DIE KULTUR ZEIGT FLAGGE

Schon gesehen? In Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und in Verurteilung des Angriffskrieges von Wladimir Putin erstrahlt das PFL derzeit in den Farben Blau und Gelb. Mit dieser symbolischen Aktion ist das Kulturbüro aber nicht allein. Ganz im Gegenteil, die Kulturszene ist zu einem Aktivposten der Ukraine-Hilfe geworden.

Das PFL Kulturzentrum Oldenburg in den Farben der ukrainischen Flagge angestrahlt
Als Zeichen der Solidarität erstrahlt das PFL Kulturzentrum aktuell in den Farben der ukrainischen Flagge. Foto: Kulturschnack

Wenn die Oldenburger Kulturszene etwas ganz schlecht aushalten kann, dann ist es das Gefühl, nichts tun zu können. Das war in den letzten Jahren bei den Lockdowns zu und führte zeitweise zu wahren Explosionen der Kreativität. Und das war auch nun wieder so, als Wladimir Putin den Krieg in der Ukraine begann. Die Akteure geben sich nicht damit zufrieden, „nur“ Anteil zu nehmen und Mitgefühl zu zeigen. Sie wollen aktiv sein, etwas bewegen und bewirken. Und es gelingt ihnen - wieder einmal.


Das Oldenburgische Staatstheater wird in Blau und Gelb angestrahlt.
Ebenfalls in Blau und Gelb: das Oldenburgische Staatstheater (Bild: Mario Dirks)

Oldenburg hilft


Eine starke Verbindung aus Kultur und konkreter Unterstützung war der Spendenabend „Oldenburg hilft“ im Staatstheater am 16. März. Innerhalb kürzester Zeit haben Intendant Christian Firmbach und sein Ensemble ein Programm mit Beiträgen aus beinahe allen Sparten des Hauses zusammengstellt: Oper, Tanz, Lesung - in ebenso kurzweiligen wie hochkarätigen Beiträgen demonstrierte das Staatstheater über zwei Stunden hinweg die positive Kraft der Kultur. Besonders eindrucksvoll: der Auftritt der ukrainischen Flötistin Rimma Malynovska, die erst kurz zuvor mit ihren beiden Kindern ein vorübergehendes Zuhause in Oldenburg gefunden hat. An dieser Stelle rückte der Konflikt plötzlich ganz nah.


Der Eintrittspreis war mit 5,- Euro eher symbolischer Natur; dafür kamen über Spenden mehr als 10.000,- Euro zusammen. Die Erlöse teilen sich die Initiativen “Oldenburg hilft der Ukraine“ von Maike Günther und „Wir lassen euch nicht allein“ der Nordwest-Zeitung. Einen guten Eindruck vom Abend, bekommt man durch die Beiträge vom NDR.



Ein Blick von der Bühne auf dem Schlossplatz in Richtung Publikum
Blick von der Bühne: der Schlossplatz war immer gut gefüllt (Bild: Peter Porikis)

Play for Peace


Noch deutlich früher dran war Play for Peace auf dem Schlossplatz, nämlich schon am 6. März. Viele Anwesende rätselten, wie es Stadtfest-Organisator Reinke Haar gelungen sein könnte, nur eine Woche nach Beginn des Krieges ein echtes Festival auf die Beine zu stellen. Sowohl das Entstehen dieser Idee also auch die große Unterstützung der beteiligten Künstler*innen waren ein Beispiel für die enorme Hilfsbereitschaft in unserer Stadt.


Auch das Publikum machte mit: der Schlossplatz war durchweg gut gefüllt, insgesamt 8.000 Zuschauer*innen zählten die Veranstalter. Die Stimmung bewegte sich zwischen gelöst und bewegt. Höhepunkt war auch hier der Auftritt einer Ukrainerin, in diesem Fall der nur acht Jahre alten Zlata. Sie sang ein Lied aus ihrer Heimat, das niemanden unberührt ließ. Aber auch sonst konnte sich das spontane-Line-up sehen lassen und bot wunderbare Kontraste. Wann erlebt man schon Sinatra-Klassiker, Punkrock-Hymnen und eine Schweigeminute - in genau dieser Reihenfolge? Und das Beste: hier kamen ca. 22.000 Euro für die Ukraine zusammen.


Szene vom Maiden-Platz während des Aufstands in den jähren 2013 und 2014
Aufstand auf dem Maidon-Platz 2013/2014: Kundgebungen und Straßenschlachten (Bild: grandfilm)

Solidarisches Kino


Im Stadtbild weniger auffällig, inhaltlich aber umso stärker war zudem der Schwerpunkte Ukraine in der Reihe „Solidarisches Kino“ des Cine k. Das Programmkino zeigte im März die ukrainischen Dokumentar-Filme „Women* - What are we fighting for?“ und „Maidan, beide bei freiem Eintritt. Spenden waren natürlich erwünscht und gingen an „Kharkiv Pride“ beziehungsweise „International Coalition for Filmmakers at Risk“. Das heißt: jeder Kinobesuch erweitert nicht nur den persönlichen Horizont, sondern auch die Handlungsmöglichkeiten dieser Organisationen. Ein klassischer Fall von Win-win.



Das Oldenburger Schloss in den Farben der Ukraine
Immer Blau-Gelb: Oldenburger Schloss mit Himmel (Bild: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte)

Statement der Museen


Am 28. März hissten die Oldenburger Museen auf all ihren Profilen die gelb-blaue Flagge der Ukraine. Gleichzeitig veröffentlichen alle beteiligten Häuser eine gleichlautenden Erklärung, in der sie den Krieg in der Ukraine mit klaren Worten verurteilen. Außerdem unterstützen sie eine Initiative der World Heritage Watch. Die Organisation ruft auf zum Schutz des kulturellen Erbes in der Ukraine, das ebenfalls stark unter dem Krieg zu leiden hat. Gebäude sind vor Bomben und Raketen leider kaum zu schützen, aber die vielen ukrainischen Kunstschätze können vor Raum und Zerstörung gerettet werden. Die Oldenburger Museen unterstützen dieses Vorhaben und leisten gemeinsam einen finanziellen Beitrag dazu. Beides - das Engagement und die Gemeinschaftlichkeit der Aktion - ist ein starkes Zeichen in einer schwierigen Zeit, nicht nur für Menschen, sondern auch für die Kunst. Beteiligt waren:

  • Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte

  • Edith-Ruß-Haus für Medienkunst

  • Horst-Janssen-Museum

  • Landesmuseum für Natur und Mensch

  • Stadtmuseum


Benefiz-Abende von theater hof/19 und theater wrede+


Freie Theater sind finanziell in der Regel selbst nicht auf Rosen gebettet. Da machen die Oldenburger Häuser keine große Ausnahme. Dennoch war es für das theater hof/19 und für theater wrede+ selbstverständlich, dass auch sie sich für die Menschen in der Ukraine engagieren.

Der Saal des Theaters Hof/19 in Oldenburg mit Publikum und Künstlern
Gut gefüllt: Saal und Spendenbox (Bild: Theater hof/19)

Am 2. April fand im kleinen Theater in der Bahnhofstraße 19 eine Benefiz-Aufführung des Klassikers "Alter Whisky, junge Liebe" statt. Das Ergebnis war ein "wunderbarer Abend im Zeichen des Friedens", wie das Team des Theaters bilanziert.


"Es ist ein kraftvolles, gutes Zeichen, sich über die Musik und Kultur verbunden zu fühlen und damit auch noch helfen zu können", heißt es bei Instagram weiter. Dem rundheru gelungenen Abend setzte die Spendensumme noch eine strahlende Krone auf: 5.600,- Euro kamen an diesem Abend zusammen und gehen direkt an die Aktion "Deutschland hilft".


Tags darauf konnte man in der Klävemannstraße einen ähnlichen Effekt erleben, auch wenn er zunächst ganz anders aussah. Es gibt nicht um Whisky, sondern um Wasser, und der Beginn war am Nachmittag statt am Abend. Kein Wunder: Das wrede-Ensemble zeigte nämlich das neue Stück "Regen riechen" für alle Menschen ab zwei Jahren. Sämtliche Erlöse gingen dabei an "Oldenburg hilft der Ukraine".

Zwei Schauspielerinnen in einer Szene in einem Wald im neuen Kinder-Stück des Theater wrede+
Neues Stück: "Regen riechen" (Bild: Andreas Etter)

Ausgerechnet einen umsatzstarken Sonntag eine Woche nach der Premiere für eine Benefizveranstaltung zu nutzen, zeugt von der Haltung hinter diesem Engagement. Auch wenn die vielen kleinen Gäste den Kontext zum Krieg in der Ukraine - zum Glück - noch nicht herstellen konnten, war auch diese Veranstaltung eine ganz besondere für das Publikum. Denn auch hier gab es neben der guten Sache auch eine gefühlte Gemeinschaft. Neben weiteren 810,- Euro für die Menschen aus der Ukraine ist das ein zusätzlicher Effekt hier vor Ort, der - ebenso wie bei hof/19 - hoffentlich noch lange nachhallen wird.


Dies sind nur einige von vielen starken Aktionen des Oldenburger Kulturszene in diesen dramatischen Wochen. Kein Zweifel: Die Szene ist aktiv, sie bewegt und bewirkt etwas. Und wahrscheinlich haben wir noch viel vergessen. Wer mag, kann uns gerne darauf hinweisen, dann erweitern wir diesen Artikel gerne.


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