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ZWISCHEN KRIEG UND FRIEDEN

  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Kunst ist ein Spiegelbild ihrer Zeit. Was die Welt bewegt, findet sich häufig auch in den Kunstwerken der jeweiligen Epoche wider. Die Oldenburger Kunstschule hat dies zu einem Leitmotiv ihrer Arbeit gemacht. Sie greift Themen auf, die uns bewegen oder die Nachrichten dominieren und lässt die beteiligten Schüler:innen künstlerisch darauf schauen. Das Ergebnis ist doppelt wertvoll: Als kreative Interpretation unserer gegenwärtigen Lebensrealitäten - und als Blick in die Köpfe junger Menschen.



Großer Andrang: Zur Eröffnung der Ausstellung waren die Flure im Core prall gefüllt. (Bild: Kulturschnack)
Großer Andrang: Zur Eröffnung der Ausstellung waren die Flure im Core prall gefüllt. (Bild: Kulturschnack)

Krieg und Frieden: Größer kann es thematisch kaum werden. In jähem Kontrast definieren diese beiden Zustände sämtliche Bedingungen, unter denen wir leben - zwischen Freiheit und Sicherheit, Angst und Zerstörung. Dass die aktuelle Ausstellung zum Kunst.Schul.Projekt der Oldenburger Kunstschule diese Ambivalenz aufgreift, ist alles andere als ein Zufall. Zwar geht es bei den entsprechenden Kursen auch darum, die handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln - doch das ist längst nicht alles. Ebenso sehr geht es darum, die eigenen Lebensrealitäten zu reflektieren und künstlerisch zu interpretieren. Kunst, so viel ist klar, dient hier nicht als Selbstzweck. Neben das Werk rückt der Prozess dorthin - und besitzt eine ähnliche Bedeutung.


Das gilt nicht nur für die Kunstschüler:innen, sondern auch für das Publikum. Obwohl sich die Kunst.Schul.Projekte in allererster Linie an die jungen Teilnehmenden richten und ihnen bei der Weiterentwicklung helfen sollen, so sind doch auch die jeweiligen Ausstellungen immer wieder höchst interessant. Zum einen, weil man sich ein Bild von den Kunstfertigkeiten der Kinder und Jugendlichen machen kann. Zum anderen aber auch, weil man einen Eindruck bekommt, wie ihr Blick auf die Welt ausfällt. Was bei einem Thema wie „Krieg + Frieden“ umso spannender ist - wie ihr jetzt im Core sehen könnt!



KRIEG + FRIEDEN


AUSSTELLUNG ZUM KUNST.SCHUL.PROJEKT DER OLDENBURGER KUNSTSCHULE


21. APRIL - 2. MAI 2026

14 - 18 UHR


CORE OLDENBURG

26122 OLDENBURG EINTRITT FREI!



Frieden als Alltag


Die Sonne scheint, man spürt ihre wärmenden Strahlen auf der Haut. Der Himmel ist blau, kaum eine Wolke ist zu sehen. Menschen bummeln durch die Straßen, manche tragen prall gefüllte Einlaufstüten und viele haben ein Lächeln im Gesicht, das kein Zweifel daran lässt, dass Frühling in Oldenburg eine feine Sache ist. Was weniger auffält: Wir hören keine Rakteneinschläge, sehen keine Rauchsäulen am Horizont, spüren keine Angst in uns. Wir leben in Frieden, als wäre es selbstverständlich. Dass dies der größtmögliche Segen ist? Fällt uns meist nicht auf. Deswegen sollte man sich das hin und wieder bewusst machen.



Vielfalt der Farben: Ganz unterschiedlich bringen die jungen Künstler:innen ihre Gedanken und Eindrücke zum Thema „Krieg + Frieden“ zum Ausdruck. (Bild: Kulturschnack)
Vielfalt der Farben: Ganz unterschiedlich bringen die jungen Künstler:innen ihre Gedanken und Eindrücke zum Thema „Krieg + Frieden“ zum Ausdruck. (Bild: Kulturschnack)

Dafür ist die Ausstellung Krieg + Frieden der Oldenburger Kunstschule der ideale Ort. Ob Zufall oder nicht; Schon rein visuell entführt er uns aus dem Alltag in eine andere Welt. Man muss das Core nämlich einmal im Erdgeschoss durchqueren und wird erst im hinteren Bereich - beinahe schon am Stadtmuseum - fündig. Doch der Weg in die Dunkelheit lohnt sich, Denn dort begegnen wir vielen kleinen Kunstwerken, die auf die eine oder andere Weise - mal auffällig, mal sublim - vor allem eines tun: den Frieden feiern.



Kunst als Kristallisationpunkt


Es gibt vermutlich niemanden, den man von den Vorteilen des Friedens gegenüber dem Krieg noch überzeugen müssten. Deutschland hat dies auf bitterste Weise lernen müssen und es ist zu hoffen, dass diese Lehren niemals in Vergessenheit geraten. Und dennoch lohnt es sich, hin und wieder über die vermeintliche Normalität namens Frieden nachzudenken und sich seine Abwesenheit vorzustellen. Und genau das ermöglicht die Ausstellung.



Unterschiedliche Methoden: Auch mit den Mitteln von Comic und Graphic Novel wurde gearbeitet, was unter den Besucher:innen auf großes Interesse stieß. (Bild: Kulturschnack)
Unterschiedliche Methoden: Auch mit den Mitteln von Comic und Graphic Novel wurde gearbeitet, was unter den Besucher:innen auf großes Interesse stieß. (Bild: Kulturschnack)

Die beteiligten Kinder und Jugendlichen haben natürlich ihren eigenen Blick auf das Thema und verwenden ihre eigenen Mittel, um es zu durchdringen und ihre Haltung zu entwickeln. Als Erwachsener würde man manches vielleicht anders machen, Aber das ist nicht etwa ein Nachteil, sondern eine Qualität der Ausstellung. Der unverfälschte, in einem positven Sinne etwas naivere Blick auf die Dinge, erreicht nämlich eine wohltuende Klarheit. Bei Krieg + Frieden werden Gedanken nicht bis zur Unkenntlichkeit chiffriert - hier stoßen wir auf angenehm klare Botschaften, die man auch im Vorbeigehen aufnehmen kann.


Dennoch sollte man den Schritt hin und wieder zu verlangsamen und in die unzähligen Details der Ausstellung eintauchen. Denn auch wenn manche Werke nicht so elaboriert sind wie jene berühmter Künstler:innen, so haben sie doch ihre eigenen Qualitäten. Eine von ihnen: Intensität. Durch die eindringliche Beschäftigung mit dem Thema werden die Gedanken dazu fokussiert, kanalisiert - und bekommen einen starken Ausdruck. In einer Gegenwart, die von mehr Inhalten überflutet wird als wir verarbeiten können, ist das ein wohltuender Effekt.



Digital und analog: Nicht nur mit Stift und Pinsel wurde gearbeitet, sondern auch mit der Kamera. (Bild: Kulturschnack)
Digital und analog: Nicht nur mit Stift und Pinsel wurde gearbeitet, sondern auch mit der Kamera. (Bild: Kulturschnack)

Themen am Puls der Zeit


Erstaunlich sind zudem die künstlerischen Fähigkeiten der beteiligten Schüler:innnen. Sicher: Nicht alles verlangt nach einer sofortigen Einschreibung an einer Kunsthochschule. Es sind aber immer wieder Ideen, Ansätze, Ausführungen und Darstellungen dabei, die auch - und gerade - Erwachsene beeindrucken. Und die Gedanken über Krieg und Frieden vielleicht ähnlich stark provozieren wie es die Werke etablierter Künstler getan hätten.


Apropos: jene waren natürlich involviert. Denn die Kinder und Jugendlichen haben nicht autark agiert, sie wurden angeleitet von Künstler:innen, die Wege aufgezeigt haben, auf welche Weise sich das schwierige Thema darstellen lässt. Und auch wenn es einzelne Stimmen aus der Elternschaft gegeben hat, die lieber einen leichteren Stoff gehabt hätten, so ist es doch nur konsequent, Krieg und Frieden zu behandeln. Schließlich leben wir alle in einer Welt zwischen diesen beiden Extremen. Hoffen wir, dass uns letzterer immer erhalten bleiben wird - aber seien wir nicht so ignorant, ersteren aus unserer Wahrnehmung zu verdrängen. Denn während wir die warme Sonne auf der Haut spüren, den blauen Himmel genießen und uns hemmungslos dem Shopping widmen können, ist er in anderen Teilen der Welt - und nur 1.000 Kilometer weiter östlich - bittere Realität.



Eyecatcher: Diese große Installation bildet einen Fixpunkt der Ausstellung und überzeugt durch Kreativität und Kunstfertigkeit - und erinnert an die Werke von Lucia Keidel. (Bild: Kulturschnack)
Eyecatcher: Diese große Installation bildet einen Fixpunkt der Ausstellung und überzeugt durch Kreativität und Kunstfertigkeit - und erinnert an die Werke von Lucia Keidel. (Bild: Kulturschnack)

Das Große sehen, das Kleine tun


Die frühe und intensive Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen mit „Krieg + Frieden“ im Rahmen des Kunst.Schul.Projektes 2026 soll keine Angst machen., Es soll ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wertvoll unser Frieden ist - und dadurch auch dazu beitragen, dass die kommende Generation ihn zu schützen weiß. Sicher: Größer kann es thematisch kaum werden. Aber manchmal muss man eben auf das Große schauen, um im Kleinen seinen Weg zu finden. Und genau das gelingt dieser Ausstellung - auf seiten der jungen Künstler:innen ebenso wie auf Seiten des Publikums.


 
 
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