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ACOUSTIC SESSION: RAP TRIFFT GITARRE

  • 24. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Bei Rap denken viele vermutlich schnell an harte Texte, Samples und Beats mit satten Bässen. Woran wohl eher nicht sofort gedacht wird: an eine einzelne Gitarre. Doch für Wolf Hildebrandt aka Rap trifft Gitarre ist genau dieses Instrument zum Mittel der Wahl geworden. Warum diese Wahl goldrichtig war, lest und hört ihr vor allem hier bei uns.


Dabei war es für Wolf zu Beginn vielmehr ein Mittel zum Zweck. Denn nach der musikalischen Früherziehung und einer klassischen Ausbildung am Klavier, bekam er mit 15 Jahren eine gebrauchte Westerngitarre, auf der er sich nach und nach selbst die notwendigen Akkorde und Zupfmuster beibrachte. „Ich wollte meine Lieblingssongs singen und habe mir dafür eine Begleitung beigebracht. Ich kann bis heute auch nicht mehr auf der Gitarre. Mit Noten oder klassischen Gitarrenstücken brauchst du mir nicht kommen. Das kann ich 0,0.“


Zwei Personen in einem Flugzeughangar auf dem Oldenburger Fliegerhorst Gelände: Eine sitzt und spielt Gitarre vor Mikrofon, die andere filmt mit Kamera. Helle Beleuchtung, entspannte Stimmung.
Eine Gitarre, eine Stimme, mehr braucht es nicht! Foto: Kulturschnack / Connor McBriarty

Trotzdem lag für ihn die Entscheidung, Rap mit der Gitarre zu verbinden, deutlich näher als man vermuten würde. Denn wie er auch selbst erklärt, gibt es eigentlich nicht sonderlich viele Alternativen, wenn man allein auf der Bühne stehen und dabei auf das klassische Playback verzichten möchte. Zudem scheint die Kombination aus Stimme und Gitarre auch einfach magischer Natur zu sein. Da kann ich mich richtig reinlegen - Augen zu und alles andere zählt dann nicht mehr. Während des Musikstudiums endete so eigentlich jede Party: Gitarrenrunde - jeder, der spielen kann, spielt. Da Hip-Hop meine Kultur und Rap meine Musik ist, habe ich versucht diese Einflüsse da mit einzubringen. Schließlich geht's auch morgens um fünf mit der Gitarre in der Hand um das gewisse Etwas und ein Alleinstellungsmerkmal."


Etwas ganz Besonderes


Apropos Alleinstellung. Ganz allein auf der Bühne zu stehen, das ist noch vergleichsweise neu für den hauptberuflichen Musikschullehrer einer Gesamtschule. Denn eigentlich war Wolf bisher tendenziell eher im Kollektiv unterwegs, beispielsweise auch aktuell noch als Teil der Band Groove Garderobe, die eine organische Live-Instrumentierung mit Rap zusammenbringt. Der Spaß und die Erlebnisse in der Gruppe haben Musik für mich noch mal auf ein ganz anderes Level gehoben. [...] Als Solokünstler aufzutreten war dann für mich erstmal sehr ungewohnt." Es fehle schlichtweg die Möglichkeit sich auch mal kurzzeitig innerhalb des Bandgefüges auf der Bühne zurückzuziehen. Andererseits biete es aber auch die Freiheit spontaner und vor allem flexibler auf bestimmte Anfragen reagieren zu können. „Ich brauche nur mich und meine Gitarre und kann quasi überall spielen. Der Aufwand ist einfach insgesamt viel geringer. Kein Schlagzeugaufbau und Amp-Geschleppe, keine ewigen Soundchecks und von der Gage bleibt natürlich auch mehr über, wenn man nicht durch sechs teilen muss", ergänzt Wolf augenzwinkernd.


Der Musiker Wolf Hildebrandt, der unter dem Künstlernamen Rap trifft Gitarre bei den Kulturschnack Acoustic Sessions auftritt sitzt auf einer Treppe und hält eine Akustikgitarre. Er trägt rote Jacke und beige Hose. Stimmung ruhig, Hintergrund unscharf.
Mal unterwegs mit seiner Gruppe Groove Garderobe, mal als Soloact. Foto Quelle: Rap trifft Gitarre

Doch am Ende des Tages bleibe die Entstehung von Musik im gemeinsamen Prozess mit seiner Band oder auch anderen seine absolute Lieblingsbeschäftigung und gerade die Freundschaften, die durch die Musik entstünden, seien bis heute und nach wie vor etwas ganz Besonderes. Nichts könne darüber eigentlich wirklich hinwegtäuschen und ohne das Erlebnis als Gruppe rund um Auftritte sei es manchmal auch schlichtweg langweiliger. Von eben genau dieser Bandkonstellation der Groove Garderobe stammt mit Herzblut" jedenfalls auch der Song, für den sich Wolf im Rahmen seiner Solo-Performance unter dem Künstlernamen Rap trifft Gitarre" bei den Kulturschnack Acoustic Sessions entschieden hat.


Mach es richtig


Der Kontrast vom Original hin zur akustischen Umsetzung zeigt dabei erneut, wie die reduzierte Instrumentierung Einfluss auf den Charakter des letztlichen Songs nehmen kann. Wo vorher ein verzerrter Gitarrensound samt rockigem Schlagzeug den Ton angeben, schlägt die akustische Umsetzung eine deutlich intimere Richtung ein, die dabei trotzdem nicht ihre ursprüngliche Energie verliert. „Herzblut ist ein recht alter Song der Groove Garderobe und stammt noch aus unserer Anfangszeit in etwas anderer Besetzung. Den Text hat unser damaligen Schlagzeuger Chrissi geschrieben, der ein begnadeter Songwriter und Texter ist. [...] Live spielen wir den Song schon länger nicht mehr, daher sind die Jungs glaube ich froh, dass er bei mir im Set weiterlebt", so erzählt Wolf.


Dass weiterleben" hierbei genau die richtige Formulierung ist, spürt man spätestens, wenn die letzten Takte seiner Acoustic Session - im wahrsten Sinne - mit dem pulsierenden Herzschlag des Songs ausklingen. Doch auch inhaltlich ist der Titel im besten Sinne eine Hymne auf die Kompromisslosigkeit, die es vermutlich manchmal einfach im Leben braucht. Darauf, nicht immer den Zweifeln nachzugeben und diese eine Sache, über die man schon so lange nachdenkt nicht mehr weiter zu zergrübeln und aufzuschieben sondern stattdessen auf das zu hören, wofür das eigene Herz schlägt und es einfach zu machen - und zwar richtig! Denn so manches Mal scheitern Träume, Wünsche und Ideen wahrscheinlich viel weniger an sich selbst, als an ihrer halbgaren Umsetzung und dem fehlenden Mut, eben doch noch den einen, entscheidenden Schritt heraus aus der eigenen Komfortzone zu gehen.


Echtes Interesse


So hat Wolf seine Liebe zur Musik letztlich zum Beruf gemacht und versucht diese auch im Unterricht seinen Schülerinnen und Schülern weiterzugeben, was sich zwischen einer Mischung aus Kerncurriculum und pubertierenden Jugendlichen aber nicht immer ganz einfach gestalte. Hilfreich sei auf jeden Fall eine gewisse Offenheit für musikalische Vorlieben mitzubringen. Ich greife gerne aktuelle Rapsongs auf, einige landen sogar in meinem Set, wie zum Beispiel Bauch Beine Po" (von Shirin David, Anm. d. Red.). Den Song habe ich definitiv von meinen Schülerinnen aufgenommen, die ihn eine Zeit lang permanent gesungen haben. [...] Ich bin da auch ganz offen und höre mir die 'Musik der jungen Leute' an, spreche mit ihnen über die Inhalte und was sie daran bewegt. Ich denke, dass die Kids merken, dass das Interesse echt ist und ich mich auch privat mit den aktuellen Künstler:innen auseinandersetze."


Beleuchtete Fotostudioleuchte in einem ehemaligen Flugzeughangar auf dem Gelände des Fliegerhorst Oldenburg mit hohen Fenstern und roten Linien. Industrielle, verlassene Atmosphäre.
Das Spotlight auf der Musikszene Oldenburgs. Foto: Kulturschnack/Connor McBriarty

Rückblickend würde er heute allen, die selbst daran Interesse haben, empfehlen, so früh wie möglich auf der Bühne zu stehen und diese Erfahrung für sich selbst zu sammeln. Musik mit anderen zusammen zu machen, schafft eine Verbindung, die ich kaum beschreiben kann", stellt Wolf heraus. Es schaffe immer wieder unvergessliche Erlebnisse und er selbst ärgere sich, diese nicht schon viel früher gemacht zu haben. Wir vom Kulturschnack können nur hoffen, dass die Teilnahme an der zweiten Staffel unserer Acoustic Sessions eines Tages einen kleinen Platz in dieser Reihe ergattern können wird. Für uns jedenfalls hat Rap trifft Gitarre" mit seiner Performance einen solchen absolut sicher!


Wer nun weiterhin verfolgen und nicht verpassen möchte, wo Wolf mit seiner Gitarre als nächstes zu sehen sein wird, folgt ihm am besten auf Instagram unter: www.instagram.com/raptrifftgitarre

 
 
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