren, hätte man vermutlich kein besseres Epizentrum der eigenen, kreativen Aktivitäten finden können.



Da brauche es aber natürlich auch Vermieter, die die eigene Idee verstehen, auf die speziellen Bedürfnisse eingehen und sehen können, was man hier auf die Beine stellen möchte. Glücklicherweise sei genau das hier der Fall gewesen, wie Britta und Michael im Gespräch betonen. Erneut, wie auch schon beim Kulturfestival der Fall, konnte man dabei auch für dieses Unterfangen weiterhin auf die wertvolle Unterstützung des Bürgervereins Bloherfelde zählen, der bereitwillig die Trägerschaft übernahm und über zahlreiche Förderungen die Finanzierung des Vorhabens - vorerst bis zum Endes des Jahres 2026 - sicherstellen konnte. Neben Ausstellungen, Installationen sowie kostenfreien Mitmachangeboten, die nun ganzjährig von Britta und Michael als künstlerischer Leitung geplant und kuratiert werden können, öffnet das Haus mit dem Format SCHMIEDE live einmal im Monat für jeweils eine besondere Abendveranstaltung seine Türen. Hierbei profitiert man von einem breiten Künstler- und Kooperationsnetzwerk, wie beispielsweise der Musikschule der Stadt Oldenburg mit ihrer Jazz/Rock/Pop-Abteilung unter der Leitung von Philipp Pumplün.

VERNISSAGE THOMAS BISITZ

24. JANUAR - 19:00 UHR DIE SCHMIEDE BLOHERFELDER STRAßE 200 Der Klangkünstler Thomas Bisitz schafft exklusiv für die Schmiede eine interaktive Klang- und Lichtinstallation. Einen Spielplatz für alle Generationen, der erst durch das Publikum zum Leben erweckt wird. Inspiriert ist er durch die Wurzeln der Schmiede als Metallwerkstatt. Durch spielerische Mithilfe des Publikums wird es als Klang- und Lichtinstallation wiederbelebt – das Schmiedefeuer.

Zur Vernissage wird Sven Strohschnieder die SCHMIEDE in einen chilligen Elektro-Club verwandeln.

Anschließend ist die interaktive Ausstellung vom 30. Januar bis 1. März 2026 geöffnet. Wann: Freitag (16-18h) & Sonntag (15-17h) (Winteröffnungszeit)


Von unschätzbarem Wert


Gemeinschaft. Foto: Petra Bergmann
Gemeinschaft. Foto: Petra Bergmann

Warum ist es jedoch überhaupt so wichtig, dass sich ausgerechnet an einem der äußeren Enden Oldenburgs, abgelegen von der eigentlichen Innenstadt, ein solcher Ort etabliert, mag man sich nun fragen. Doch gerade wenn sich das kulturelle Leben zunehmend zentral verdichtet, kommt Orten wie der Schmiede eine besondere Bedeutung zu. Denn ohne solche bliebe der Zugang zu Kunst und Kultur, trotz geografischer Nähe zur Innenstadt oft erstaunlich fern. Zwar mögen die Wege kurz erscheinen, doch können äußere Umstände, seien sie infrastruktureller, finanzieller oder sozialer Natur, schnell dazu führen, dass die Stadtteile stark vom kulturellen Geschehen abgeschnitten sind. Die starken Schneefälle der vergangenen Wochen haben das auf ganz praktische Art und Weise erst nochmal verdeutlicht. Selbst die scheinbar erreichbarsten Ziele und Wege wurden unpassierbar und zeigten, wie fragil die Verbindung zum Zentrum bisweilen im schlechtesten Fall sein kann. Umso wichtiger ist es also dorthin zu gehen, wo Menschen leben, einkaufen, sich Tag für Tag begegnen - mitten in ihren Alltag hinein. Die Schmiede ist nicht bloß Ausstellungsraum oder Veranstaltungsfläche, sondern ein Anker kultureller Teilhabe innerhalb des Stadtteils.


Kultur, direkt aus der Nachbarschaft. Foto: Michael Uhl
Kultur, direkt aus der Nachbarschaft. Foto: Michael Uhl

Man könne eine Stadt nicht ausschließlich über die Innenstadt denken, wenn die meisten Menschen eigentlichen in der Fläche wohnen und durch die Coronapandemie habe sich das gesellschaftliche Leben ohnehin oftmals in die eigenen vier Wände oder der Fokus auf die eigene Familie verschoben. "Aber wo begegnet man sich da noch?", so Michael Uhl. Deshalb ist es mindestens genauso wertvoll, was zwischen den Programmpunkten passiert. Orte wie die Schmiede schaffen Begegnungen, die andernorts eher selten geworden sind: zwischen Generationen, sozialen Hintergründen und Lebensentwürfen. Gerade weil sie eben nicht als exklusiver Kulturtempel auftreten, sondern barrierearm und offen auftreten und in der unmittelbaren Nachbarschaft verortet sind. "Da fahre ich immer wieder dran vorbei.", "Das ist doch gleich bei mir um die Ecke.", all diese Gedanken können bereits ausreichen, um Menschen dazu zu bewegen, einfach mal hereinzuschauen, zu bleiben und letztlich auch ins Gespräch zu kommen. Dass der Eintritt über ein solidarisches Preismodell geregelt wird, das grundsätzlich kostenlos ist und durch freiwillige Spenden ergänzt wird, ist nur die logische Konsequenz des Konzeptes.


Kultur wird hier nicht nur konsumiert, sondern geteilt und so entsteht mit der Zeit ein Ort, der nicht nur Programm, sondern Gemeinschaft bietet - und das ist schlichtweg von unschätzbarem Wert, finden wir. Für Bloherfelde und für unser Oldenburg als Ganzes.

Das aktuelle Programm rund um kommende Ausstellungen und Schmiede-Live Termine findet ihr auf der Website: www.bloherfel.de Einen Eindruck vom Kulturfestival Bloherfel.de erhaltet ihr über diesen Aftermovie:



 
 
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