ACOUSTIC SESSION: EDUARD & HAUKE
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Kaum zu glauben, aber nun ist es schon wieder vorbei. Die zweite Staffel der Kulturschnack Acoustic Sessions neigt sich dem Ende zu, doch hält eben dieses zum Grande Finale nochmal ein waschechtes, musikalisches Highlight bereit. Denn zwischen französischem Chanson, Jazz Manouche und lateinamerikanischen Einflüssen bewegt sich der Oldenburger Musiker Eduard Schneider hochversiert durch die Genres und findet dabei seinen ganz persönlichen Sound, den er in einer beeindruckenden Performance seines Songs „Toi" gemeinsam mit Hauke Quaer am Saxophon für uns präsentiert.
Für manche ist Musik etwas, das ausschließlich aus dem Bauch heraus, aus einem Gefühl entsteht. Gerade, wenn sich Musikerinnen und Musiker ihre jeweiligen Fähigkeiten am Instrument autodidaktisch, also a la „learning by doing", beigebracht haben. Bestimmte Akkorde, Noten, Rhythmen - und seien sie noch so simpel - lösen schlichtweg etwas in uns aus, das uns berührt und somit natürlich auch seine vollste Berechtigung genießt. Gute Songs müssen also, halten wir fest, nicht zwangsläufig kompliziert oder komplex sein, um Menschen bewegen zu können. Doch Musik kann auch anders. Sie ist ebenso ein handwerkliches Fachgebiet, in welchem jedes einzelne Instrument bis zur letztlichen Virtuosität durchexerziert werden kann. Es kann also durchaus ein gravierender Unterschied zwischen den beiden Aussagen „Ich spiele Gitarre" und „Ich spiele Gitarre" liegen. Nicht umsonst können junge Musikerinnen und Musiker ihr Instrument selbst oder Musik im Allgemeinen an zahlreichen Hochschulen studieren.
So auch an unserer hiesigen Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg, die ebenfalls ein solches Musikstudium anbietet. Hier lernten sich auch Eduard Schneider und Hauke Quaer kennen, die letzten beiden Künstler mit einer Perfomance im Rahmen der zweiten Staffel unserer Kulturschnack Acoustic Sessions. Für Eddy, wie er gerne genannt wird, spielte Musik familiär, insbesondere aufgrund seines Vaters, immer schon eine prägende Rolle und auch für Hauke sei die Musik einfach immer schon „Teil von jedem Aspekt im Leben" gewesen. So ist es nur folgerichtig, dass im Fall der beiden auch in beruflicher Hinsicht die Musik einen hohen Stellenwert einnahm. Denn inzwischen unterrichten beide auch als Musiklehrer am Oldenburger House of Music Education (kurz: h.o.m.e). Für Eduard ist jedoch wichtig festzuhalten, dass die beiden über das berufliche Verhältnis hinaus eine Freundschaft miteinander verbinde. „Wir verstehen uns musikalisch sehr gut, auch wenn jeder seine eigenen Lieblingsnischen hat", erzählt Eduard. Dass diese Ansicht definitiv zu unterstreichen ist, beweist die Entstehungsgeschichte des präsentierten Songs „Toi" nachdrücklich.

Melodien im Zusammenspiel
Der Song selbst beziehungsweise die grundlegende Idee entwickelte Eduard dabei während einer musikalischen Übung an der Gitarre. „Die erschien mir so eingängig, dass ich weitergemacht habe", erinnert er sich zurück. Am Ende dieser Erkundung lag ein Liebeslied, in dem er sich mit seinen und den konventionellen Vorstellungen anderer hinsichtlich einer Beziehung und Partnerschaft auseinandersetzt. „'Toi' ist ein Geständnis an die Liebe, auch wenn es unbequem ist. Es singt davon mit 'Dir' durch die Nacht zu tanzen." Musikalisch greift das Stück auf Elemente der französischen Musette zurück, einen virtuosen französischen Walzer, weshalb sich das Stück auch sprachlich konsequenterweise des Französischen bedient. Wirklich einem festen Genre kann aber auch Eduard das Stück nicht zuordnen.
„Ich finde es immer sehr Interessant zwischen Genres zu wechseln und auch diese zu verbinden. Jedes Genre hat seine Eigenarten und ein Vokabular mit dem man bestimmte Emotionen oder Gefühle besser ausdrücken kann.“

Im Prozess wurde dann schnell klar: der Komposition fehlte ein entscheidendes Element, „eine klagende Stimme", wie Eduard es selbst beschreibt. Sofort habe er dabei an das Saxophon denken müssen, weil er das Stück ohnehin als eine Art musikalisches Duett begriff. Die Gitarre und das Saxophon im gemeinsamen Tanzen der Melodien miteinander als perfekte Metapher für die inhaltliche Botschaft. Kurzerhand kontaktierte er deshalb Hauke Quaer, dem es als Vollblutmusiker insbesondere das Saxophon angetan hat und deshalb auch sofort seine eigene Initiative und neue Ideen mit an den Tisch bringen konnte. „Jeder Song hat eine Aussage, ob textlich oder musikalisch. Und wenn diese nicht fertig formuliert ist, kann auch der Song meiner Ansicht nach nicht fertig sein. „Toi" hat sich erst dann komplett angefühlt als Hauke dazukam", so Eduard.
Den Weg bestimmt die Kunst
Während sich jedoch Musik in der breiten Masse zunehmend einem Zeitgeist unterzuordnen scheint, der für Playlisten und die einschlägigen Streamingdienste optimiert wird, bewegt sich Eduard ganz bewusst fernab von Trendbewegungen eines vermeintlichen Mainstreams. Während als Songs tendenziell immer kürzer werden, um öfter gestreamt zu werden, kann hier erfrischenderweise ein Song auch gerne 5 Minuten lang sein, wenn der Song das benötigt, um sich wirklich zu entfalten. Den Weg bestimmt allein die Kunst. „Ich plane und schreibe keinen Song mit dem Fokus mainstreamtauglich zu sein. [...] Bei 'Toi' ist die Melodie im Gesang weniger eingängig als üblich. Aber dadurch, dass die Gitarrenbegleitung sehr wiederholend ist, soll eine fließende Wirkung erzeugt werden. Ich selbst mag auch die Herausforderung beides gleichzeitig zu bewältigen. Ziel ist es mit Song und dem Arrangement eine Kontinuität und Endlichkeit durch die verwobenen Melodieketten zu erzeugen."

Dabei präferiere Eduard keine bestimmte Emotion oder Reaktion, die er bei den Hörerinnen und Hörern hervorrufen wollen würde. „Ich finde es schön, Musik individuell zu fühlen. Denn Schönheit gibt es bei verschiedenen Emotionen für mich. So kann bei Songs Melancholie und Trauer empfunden werden, sie können aber ebenso auf eine Weise Trost spenden." Von dem Gedanken, seinen ganz persönlichen, kreativen Schaffensprozess als eine Karriere zu begreifen, die es zu verfolgen gilt, distanziert sich Eduard und begreift diesen vielmehr als eine Erweiterung seiner Tätigkeit als spielender Musiker sowie Musikschullehrer - ein befreiender Gedanke. Nichtsdestotrotz sind bereits weitere Songs aufgenommen und produziert, deren Veröffentlichung aktuell noch in Planung sei.
Somit bietet auch diese letzte Ausgabe der zweiten Staffel unserer Kulturschnack Acoustic Sessions ein (vorerst) hochexklusives, musikalisches Erlebnis, das ihr so nur bei uns zu sehen bekommt.
Ihr möchtet sowohl das Schaffen von Eduard als auch Hauke weiterhin verfolgen? Dann schaut am besten direkt auf den Instagram-Profilen der beiden vorbei:


