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K(L)EINE UNTERSCHIEDE

Theaterspielen hat viele Vorteile. Einer davon: Es eröffnet die Möglichkeit, die Rollen zu tauschen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Das ist nicht nur einen spannende Erkundung fremder Realitäten, sondern hilft auch dabei, die Standpunkte anderer Menschen zu verstehen. Diese wertvolle Erfahrung ermöglicht das Jugendtheater Rollentausch aus Kreyenbrück - seit mittlerweile 25 Jahren.


Junge Schauspielerinnen auf der Bühne
Rolle getauscht: Sich in eine andere Person zu versetzen, bringt viele neue Erkenntnisse. (Bild: Jugendkulturarbeit e.V.)

Wir alle spielen Rollen. Und zwar nicht nur auf der Bühne, sondern auch im realen Leben, in unseren gewöhnlichen Alltagen. Denn wer kann von sich behaupten, immer ganz „man selbst“ zu sein? Das sind wir nur dort, wo wir uns sicher und wohl fühlen. Sonst? Sind wir und unser Verhalten beeinflusst von der Welt, die uns umgibt, von unserer Sicht auf sie und von den Außenwirkungen, die wir uns erhoffen.


Tag für Tag sind wir also mit unserer eigenen Rolle beschäftigt, so dass man selten dazu kommt, sich intensiv in andere hineinzuversetzen. Es sei denn: man spielt Theater. Dort gehört es zu den grundsätzlichen Prinzipien, dass man ganz bewusst jemand anderes ist als man selbst. Der Rollentausch weckt Bewusstsein für die die Perspektiven von anderen - führt aber unweigerlich auch zur Reflexion der eigenen Sichtweise. Eine doppelter Gewinn! Aber das ist noch mehr, Und das spürt man besonders gut beim Jugendtheater Rollentausch, das nun sein Jubiläum feiert.


 

25 JAHRE JUGENDTHEATER ROLLENTAUSCH:


„DER TAG, AN DEM RD FAST GERETTET WURDE“


PREMIERE

DONNERSTAG, 11. MAI, 19.30 UHR THEATER WREDE+, KLÄVEMANNSTRAßE 16, 26122 OLDENBURG


SAMSTAG, 10. JUNI, 14 UHR

FESTIVAL DER BLAUEN KÜNSTE

KLÄVEMANNSTRAßE 9, 26122 OLDENBURG


MONTAG, 26. JUNI, 18 UHR

JUGENDTHEATERTAGE

EXERZIERHALLE, JOHANNISTRAßE 6, 26121 OLDENBURG



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>>> TICKETS <<<

 

Jugendlich mit fünfundzwanzig


Alles begann mit einer Bitte. Geäußert wurde sie Ende der Neunziger Jahre - vielleicht mit der Hoffnung auf eine positive Reaktion, aber sicher nicht mit der Erwartung, eine Veränderung anstoßen, die ein Vierteljahrhundert Bestand haben würde und die selbst nach dieser langen Zeit längst nicht auserzählt wäre.


K(l)eine Unterschiede: Jugendtheater ist anders, aber nicht schlechter als die großen Vorbilder (Bild: Jugendkulturarbeit e.V.)

„Anlass für die Gründung war die erfolgreiche Arbeit des ersten Stadtteil-Jugendtheaters in Ohmstede“, erinnert sich Jörg Kowollik von Jugendkulturarbeit e.V., der das Jugendtheater zusammen mit Verena Schweicher leitet. „Mit Blick auf das von Dettmar Kramer gegründete Kurlandtheater kam die damalige Leiterin der Freizeitstätte Bümmerstede Anne Thein auf mich zu und wollte auch ‘so etwas' haben.“ Diese Bitte fiel bei Jörg auf fruchtbaren Boden: Ein Ferienworkshop mit dem Titel "Romeo liebt Julia und Julia hat keine Lust" wurde durchgeführt - mit dem Ergebnis, dass alle Beteiligten danach weitermachen wollten. Der Grundstein für das Theater war damit gelegt.


Warum ließ sich Jörg sofort für diese Idee begeistern? „In die Stadtteile zu gehen war von jeher unsere Ausrichtung“, erzählt der Theaterpädagoge. „Wir wollten 'Theater für alle' anbieten und so auch Kinder und Jugendliche erreichen, die ansonsten mit den damals noch sehr zentrumsorientierten Kulturangeboten nicht in Kontakt kamen.“ Unter anderem deshalb kooperiert „Rollentausch“ auch mit der IGS Kreyenbrück und der Jugendfreizeitstätte Kreyenbrück. Und all das geschieht mit großem Erfolg: Im Laufe der Jahre haben nicht weniger als 150 Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren kleine Theaterkarrieren beim „Rollentausch“ durchlaufen, längst gehört die Gruppe auch zum großen Netzwerk der Stadtteiltheatergruppen der Jugendkulturarbeit.


Jugendtheater: Wie fühl sich das eigentlich an? Hier geben ehemalige Beteilige einen Einblick ins Theaterleben. (Video: Jugendkulturarbeit e.V.)


Passgenaues Puzzlestück


Das Theaterangebot in Kreyenbrück schient also einen Nerv getroffen zu haben. Doch wie ist der große Erfolg zu erklären? Das liegt nach Jörgs Einschätzung nicht zuletzt daran, dass Theater immer Teamwork ist: „Die Jugendlichen genießen es, sich in den Gruppenprozessen kreativ auszutauschen, ihre Ideen und Erfahrungen miteinander zu verhandeln und einer großen Öffentlichkeit vorzustellen.“


Dabei trage gerade die Gruppe und das gemeinsame Erleben - etwa der Bühnenabenteuer, der (internationalen) Ausflüge, der Straßenperformances - zu einer intensiven, positiven Erfahrung bei. „Herausragenden Erlebnisse sind immer die Theaterfahrten zum Theaterhof 'Kleine Welten' nach Wapeldorf“, erzählt Jörg. „Dort proben wir mehrere Tage intensiv und ohne WLAN. Diese Fahrten haben Legendenstatus und die Erlebnisse werden von Generation zu Generation weiter erzählt.“


Immer wieder entstünden sehr vertrauensvolle und starke Gruppenbindungen, die selbst das Ende der gemeinsamen Theaterzeit überdauern. Viele Ehemalige treffen sich auch heute noch, obwohl sie inzwischen längst andere Rollen haben - nämlich jene der Berufstätigen und Eltern. Und der einstige Leiter? Gerät der etwa in Vergessenheit? Jörg schmunzelt: „Nein, nicht ganz. Ich freue mich immer sehr, wenn ich hin und wieder zu besonderen Festen wie z.B. Hochzeiten eingeladen werde.“ Diese langfristigen Bindungen zeigen: Das Jugendtheater Rollentausch mehr als nur ein Zeitvertreib, sondern eine dauerhaft prägende Lebensphase.


QUICK FACTS

JUGENDTHEATER ROLLENTAUSCH

Das Jugendtheater Rollentausch bietet eine aktive Jugendkultur im Stadtsüden für den Stadtsüden. Seit seiner Gründung 1998 hat es bereits zahlreiche Theaterstücke erarbeitet und Straßentheateraufführungen gehabt.

>> Die Gruppe erarbeitet aus thematischen Grundgedanken professionelle Theaterstücke von Jugendlichen für Jugendliche und spielt nicht einfach „drauf los“, sondern interpretiert und diskutiert mit den Jugendlichen (szenisch) die Haltungen und Meinungen von Jugendlichen und Erwachsenen.

>> Darüber hinaus bietet das Jugendtheater Rollentausch den Jugendlichen unter professioneller Anleitung die Möglichkeit, ihre sozialen Anliegen und Alltagserfahrungen, ihre Ängste und Wünsche, ihrer Freude und Frustrationen zu artikulieren und darzustellen. Dadurch wird die Kreativität gefördert und das Selbstbewusstsein sowie das Selbstwertgefühl gestärkt.

>> Durch das Theaterspielen wird der Kontakt mit anderen Jugendlichen im Stadtteil, aus anderen Stadtteilen, aus unterschiedlichen Lebenszusammenhängen, sozialen Schichten und Ländern hergestellt und bietet eine intensive Austauschmöglichkeit untereinander.

>> Das Jugendtheater arbeitet mit anderen kulturellen Trägern zusammen und beteiligt sich an Fahrten zu Theateraufführungen, zu Workshops und zu internationalen Jugendtheater-Begegnungen. Es ist eine aktive und attraktive Freizeitgestaltung - und macht einfach Spaß.


Mehr als ein Zeitvertreib


Es ist aber nicht nur die gemeinsame Erfahrung, die das Theaterspielen so wertvoll macht - es sind auch die Inhalte, mit denen die Jugendlichen sich auf der Bühne auseinandersetzen. „Das Jugendtheater greift spannende gesellschaftliche Themen auf und bearbeitet diese aus der Perspektive von Jugendlichen“, beschreibt Jörg das Prinzip. Die Jugendlichen würden zwar nicht ausschließlich, aber doch in erster Linie für Jugendliche spielen. Dadurch hätten sie eine ganz andere Intensität und einen sehr guten Zugang zu den Gleichaltrigen. „Diese theaterpädagogische Stadtteilarbeit ist enorm anschlussfähig und begeistert jährlich ca. 500 Jugendliche, zum Beispiel über die Schulvorführungen.“


Und da wäre ja noch etwas, nämlich der namensgebenden Rollentausch. Zwar gebe es hier und da durchaus mal Anlaufschwierigkeiten, wenn es darum gehe, in die Gedankenwelt einer andere Person einzutauchen und auf der Bühne jemand anderes zu sein als man selbst. Doch das lege sich schnell und eröffne den Jugendlichen faszinierende Möglichkeiten.



Jugendliche beim Problem für einen Auftritt
Spaß dabei: Die Proben der Theatergruppen sind eine angenehme Pflicht. (Bild: Jugendkulturarbeit e.V.)

Keine B-Lösung


Nun könnte man denken: Gut, klingt nett, aber das ist ja nur Jugendtheater. Auch noch im Stadtteil. Was geht mich das an, was hab ich davon? Und diese Gedanken sind absolut legitim. Schließlich stimmt es, dass es Stücke von Schüler:innen gibt, deren Reiz sich eher über eine genetische Verbindung zu den Protagonist:innen erschließt. Nicht so aber beim Jugendtheater Rollentausch. Hier sind die Ergebnisse durchaus elaboriert - und sie haben einen großen Vorteil: Den Vibe und den Drive der Jugend.


Wir haben früher schon mal erklärt, warum Jugendtheater keine B-Variante eines „echten“ Theaterstücks ist. Vielleicht können die jungen Schauspieler:innen tatsächlich nicht so viel Personality und Lebenserfahrung in ihre Rollen stecken. Point taken. Dafür aber werfen sie eine Spielfreude und Leidenschaft in die Waagschale, die man anderswo manchmal vermisst - und die in einem positiven Sinne ansteckend und mitreißend ist. Jugendtheater ist also definitiv eine andere Erfahrung als die Stücke von, mit und für Erwachsene - aber definitiv keine schlechtere!


LUST AUF THEATER?

EINFACH MITMACHEN!


Die Jugendtheatergruppen haben eine wichtige Eigenschaft: Sie sind keine geschlossenen Zirkel, sondern offen für alle Interessierten im richtigen Alter. Wer Lust hat, selbst mal Theater zu spielen, ist herzlich eingeladen, bei den Proben vorbeizuschauen und selbst etwas Theaterluft zu schnuppern.


Jugendtheater Rollentausch

Jugendtheatergruppe 13-19 Jahre

Dienstags 16.00-18.30 Uhr

Freizeitstätte Kreyenbrück

Brandenburgerstraße 38

26133 Oldenburg

Kontakt: Jörg Kowollik; j.kowollik@jugendkulturarbeit.eu


Achtung, Aliens!


Das zeigt auch das neue Stück der Gruppe, das nun anlässlich des Jubiläums seine Premiere feiert. Bei „Der Tag, an dem RD fast gerettet wurde“ gibt es nämlich einen einen ganz besonderen Perspektiv-Wechsel: Aliens beobachten die Erde - und bemerken dabei Katastrophen und Kuriositäten.

Das Ensemble des Jugendtheaters Rollentausch
Kurs RD: Das Ensemble des Jugendtheaters ist bereit für die Erkundung. (Bild: Jugendtheater Rollentausch)

Das Theaterstück nimmt das Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise. Das Jugendtheater und die Theater AG der IGS Kreyenbrück blicken in diesem Jahr durch die Sinnesorgane von Aliens und mit viel Humor auf den Planeten RD. Dabei stehen bedrohte Insektenarten und ein sehr dominantes parasitäres Wesen im Zentrum der Forschung und es zeigt sich, wie wichtig auch die kleinen Dinge im Leben sind.


„Das ist lustig und macht nachdenklich zugleich“, findet Jörg - und weckt damit neugierige Vorfreude auf die Umsetzung. Hoffentlich: Nicht nur bei uns!



Der eigene Rollentausch


Wer sich noch nie eine Jugendtheaterstück angesehen hat, indem die eigenen Kinder (falls vorhanden) nicht mitgewirkt haben, hat jetzt die ideale Gelegenheit dazu, Die Jubiläumsinszenierung bietet nämlich die Gelegenheit zum eigenen Rollentausch: Vom desinteressierten Skeptiker zum neugierigen Enthusiasten. Das lohnt sich mehrfach, denn das Stück ist inhaltlich relevant und es eröffnet die - relativ seltene - Möglichkeit, auch die eigene Rolle im Alltag zu hinterfragen.


Und nicht zuletzt werdet ihr feststellen: Im Vergleich zur großen Bühne, erwachsenen Ensembles und bekannten Schauspieler:innen gibt es: k(l)eine Unterschiede!

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