KUNST, DIE BALLERT!?

An diesem Wochenende zeigt das niederländisch-deutsche Künstlerduo BOSMOS seine neue Installation „Arcade“. Der Titel erinnert an die 80er, an Zigarettenqualm in der Spielhalle, an Floppydisk und Datasette. Damals feierte das Gaming seinen Durchbruch – und eine wichtige Rolle spielten dabei die Shoot’em ups bzw. Ballerspiele. Was kann man von einer Ausstellung erwarten, die so einen Titel trägt? Wir haben nachgefragt.


Frogger, Pong, Defender: die Urväter der Computerspiele sind heute allesamt Legenden. Das liegt natürlich an nostalgischen Verklärungen und an diversen Retro-Bewegungen, die sie immer wieder zutage fördern. Aber da ist noch mehr.


Aufgrund technischer Limitationen waren die Schöpfer der Spiele grundsätzlich dazu gezwungen, das Minimax-Prinzip anzuwenden: aus möglichst wenig möglichst viel herauszuholen. Das führte zu einer eigenen Kunst: nämlich der Reduktion des Spielprinzips auf das Wesentliche. Dadurch gelangten sie zu puristischen Formen, Designs und Mechanismen, die in dieser Einfachheit und Klarheit auch heute noch einen großen Reiz ausüben.


Vorhang auf für: BOSMOS. Der Komponist Wilco Alkema und der Oldenburger Szenograph Lars Unger haben nach der Carousel-Installation, die im letzten Winter in der Baumgartenstraße 6 zu sehen war, ein weiteres Kunstprojekt realisiert. Während damals Bezüge zur Schausteller- und Jahrmarkts-Ästhetik im Mittelpunkt standen, ließen sie sich nun von der bunten Pixelwelt der Arcade Games inspirieren. Wobei es nicht nur um Design und Grafik geht, sondern auch um Licht und Sound. Über zwei Mischpulte können die Gäste - mit der intuitiven Steuerung der Automaten-Klassiker - eine computergestützte Licht-Sound-Skulptur selbst bespielen und eigene Kompositionen kreieren. Die Mitwirkung der Besucher:innen ist sogar essentiell, denn erst durch sie wird die Installation überhaupt erst zum Leben erweckt.


Ob das nun ein Konzert ohne Musiker:innen ist, Theater ohne Schauspieler:innen oder Bildende Kunst in einer neuen Form? Das können die Gäste selbst entscheiden. Und vielleicht kommen sie dabei zu dem Ergebnis, das alles auf einmal zutrifft - und sie selbst dabei die wichtigste Rolle spielen.


 

BOSMOS – ARCADE

FREITAG, 8. APRIL, 16 - 20 UHR SAMSTAG, 9. APRIL, 11 - 20 UHR SONNTAG, 10. APRIL, 11 - 20 UHR


TEEPAVILLON IM SCHLOSSGARTEN GARTENSTR. 37

26122 OLDENBURG

 

Und wie sehen es die Künstler selbst? Mitten im Endspurt vor der Ausstellungseröffnung konnten wir Lars Unger noch einige Fragen stellen. Was das Duo inspiriert hat, wie so eine Ausstellung entsteht und warum sie nur ein Wochenende läuft - lest ihr hier!



Lars, den Begriff "Arcade" kennen viele aus der Zeit der Ballerspiele in den Spielhallen der 80er. Wieso dieser Titel? Ballert eure Installation?


Auf jeden Fall! Aber natürlich anders als ein Ballerspiel. Der Titel „Arcade“ bezieht sich auf die Form der Installation: Bei den Arcade-Spielen der 80er Jahre ging es um kurzweilige, spontane Spiel-Sessions. Durch die damals geringeren technischen Möglichkeiten sind diese Spiele besonders einfach und unkompliziert aufgebaut. Diese einfache Bedienung, der schneller Spaß, die unkomplizierte Kommunikation: damit spielt die Installation.


Bei euch geht’s aber in ein Teehaus statt in die Spielothek. Das klingt nach einem großen Kontrast. Wie kam es dazu?


Wir lieben Brüche! Die digitale Kunstinstallation im botanischen Frühlings-Flair bringt einen spannenden Kontrast in die Atmosphäre. BOSMOS bespielt schon immer gerne spezielle Theater- und Ausstellungsorte und der Teepavillon ist so einer.


Aufnahme mit Selbstauslöser des Künstlerduos BOSMOS an der Gitarre
Skills auch an der Gitarre: Das Künstler-Duo Wilco Alkema und Lars Unger (Bild: BOSMOS)

Ihr verbindet unterschiedliche Bereiche miteinander: Produktdesign, Klanginstallation, Bühnenbild. Was war zuerst da, was zuletzt? Und spielt der Ort eine Rolle?


Als Allererstes war das Theater da. Wir haben uns bei einer Theaterprobe kennengelernt – Wilco als Theatermusiker, Lars als Bühnenbildner – und dort Ideen für ein Theaterstück ohne Darsteller:innen gesponnen. Daraus ist vor 13 Jahren BOSMOS entstanden.


Dabei gehören Sound, Licht, Skulptur und Bühnenbild für uns immer zusammen! Genauso wie der Ort, der nicht wegzugucken ist und immer eine Rolle spielt: Das Licht fällt auf die Wände, der Sound hallt im Raum.

Eurer Publikum bindet ihr aktiv ein. Wie wichtig ist euch diese elementare Interaktion?


Die Interaktion ist für uns zentral: Jedes künstlerische Werk interagiert auf besondere Weise im Zuschauer. Bei „Arcade“ wird das Publikum nun aktiv an der Produktion beteiligt: die Gäste steuern die Installation mit Licht und Sound und stellen so die Aufführung mit her. Das ist eine besondere Art der Interaktivität, die wir so zum ersten Mal ausprobieren.


Zwischen euch gibt es eine Landesgrenze. Ist das für eure Zusammenarbeit gut, schlecht oder ganz egal?


Am Anfang gab es die Landesgrenze nicht – wir haben beide in Holland studiert und dort BOSMOS gegründet. Wilco ist geblieben, ich bin wieder nach Deutschland gezogen. Manchmal ist es logistisch schwierig an gemeinsamen Werken zu arbeiten. Für die Kommunikation aber spielt das keine Rolle. Übrigens: BOSMOS ist holländisch und heißt so viel wie „Waldmoos“!


Ein Bild der "Black Performance" von BOSMOS im Oldenburgischen Staatstheater
Machte ihrem Namen alle Ehre: "The Black Performance" von BOSMOS im Staatstheater (Bild: Stephan Walzl)

Der einzige Haken: die "Arcade"-Installation ist nur drei Tage zugänglich. Warum denn so kurz?


Wir fragten uns: wird etwas besser, wenn es länger dauert? Wir wollten es diesmal kurz und kompakt halten! Außerdem zieht „Arcade“ danach noch weiter: Am 26.04. sind wir in Hamburg beim „bunkersalon“ des resonanzraums dabei, und im Mai kann man die Installation zusammen mit anderen BOSMOS-Arbeiten im haus6 in Worpswede sehen – in Kooperation mit der KW/Randlage und den Künstler:innenhäusern Worpswede. „Arcade“ goes überregional.



Eins steht fest: Bei den Installationen von Bosmos sollte man unbedingt etwas mitbringen: Neben der Neugier auch eine spielerische Lust am Probieren und Perspektivwechsel. Nicht alles ergibt sofort einen Sinn, nicht alles lässt sich klar interpretieren. Die Kunsterfahrung wird selbst zu einem Spiel: Was denke und was fühle ich? Oder lässt mich das vollkommen unberührt? Dann hilft nur eins: einfach mal den Trigger Button drücken. Schließlich ist "Arcade" Kunst, die ballert.


SPECIAL: GAME HOURS


FREITAG, 8. APRIL 2022, 18 - 20 UHR

SAMSTAG, 9. APRIL 2022, 18 - 20 UHR


Karaoke war gestern! Brettspiele? Aus dem letzten Jahrtausend! Checkt eure Skills als Stand Up-Composers bei „Arcade“: von Begriffen ausgehend (Emotionen, Stimmungen, Situationen), die sich das Publikum ausdenkt, steuert Ihr die Licht- und Sound-Pulte. Nach 3 Min. ist Eure Session um – habt Ihr 10 Sekunden keine Idee, seid Ihr game over! Geht Ihr als Flop unter oder steigt Ihr als New Creators auf in den Performance-Himmel? Haut in die Tasten oder entspannt bei fest und flüssig.