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- RAN ANS MACH|WERK
Wer zum ersten Mal ein Kulturprojekt organisiert, stellt sich unzählige Fragen: Ist meine Idee umsetzbar? Wenn ja, an welchem Ort? Will das jemand sehen? Macht jemand mit? Und gibt es vielleicht Fördergelder? Zumindest letzteres ist seit 2018 geklärt - dank MACH|WERK, Oldenburgs Fonds für innovative Kulturprojekte. Nein, die Genese lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Fest steht jedoch, dass es vor sechs Jahren genügend Menschen in Oldenburg gab, die einen Bedarf gespürt haben und die ein Potenzial gesehen haben. Einen Bedarf an Unterstützung für jungen Künstler:innen und Kulturschaffende - und all jene, die sich noch gar nicht als solche begreifen, aber Lust haben, ein spannendes Projekt umzusetzen. Und ein Potenzial für junge Menschen, für die Kulturszene und deren Zukunftsfähigkeit sowie für die Stadt - denn alle profitieren davon, wenn junge, neuartige, aufregende Kunst in Oldenburg passiert. Im Folgejahr wurde MACH|WERK dann erstmals ausgeschrieben, auch wenn der Fonds diesen Namen damals noch nicht trug. Seither stehen pro Jahr mindestes 40.000,- Euro für innovative Kulturprojekte zur Verfügung. Bei den bisherigen fünf Förderrunden kamen insgesamt 39 Projekte zum Zuge, die mit 290.000,- Euro unterstützt wurden, der Schnitt lag also bei etwa 7.400,- Euro. Die jeweilige Zahl der Anträge und die beantragten Summen lagen nochmals deutlich höher. Kein Zweifel: MACH|WERK ist ein Erfolgsmodell. MACH|WERK OLDENBURGS FONDS FÜR INNOVATIVE KULTURPROJEKTE SECHSTE AUSSCHREIBUNG BEWERBUNGSFRIST: 1. JULI BIS 31. AUGUST 2023 EINREICHUNGEN: ONLINE Unbekannt, unverbraucht, ungewohnt Manchmal reichen einige Sätze, um den Spirit einer Idee klar zu um umreißen und für jeden schnell verständlich zu machen. Beim MACH|WERK-Fonds ist das ziemlich gut gelungen - nachzulesen auf den Plakaten, die in den kommenden Wochen in der Stadt hängen werden: „Die Stadt ist dein Terrain, Probieren ist deine Methode, Neugier ist dein Antrieb? Perfekt! Denn MACH|WERK geht in die fünfte Runde. In diesem Jahr stehen 40.000 Euro für Unbekanntes, Unverbrauchtes, Ungewohntes zur Verfügung. Klingt gut für dich? Dann her mit deiner Projektidee!“ So steht es dort und so wir es auch verstanden. Eins ist sofort klar: Hier braucht es nicht zwangsläufig centgenaue Kalkulationen und elaborierte Antragsprosa. Hier geht es um gute Ideen! Der Gedanke muss greifbar sein, er sollte begeistern, mitreißen und spürbar machen, warum Oldenburg genau dieses Projekt braucht. Je plastischer und spannender die Geschichte hinter dem Projekt erzählt ist, desto besser. Am Ende steht aber immer die Idee selbst. Ihrer Einzigartigkeit, Besonderheit, ihre Strahlkraft. Und so kam es in der Vergangenheit schon dazu, dass eilig gemailte Projektskizzen erfolgreich waren, penibelst durchkalkulierte Anträge aber nicht Ahnengalerie: Obwohl der Kulturschnack die ersten vier MACH|WERK-Jahre verpasste, gibt es reichlich Beträge, die mit dem Innovationsfonds zu tun haben. (Screenshots: Kulturschnack) Was ist innovativ? Um es in Anlehnung an Andy Warhol zu sagen: Innovativ ist alles, solange man damit durchkommt. In der Tat war der Innovationsgrad der Anträge in den letzten Jahren sehr unterschiedlich. Von einzigartigen Premieren bis zum x-beliebigen Projekt war alles dabei. Man erhöht seine Chancen aber signifikant, wenn man sich bemüht, neue Ansätze zu finden. Das kann einerseits die Idee selbst betreffen, die idealerweise noch nie zuvor jemand hatte. So etwas ist aber selten. Infrage kommen deshalb auch veränderte Blickwinkel, ungewöhnliche Orte und Settings, neue visuelle Ansätze oder Variationen von Bekanntem wie Konzerten, Theaterstücken, Performances und so weiter. Wichtig ist, dass die Projekte nicht einfach nur "ein weiteres" sind, das sich in den Veranstaltungskalender einreiht, sondern dass es herausragt. Venture Capital für junge Kultur Einige erfolgreiche und etablierte Akteure bzw. Formate haben ihr erste Anschubfinanzierung einst über MACH|WERK erhalten. Das intime filmische Stadtportrait "Wer ist Oldenburg?" des Vasudeva Vereins wurde u.a. durch die bisher höchste Förderung des Fonds ermöglicht. Das Hidden Art Project konnte seine erste Ausstellung im ehemaligen HEMA nur dank einer Innovations-Förderung umsetzen, ebenso die Open Air Ausstellung "Kunst statt Kommerz" im Jahr darauf. Die außerordentlich beliebte Stadtrundfahrt-Variation "Kulturelli" ist ebenfalls ein MACH|WERK. Beim MEMUR Urban Arts Festival und dem Metropoly Klubfestival hatte der Innovationsfonds ebenfalls die Hände im Spiel. Und das sind nur einige Beispiele für die mittlerweile 39 Projekte. Wurde 2019 gefördert: Tobias Böttjers düsteres Kurzfilmprojekt „Mutter Erde“ (Video: Tobias Böttjer) Aber was ist das nun? Spielgeld für Spaßvögel? Oder Seed Money für Kultur-Startups? Die Antwort ist klar: Letzteres. So ist es zumindest gedacht. Dass manchmal auch ersteres zu letzterem führt, ist dabei berücksichtigt. Sinn und Zweck soll aber sein, dass junge Menschen die Kultur dauerhaft als ihr Aktionsfeld entdecken. Dass sie spüren, dass Support von Seiten der Stadt kommt. Und dass sie ermutigt werden, nach dem ersten Projekt auch ein zweites und drittes zu machen. Fragen? Antworten! Nicht nur, was die Realisierung des eigenen Projekts angeht, wird man - wie oben beschrieben - viele Fragen haben. Auch ein Antrag auf Fördermittel kann die eine oder andere Stirn in Falten werfen. Deshalb gibt es hier Antworten auf RAN ANS MACH|WERK Die Genese des Innovationsfonds mag vielleicht nicht mehr zu rekonstruieren sein, aber darauf kommt es letztlich auch gar nicht an. Wir sind zwar allen dankbar, die auf die eine oder andere Weise zum Erfolg beigetragen haben, vor allem freuen wir uns aber auf alles, was da noch kommt! Die Ausschreibungsphase für die sechste MACH|WERK-Auflage ist jedenfalls gestartet. Bis zum 31. August 2023 ist noch Zeit, um geniale neue Ideen oder clevere Variationen von Bekanntem zu kreieren. Das kann allein im stillen Kämmerlein passieren, das kann aber auch gemeinsam mit anderen in einem Netzwerk geschehen. Wichtig ist, dass die Akteure das richtige Mindset behalten. Und das führt uns direkt zurück zum Eingangszitat. Denn es geht schlicht und einfach darum, die eigene Neugier in ein Experimentieren und Ausprobieren zu verwandeln - und das in der Stadt umzusetzen bzw. auszuleben. Insofern wäre eine MACH|WERK-Förderung zwar kein Spielgeld, Oldenburg darf man aber sehr wohl als die ganz persönliche Spielwiese für die Projekte verstehen. Denn jeder weiß: im Spiel sind die Grenzen deutlich weiter gesteckt als bei allen anderen Aktivitäten. Also: Nichts wie ran ans MACH|WERK!
- NICHTS WIE HIN (28)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- ZAHLTAG: KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM
Wer sich für Kunst interessiert und diese vielleicht zur Abwechslung auch abseits von Museen, Galerien und Ateliers unter freiem Himmel genießen möchte, braucht hier in unserer Stadt lediglich vor die eigene Haustür zu treten. Was gehört zu einem schönen Spaziergang? Das können für jeden von uns ganz unterschiedliche Dinge sein. Sei es die wunderbare Natur, tolle Parklandschaften oder beeindruckende Architektur. Das alles hat Oldenburg selbstverständlich alles in seinem Portfolio, doch auch die Kunst gehört definitiv dazu. Deshalb müsst ihr, die es dieser Tage bei (hoffentlich) bestem Wetter unter den freien Himmel verschlägt, dabei nicht auf inspirierende Werke unterschiedlichster Art verzichten, sondern könnt stattdessen einiges entdecken! Denn auch was die Kunst im öffentlichen Raum anbelangt, braucht sich Oldenburg wirklich alles andere als zu verstecken. 166 Kunstobjekte sind nach Aussage von Tanja Niebisch, die im Kulturbüro der Stadt Oldenburg den Bereich betreut, in ihrer Aufstellung gelistet, wobei dies gerade einmal den Anteil ausmacht, der in städtischem Eigentum liegt. Nun könnt ihr euch direkt, nach dieser doch hohen Zahl, die Frage stellen, wie viele Objekte euch im Alltag überhaupt schon aufgefallen sind, ohne dass ihr bewusst nach ihnen gesucht habt. Die Zahl wird wahrscheinlich doch etwas niedriger ausfallen. Aber das kann man ändern! Lohnen tut es sich allemal und wir erklären euch heute unter anderem auch mit diesem Artikel, wie ihr das am besten umsetzen könnt. Mehr als man denkt Doch mit der bloßen Aufstellung einer (zum Beispiel) Skulptur ist es jedoch längst nicht getan, erzählt Niebisch im Interview. Denn durch die Aufstellung in der freien Umgebung sind die Kunstwerke in logischer Konsequenz auch den Witterungsbedingungen der Stadt ausgesetzt und leider fallen auch immer wieder einzelne Objekte unterschiedlichen Vandalismustaten zum Opfer. Deshalb spiele auch die Pflege sowie Unterhaltung der Objekte eine wichtige Rolle. Denn die Stadt legt Wert darauf, dass man der Kunst auf ganz einfache Art und Weise im persönlichen Alltag begegnen kann. Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig dieses fortlaufende Engagement ist und welchen gravierenden Unterschied es machen kann, das kann man ganz wunderbar am Brunnen an der Ritterstraße, direkt neben der kaiserlichen Post erkennen, der erst kürzlich wieder in Betrieb genommen wurde. Besonders der Vorher-Nachher-Vergleich, der durch die Bildstrecke deutlich wird, ist absolut gewaltig und das Objekt kaum wiederzuerkennen. Fotos: Stadt Oldenburg Ein Blick reicht und schon geht's los! So, nun geht es an's Eingemachte: Wenn ich nun Interesse daran habe, die Kunst in meiner Umgebung zu entdecken, muss ich dann etwa blind drauf loslaufen und hoffen, dass mein Blick immer genau im richtigen Moment ein Kunstobjekt sichtet? Nein, weit gefehlt! Denn hier bietet die Stadt Abhilfe und ein Blick in den interaktiven Stadtplan der Stadt Oldenburg reicht - dann wisst ihr direkt Bescheid: Dort kann ganz gezielt nach allem, was irgendwie mit Kultur zu tun hat, über einen dafür angelegten Filter gesucht werden und schon erscheinen auf der Karte die unterschiedlich gekennzeichneten Bereiche. Hier wird ganz bewusst nicht auf die "Kunst im öffentlichen Raum" allgemein reduziert, sondern für alle Interessierten eine klare Trennung unterschiedlicher Kunstgattungen/-arten vorgenommen. Unterschieden wird dabei in die Kategorien: Fassadenkunst Mahn- und Gedenkmahl Personendenkmal Skulptur oder Plastik Wappen oder Emblem Für jede der Kategorien wurde dabei eine eigene Farbe vergeben, die die Übersicht innerhalb des Stadtplans deutlich erleichtert. Mit einem Klick auf das Objekt werden euch über ein kleines Pop-Up Fenster darüber hinaus wichtige Informationen zum jeweiligen Werk eingeblendet. Durch die hilfreiche Zeichnenfunktion innerhalb der Karte ist es auch ohne weiteres möglich, sich seine ganz persönliche Route schon vorab einzutragen und so immer den nächsten Stop im Blick zu behalten. Der Planung eurer nächsten, künstlerischen "KulTour" durch die eigene Nachbarschaft, steht also absolut Nichts mehr im Wege! Wichtig: falls euch Schmierereien an einzelnen Objekten der Kunst im öffentlichen Raum auffallen, dann könnt ihr diese gerne über den Stadtverbesserer » melden. Oder ihr meldet diese direkt an Tanja Niebisch, die ihr unter kulturbuero@stadt-oldenburg.de erreicht. Hier könnt ihr euch auch bei weiteren Fragen zur Kunst im öffentlichen Raum melden!
- CIRCUS MAXIMUS
Wer hätte das gedacht? Im Sommer 2021 machte das „Neuland“-Festival seinem Namen noch alle Ehre, denn als Kulturevent waren zeitgenössische Artistik und Akrobatik für viele Oldenburger:innen noch ungewohnt. Das hat sich in der Folge deutlich geändert. Nach der zweiten Auflage im Folgejahr und dem „Winter-Varieté“ folgt nun der „Sommer-Circus“. Ist Oldenburg etwa zur heimlichen Hauptstadt moderner Circuskunst geworden? Eigentlich ist alles beim Altem: Körperbeherrschung und -bewegung gehören zu den ältesten menschlichen Ausdrucksformen, Clowns gab es als Hofnarren bereits im Mittelalter und auch der Circus existiert seit Mitte des 18. Jahrhunderts. Demnach könnten circensische Formate wie das Winter Varieté und der Sommer-Circus eigentlich sehr traditionell oder sogar antiquiert wirken - doch das Gegenteil ist der Fall. Ob unter dem Hallendach oder freiem Himmel: Die Performances der Artist:innen, Jongleur:innen oder Clowns sind nicht nur spektakulär, sie wirken auch aktuell und zeitgemäß. Wer bei einer der genannten Veranstaltungen Gast war, hat schnell die Erfahrung gemacht, dass die präsentierten Künste zwar tief in der Vergangenheit wurzeln - dass ihre aktuellen Interpretationen aber die Sprache der Gegenwart sprechen. NEULAND PRÄSENTIERT: SOMMER-CIRCUS MIT DEM COMMON GROUND KOLLEKTIV 8. JULI, 20. 30 UHR (TICKETS) 9. JULI, 15 UHR (TICKETS) OLDENBURGER SCHLOSS INNENHOF SCHLOSSPLATZ 1 26122 OLDENBURG Weltklasse in Oldenburg Nach zwei Veranstaltungen unter dem Namen „Neuland“ im charakteristischen Circuszelt und dem „Winter Varieté“ in der Kulturetage steht nun das vierte circensische Ereignis unter Regie des Vereins Kultur-Perspektiven auf dem Programm. Was setzt sich fort, was wird verändert, was ist gänzlich neu? Diese Fragen hat uns Lisa Rinne beantwortet. Sie kennt sich aus, denn die 35-jährige ist selbst eine „Weltklasse-Artistin“ (Circuszeitung) und war in Oldenburg schon mehrfach mit von der Partie, Lisa, vor zwei Jahren fand mit „Neuland“ zum ersten Mal ein zeitgemäßes Artistik-Spektakel in Oldenburg statt - und schlug voll ein. Im letzten Jahr folgte dann das „Winter Varieté“, jetzt der „Sommer-Circus“. Wird Oldenburg heimlich zu einer Circushauptstadt? Mit dem Verein Kultur-Perspektiven e.V. versuchen wir, zeitgemäßen Formen des Circus den ihnen gebührenden Platz in der Oldenburgischen Kulturlandschaft einzuräumen. Wir sind sehr froh, dass wir inzwischen im jährlichen Rhythmus sowohl eine Veranstaltungsreihe im Sommer, als auch im Winter organisieren können. Aus dieser Anzahl von Terminen den Anspruch einer „Circushauptstadt“ abzuleiten, wäre allerdings vermessen, da die Kunstform Circus gegenüber anderen Kulturangeboten immer noch unterrepräsentiert ist. Drinnen wie draußen spektakulär: Die Performances des Common Ground Kollektivs (Bilder: Nicole Oestreich) Wie erklärt ihr euch den Erfolg? Was ist an diesen eigentlich sehr traditionellen Formaten heutzutage attraktiv für das Publikum? Grundsätzlich ist der Zugang zu Circus sehr niederschwellig. Er hat meist keine Sprachbarrieren, hat hohes Unterhaltungspotential und die Kunstform Circus verfügt in besonderem Maß über die Möglichkeit, Sinn über das körperliche Mitempfinden mit dem Publikum zu teilen. Das Verständnis entwickelt sich nicht primär auf der intellektuellen Ebene, sondern gleichsam über das „Bauchgefühl“. Darüber hinaus bemühen wir uns in Oldenburg sehr hochkarätige und international erfolgreiche Künstler*innen zu zeigen, die ein breites Publikum ansprechen. Das positive Feedback zeigt, dass die Zuschauer*innen diese Bemühungen zu schätzen wissen. Wie unterscheiden sich die einzelnen Formate voneinander? Die hauptsächliche Verbindung zwischen den beiden Veranstaltungsreihen (Sommer und Winter) ist das Organisationsteam und der Ehrgeiz, dem Publikum ein hochwertiges artistisches Programm zu bieten. Der „Neuland – Sommer Circus“ legt dabei den Fokus auf zeitgemäße, abendfüllende, konzeptionelle Circus-Stücke, die bewusst das vor allem in Deutschland immer noch beinahe unumgängliche Klischee: „Menschen, Tiere, Sensationen!“ nicht bedienen, sondern Artistik in ihrem vollen Potenzial als eigenständige Kunstform in seiner ganzen Vielfalt einem breitenPublikum präsentieren. Freiluftbühnen eignen sich neben Theatern oder multifunktionalen Kulturstätten gerade im Sommer als attraktive Spielstätten mit grundsätzlich sehr niederschwelligem Zugang für alle möglichen Zuschauer*innen. Im Gegensatz dazu stehen im Wintervarieté Nummernformate im Mittelpunkt, die man landläufig eher mit dem klassischen Circus-Stereotyp assoziiert. In unserem Programm wollen wir zeigen, dass sich auch das Varieté nicht in tradierten Rollenbildern, altbackenem Humor und überholten Ästhetiken erschöpft, sondern durch frische Ansätze, aktuelle Sensibilität und künstlerische Virtuosität eine gewissermaßen zeitlose Form der anspruchsvollen Unterhaltung für Alt und Jung behaupten kann. Beim Sommercircus tritt das Common Ground Kollektiv auf, von dem du selbst auch ein Teil bist. Warum sollte man das ansehen? Der Sommer-Circus mit atemberaubender, internationaler Akrobatik wird im wunderschönen Ambiente des Schlossinnenhofes in Oldenburg stattfinden. Diese zeitgenössische Circus-Show wurde extra für den Sommer-Circus in Oldenburg mit dem internationalen Cast von Common Ground entwickelt, um dem Schlossinnenhof Circusluft einzuhauchen. Es ist ein Stück, dem viel Optimismus zugrunde liegt: es berührt, verzaubert, regt an und überrascht, mit großen Bildern und intimen Momenten. Akrobatik vermischt sich mit Live–Musik. Wir öffnen eine Schatzkiste, die bis an den Rand gefüllt ist mit circensischen Preziosen mit Chinesischem Mast, Vertikal-Seil, Schwungtrapez, Partnerakrobatik und vielem mehr. In Gruppenszenen, Duos und Solo-Momenten entstehen humorvolle und bewegende Situationen, mit denen die 5 Akrobat*inen und 2 Musiker*innen das Publikum fesseln. Ist der Sommercircus einmalig? Oder dürfen wir uns auf/über eine neue Sommer-Tradition freuen? Das ist die dritte Sommer-Veranstaltung in Folge, die Kultur-Perspektiven organisieren kann. Damit haben wir aus einer „kölschen“ Perspektive ja bereits eine Tradition etabliert. Allerdings waren und sind auch in Zukunft alle Veranstaltungen nur mit der Unterstutrzung durch die Stadt, durch Kulturstiftungen und alle weiteren Geldgeber möglich. Nur diese großzügigen finanziellen Zuwendungen garantieren die gleichbleibend hohe Qualität der Veranstaltungen. Geschichte trifft Gegenwart Auch 250 Jahre nach seinem Entstehen weckt der Begriff Circus ganz unterschiedlich Assoziation und Reaktionen. Die einen spüren eine besondere Magie, der sie sich nicht entziehen können oder wollen. Den anderen ist das Phänomen Wanderzirkus eher fremd oder es entspricht nicht ihren Vorlieben der Freizeitgestaltung. Unserer Rat an beide Gruppen ist derselbe: Lass euch auf den Sommer-Circus ein! Er hat genügend klassische Elemente, dass alle eingefleischten Circusfans voll auf ihre Kosten kommen. Anderseits hat er viele moderne Akzente und Elemente, so dass man ihn eigentlich kaum als Circus im engeren Sinne bezeichnen kann. Anders ausgedrückt: er vermischt die Geschichte mit der Gegenwart - und vereint das Beste von beidem. Das macht Oldenburg zwar nicht zur heimlichen Circus-Hauptstadt - das macht die Veranstaltung selbst aber tatsächlich zu einem Circus maximus.
- EIN TEIL VON MIR
Ein Gegenstand, der kann sich aufladen und dafür benötigt er überhaupt keinen Akku oder dergleichen. Denn hier ist nicht die Rede von Strom, sondern von Erinnerungen und Emotionen, die wir diesen über die Zeit hinweg zuschreiben. Für diejenigen, die diesen Gegenstand besitzen, diese großen Gefühle damit verbinden, steigt dabei der Wert der Objekte immens. Dank eines Kooperationsprojektes des Vasudeva e.V., der Berufsbildenden Schulen 3 und dem Landesmuseum Natur & Mensch, kann man dieser sogenannten materiellen Identität nun auf den Grund gehen! MATERIELLE IDENTITÄT ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT BIST - BIS 24. AUGUST 2023 - LANDESMUSEUM NATUR & MENSCH DAMM 38-46 26135 OLDENBURG Die Dinge, die wir besitzen, die uns etwas bedeuten und die über die Jahre hinweg zu einem Teil unserer Identität werden, diese Gegenstände sind dazu in der Lage, eine Geschichte über uns selbst zu erzählen. Sie zeichnen ein Bild unserer Persönlichkeit, darüber was uns wichtig ist im Leben und darüber, was wir bereits erlebt haben. Für jeden von uns können diese Gegenstände ganz individueller Natur sein: ein Ball, eine Kette oder nur ein einzelnes Stück Papier. Für Außenstehende mag es sich "nur" um den Gegenstand als solchen handeln, die Eigentümer dieser Gegenstände würden viele davon mit großer Sicherheit als "unbezahlbar" bezeichnen. Und welche Zeit in unser aller Leben ist oftmals eine der prägendsten? Die Jugend! Hier zeichnen wir das Bild von uns selbst, das wir gerne sein möchten, das sich zwar im Laufe des weiteren Lebens immer weiter ausprägt und abwandelt, aber doch ein wichtiges Fundament für unsere Persönlichkeit bildet. Wahrscheinlich kennen viele von uns noch zahlreiche Geschichten aus unseren Jugendtagen, die wir bis heute erzählen, schlichtweg weil sie uns immer noch viel bedeuten! Reflexion Aber wann hinterfragen wir diesen Umstand eigentlich? Im regulären Alltag neigt man wahrscheinlich eher nicht dazu. Doch 12 Jugendliche haben genau das in einem Kooperationsprojekt des Vasudeva e.V., der Berufsbildenden Schulen 3 und Landesmuseums Natur & Mensch als sechsteilige Workshop-Reihe getan und so eine Ausstellung konzipiert, die uns unter dem Titel „Materielle Identität - Ich sehe was, was du nicht bist“ Zutritt zu ihrer individuellen Gedankenwelt gewährt. Angeleitet durch Künstler:innen des Vasudeva e.V. erstellten die Jugendlichen künstlerische Fotografien ihrer mitgebrachten Gegenstände und Symbole. Eine Auswahl dieser ist nun in der Ausstellung vor Ort zu sehen. Viele weitere Fotografien sowie erläuternde Texte und Audioaufnahmen können darüber hinaus auch via QR-Code mit dem eigenen Smartphone abgerufen werden. Tiefgreifende Einblicke "Ziel war es, gemeinsam mit den Teilnehmenden ihre Perspektiven und Werte in Bezug auf materielle Güter zu reflektieren und sich mit Vorurteilen und der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Mit ihren Geschichten hinter den Gegenständen haben mich die Jugendlichen sehr beeindruckt. Ich bewundere ihre Stärke und besondere Sichtweise auf die Welt.", erzählt Gisela Ngomo vom Vasudeva e.V. als verantwortliche Projektkoordinatorin. Die Teilnehmenden bleiben dabei völlig anonym, denn sowohl die Fotos der Gegenstände als auch die zusätzlichen Erläuterungen lassen keinen direkten Rückschluss auf die jeweiligen Jugendlichen zu. Für Ngomo ist dies ein ganz bewusstes Mittel, um die Beteiligten zu schützen. Denn man merkt sofort, wie privat und vor allem tiefgehend die Einblicke sind, die die Jugendlichen hier allen Betrachter:innen in ihr Leben gewähren und wieviel doch ein einzelner Gegenstand oder eine Auswahl mehrerer über einen Menschen verraten kann. Der richtige Ort Und wo wäre eine solche Ausstellung besser aufgehoben als in dem Oldenburger Museum, das sogar schon in seinem Titel den Menschen selbst, mit dem sich hier auseinandergesetzt wird, mitführt. So erzählt Jenin Elena Abbas, die die Zusammenarbeit auf Seiten des Museums initiiert hat: "Es sind wirklich eindrucksvolle Ergebnisse entstanden! Als Mehrspartenmuseum beschäftigen wir uns seit jeher mit den Themen Mensch und Identität. Hier setzen wir einen Schwerpunkt auf unsere Gegenwart und freuen uns über mehr Perspektivenvielfalt hier im Natur und Mensch." Diese Vielfalt könnt ihr am besten direkt selbst für euch entdecken und euren nächsten Besuch im Landesmuseum Natur & Mensch planen, das auch über die Ausstellung hinaus einiges zu bieten hat! Wir haben nach unserem Besuch direkt darüber nachgedacht, welche Gegenstände wir der Welt gezeigt hätten, um uns zu beschreiben. Welche würdet ihr für euch wählen? PS: im Anschluss, am 26. August, wird die Ausstellung dann übrigens auf dem Solifest für Hanau in der Kulturetage zu sehen sein!
- IT'S SHOWTIME!
Oldenburg hat keine Kunsthochschule. Diesen Umstand kann man beklagen, kurzfristig verändern kann man ihn jedoch nicht. Es gibt aber einen Trost, denn an der Carl von Ossietzky Universität kann man Kunst studieren! Jetzt stellen die Studierenden der Fachschaft ihre Arbeiten vor. Die Uni Oldenburg hat etwa 185 Voll- und Teilzeit-Studiengänge, in die fast 16.000 Studierende eingeschrieben sind. Den bekanntesten Bereich stellt vermutlich die Lehrer:innenausbildung dar, die den historischen Kern der Hochschule bildet. Auch die Umwelt-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften sowie Informatik und Humanmedizin genießen eine hohe Aufmerksamkeit und prägen dadurch das Profil der Universität. Dass sie auch den Fachbereich Kunst und Medien mit knapp 350 Studierenden in den vier Fächern „Gender Studies“, „Kunst“, „Kunst und Medien“ sowie “Kunst- und Medienwissenschaften“ anbietet, ist öffentlich dagegen weniger präsent. Das hat natürlich Gründe, denn er ist nicht so nah an der Tages- und Gesellschaftspolitik wie die anderen genannten Beispiele. Dennoch ist dieses Angebot für Oldenburg von hoher Bedeutung. Oft sind es nämlich Kunststudierende, die sich am Standort besonders engagieren, ihm kreative Impulse geben oder sich am öffentlichen Diskurs beteiligen. „SHOWTIME 10“ DER FACHSCHAFT KUNST UND MEDIEN AUSSTELLUNG - PERFORMANCES - SCREENINGS - SYMPOSIUM - PARTY ERÖFFNUNG 5. JULI, 18 UHR PRINZENPARK AMMERLÄNDER HEERSTRAßE 69 26129 OLDENBURG Mittel, Methoden, Materialien Umso spannender ist es, wenn sich die Fachschaft nach außen präsentiert und die Studierenden ihre praktischen Arbeiten der letzten beiden Semester der Öffentlichkeit vorstellen. Was bewegt die jungen Menschen in diesem Fachbereich? Mit welchen Fragestellungen beschäftigen sie sich? Wie sehen ihre Antworten aus? Welche Mittel, Methoden und Materialien wählen sie? All diese Fragen beantwortet am besten „Showtime“. Bei diesem Format handelt es sich um eine Jahresausstellung des gesamten Instituts, bei der alle Kunststudierenden mitwirken können. Die Themenschwerpunkte sind dabei ganz unterschiedlich. In den Praxiskursen können die Studierenden nämlich unterschiedlichste künstlerische Techniken erlernen oder auch in verschiedenen Werkstätten arbeiten. Welcher Weg letztlich zum Ziel führt - und wo das Ziel überhaupt liegt - entscheiden die Studierenden sehr frei. Eine sorgsam kuratierte Ausstellung, bei der jedes Detail zu allen anderen passt, darf man bei „Showtime“ deshalb nicht erwarten. Bereits der Titel signalisiert, dass es um die Präsentation geht, nicht um ausstellungsdidaktische Finessen. Aber das muss kein Nachteil sein. Die große Abwechslung der Werke sorgt einerseits für ein sehr kurzweiliges Rezeptionserlebnis, andererseits erzeugt sie einen guten Eindruck davon, wie unterschiedlich sich die Studierenden dem Thema Kunst annähern. Das ist ein Erkenntnisgewinn für sich. Einzigartige Kunstwerke Und da wären wir schon wieder bei einem entscheidenden Wesensmerkmal der Kunst: Sie erzeugt in uns ganz verschiedene Impulse und Gedanken, Regungen und Assoziationen. Aus individuellen Fragestellungen und Antworten, aus den unterschiedlichen Kombinationen von Mitteln, Methoden und Materialien haben die Studierenden einzigartige Kunstwerke kreiert, mit denen man sich als Betrachter:in hervorragend auseinandersetzen kann. Oder sollte? Wer interessiert ist an den praktischen Arbeiten junger Künstler:innen aus Oldenburg und wer spüren möchte, welche inhaltlichen und künstlerischen Strömungen es aktuell beim Kunstnachwuchs gibt, sollte zwischen dem 5. und 7. Juli unbedingt im Prinzenpark auf dem Campusgelände Haarentor vorbeischauen. Der Fachbereich Kunst und Medien mag zwar nicht der größte und bekannteste der Carl von Ossietzky Universität sein. Er kann und will auch keine Kunsthochschule ersetzen. Spannende Einblicke in die aktuelle Kunstszene bietet er aber allemal - und das sollte man sich ansehen. It's Showtime!
- NICHTS WIE HIN (27)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- 24/7 KÜNSTLER
Das Horst-Janssen-Museum zeigt aktuell seinen Namensgeber als begeisterten Fotografen, der sich auch in den Momenten abseits seines eigentlichen Schaffens stetig an der Kamera künstlerisch betätigte. I THINK THE POWER OF PHOTOGRAPHY DID HIT MR. JANSSEN - FOTOGRAFIEN VON HORST JANSSEN NEU GESEHEN VON OLIVER GODOW - BIS 24. SEPTEMBER - EINTRITT KOSTENLOS - HORST-JANSSEN-MUSEUM AM STADTMUSEUM 4-8 26121 OLDENBURG Spätestens seit dem Smartphone sind wir alle zu fotografischen Chronisten unseres Alltags geworden, weil die Kamera immer in der nächsten Sekunde griffbereit ist. Doch das heißt natürlich nicht, dass die Menschen nicht auch schon davor viel fotografierten. So hat sich auch der Künstler Horst Janssen , der vor allem für sein Schaffen als Zeichner, Radierer und Literat bekannt war, Zeit seines Lebens künstlerisch in der Fotografie ausgelebt. Doch schon lange war dieser Teil seines Gesamtwerkes nicht mehr für eine breite Masse zugänglich - die letzte Ausstellung diesbezüglich ist rund 20 Jahre her. Das ändert sich nun! Im Zuge des Forschungsstipendiums, das einmal jährlich vom Horst-Janssen-Museum selbst sowie seinem Förderverein ausgelobt und diesmal an den Fotokünstler Oliver Godow vergeben wurde, setzte man sich nun - passenderweise - ganz neu mit diesem Bereich auseinander, was zur aktuellen Ausstellung im Horst-Janssen-Museum führte. Hier konnte man sich auf einen fotografischen Fundus von rund 3.000 Fotos berufen, von denen ein Großteil bisher noch unbesehen in Archiven in Hamburg und Oldenburg schlummerte. Gemeinsam mit Co-Kuratorin Dr. Sabine Siebel nahm man das vorliegende Material unter die Lupe und stellte schnell fest, dass der Umgang Janssens mit dem Medium auch heute noch absolut am Zahn der Zeit liegt. Den Moment einfangen So griff Janssen beispielsweise gerne zur Polaroid Kamera, die auch heute wieder ein absolutes Revival feiert und sich gerade bei jüngeren Menschen extremer Beliebtheit erfreut. Zwar machen sowohl Smartphone als auch das Polaroid beide ein spontanes Bilderlebnis möglich, doch in schnelllebigen Zeiten, in denen sich auf dem Smartphone im Handumdrehen eine schier unendliche Auswahl an Bildern erstellen lässt, ist die Reduktion auf den einzelnen, unwiederbringlichen Moment, der die Polaroidkamera auszeichnet, eine willkommene Abwechslung und Entschleunigung. Auffallend ist ebenfalls, wie stark einige der Fotografien in ihrer reinen Bildästhetik heutigem Stilempfinden entsprechen. Wo wir heute "Filter" auf eine digitale Datei anwenden und so ein bestimmter und vor allem völlig variabler Look entsteht, war es damals jedoch der Film selbst, der die Farbgebung des Endergebnisses bestimmte. Trotzdem bekommt man bei einigen der Hängungen innerhalb der Ausstellung im Kontext der heutigen Zeit unweigerlich den Eindruck, es könnte sich auch auf die analoge Spiegelung eines bestens kuratierten und gepflegten Instagram-Feeds handeln. Das schafft auch für junge Besucherinnen und Besucher direkte Bezugspunkte ohne dabei möglicherweise älteres Publikum abzuschrecken. Schneller als sein Strich Doch warum eigentlich Fotografie? Was mag Horst Janssen daran gereizt haben, sich zusätzlich zu seinem eigentlichen Schaffen auch noch in diesem Gefilde auszuleben? Oliver Godow denkt, über die intensive Beschäftigung mit seinem umfangreichen Archiv, eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben. Denn eine Zeichnung, die braucht Zeit, der Moment lässt sich nie ohne weiteres "sofort" einfangen. Deshalb sagt Godow: „Mit der Kamera konnte Janssen unmittelbar seine Bildempfindung festhalten, die deckungsgleich mit seinem Blick, seiner Intention und seinem Seelenzustand war. Die Kamera war schnell wie sein Auge und dabei schneller als sein Strich“ Doch nicht nur Janssens Werke sind hier zu sehen, Forschungsstipendiat Godow hat sich ebenfalls auf fotografische Art und Weise mit dem Künstler Horst Janssen auseinandergesetzt und die Ergebnisse ausgestellt. Denn über die Phase der Auseinandersetzung mit ihm konnte er eine recht prägende Gemeinsamkeit zu ihm feststellen. All seine Fotografien und Polas zeugten von einem rastlos Suchenden, von einem Workaholic, aber auch einem Egomaniac. Auch er selbst lebe mit der Kamera, 24/7. Und so hat Godow mit sachkundiger Expertise, aber auch mit subjektivem Blick eine Ausstellung kuratiert, die den Betrachter das fotografische Werk Janssens neu entdecken lässt, ein Werk, das Godow mit folgenden Worten beschreibt: „Komplett RETRO und trotzdem NOW.“ Weitere Infos zur Ausstellung gibt es unter folgender Adresse: www.horst-janssen-museum.de
- SO EIN THEATER!
Jugendtheater? Das ist doch nur für Jugendliche! Sätze wie diese hört man immer wieder, wenn junge Menschen auf der Bühne stehen. Die häufige Wiederholung macht die Aussage aber nicht richtiger, denn sie greift viel zu kurz. Am besten macht man sich selbst ein Bild, denn dafür gibt es jetzt die ideale Gelegenheit: Die Jugendtheatertage 2023! Ein Theaterbesuch ist immer etwas Besonderes: Selbst bei routinierten Abonnent:innen macht sich eine nervöse Spannung breit, sobald die Füße das Foyer betreten. Das hat einerseits mit dem speziellen Ambiente zu tun, das klar signalisiert: Hier lässt man den Alltag hinter sich. Andererseits liegt es aber auch an dem Ereignis selbst: Was man zu sehen bekommt und wie es einem gefällt? Das weiß man erst, wenn der Vorhang sich hebt. Dieses Gefühl einer positiven Ungewissheit gilt genau so auch für das Jugendtheater - und dort sogar noch mehr. Denn zu den erwähnten Fragen nach dem „Was“ und dem „Wie“ kommen weitere hinzu: Wer steht auf der Bühne? Was machen sie anders? Und wird es funktionieren? Die Antworten darauf sind dreierlei: spannend - lehrreich - unterhaltsam. JUGENDTHEATERTAGE 2023: FESTIVAL FÜR JUNGES THEATER 24. JUNI - 2. JULI 2023 MONTAG-FREITAG 18 UND 20.30 UHR SAMSTAG-SONNTAG 17.30 UND 20 UHR EXHALLE AM PFERDEMARKT JOHANNISSTRAßE 6, 26121 OLDENBURG INTERNATIONALES JUGENDPROJEKTEHAUS WEIßE ROSE 1, 26123 OLDENBURG PROGRAMM ZUM DOWNLOAD Zwischen Glitzer und Gewitter Dieser Dreiklang tritt nirgendwo deutlicher zutage als bei den Oldenburger Jugendtheatertagen. Neun Tage lang zeigen Theatergruppen aus der ganzen Stadt mit Beteiligten im Alter zwischen 13 und 26 Jahren ihre aktuellen Inszenierungen. Die Website verspricht „Bühnendurst, Rampenlicht, Kostümschlachten, Nervenflatter, Premierenglitzer, Applausgewitter, Sommernächte, Workshopkater, Theaterleben“ und liegt damit erfahrungsgemäß goldrichtig. Diese Aufzählung widmet sich in erster Linie den beteiligten Jugendlichen und übernimmt ihre Perspektive. Für das Publikum würde man eventuell andere Begriffe wählen, aber sie wären genauso positiv besetzt. Denn was die Jugendlichen auf der Bühne fühlen, übertragen sie direkt an die Zuschauer:innen im Saal. Deshalb gehört Jugendtheater zu den authentischen, unverfälschtesten Kulturerlebnissen der Gegenwart - das spürt man auch, wenn man „nur“ ein:e Beobachter:in ist. Enorm vielfältig: Das Programm der Jugendtheatertage deckt inhaltlich und performativ eine große Bandbreite ab. Aber was genau ist eigentlich das Faszinierende daran? Und hat es eine Bedeutung für Menschen jenseits der 26? Pünktlich zur Festival-Halbzeit haben wir uns darüber mit Hanna Puka unterhalten. Sie leitet die Theatervermittlung am Oldenburgischen Staatstheater und ist in dieser Funktion auch verantwortlich für die Jugendclubs, Gemeinsam mit zehn weiteren Theatermacher:innen organisiert Hanna auch die Jugendtheatertage. Halbzeit für die Jugendtheatertage: Vier Tage liegen hinter uns, vier liegen noch vor uns. Wie war es bisher, Hanna? Wir sind am Samstag mit einer tollen Eröffnungsfeier super in das Festival gestartet. Begleitet würde das von der Modern Jazz Band Kartoffelkoffer, die beim Stück „Kein Auge zu“ sogar Teil der Inszenierung ist. Im Anschluss gab es mit „Julia und Romeo“ und „Ich verschlafe meine Sonntage“ gleich zwei wunderbare Stücke zu ganz aktuellen Themen. Alle Beteiligten hatten spürbare Lust, ihre Werke vorzustellen und der Funke ist auch direkt auf das Publikum übergesprungen. Dieser positive Eindruck ist danach geblieben. Fast alle Vorstellungen waren bisher ausverkauft. Unter den Gästen war von echten Fans, die jede Aufführung mitnehmen, bis zu Gelegenheitsbesucher:innen alles dabei. Am wichtigsten waren aber vielleicht die Reaktionen auf die Stücke - und die waren hervorragend! Was kann man sich unter Jugendtheater eigentlich vorstellen? Was macht es besonders? Nehmen wir nochmal das Beispiel Julia und Romeo. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen einem Jugendclub des Staatstheaters und der Helene-Lange-Schule, Viele der beteiligten Jugendliche standen zum allerersten Mal überhaupt auf der Bühne und hatten sprachlich noch gar kein ausgeprägtes Bewusstsein für diese Situation. Deswegen gab es einen beinahe privaten Duktus. Dadurch ist eine ganz neue Energie entstanden und man hatte das Gefühl, man wäre ganz nah dran an den Jugendlichen. Die Gruppe hat wirklich eine tolle Fassung von Julia und Romeo geschrieben und die Reihenfolge im Titel dabei auch bewusst umgedreht. Sie haben das Thema in ihren Alltag reingeholt und ihre eigenen Probleme eingebracht. Das sollte man unbedingt mal gesehen haben, Gelegenheiten dazu gibt es noch am Sonntag, 2. Juli, und 17.30 Uhr, am Montag, 3. Juli, und 11 Uhr und am Mittwoch, 5. Juli, um 18 Uhr. Ein Projekt von Hanna selbst: „Die Troer:innen“ sind ebenfalls im Rahmen der Jugendtheatertage zu sehen. (Video: Oldenburgisches Staatstheater) Auch das Stück des zweiten Jugendclubs, „Ich verschlafe meine Sonntage“, geht in diese Richtung. Es wurde von der Gruppe selber geschrieben und es wirft den Blick der Generation Z auf ihr Verhältnis zum Smartphone. Man denkt ja immer, die Jüngeren wären voll darin versunken, aber sie waren tatsächlich sehr (selbst-)kritisch. Zu Beginn des Stücks geben sie ihre Smartphones ab und spielen mit der digitalen Abstinenz. Das ist dann beinahe schon ein Detox-Abend. Auch dieses Stück wird man am Sonntag, Dienstag und Mittwoch noch sehen können. Es ist also nicht so, dass die Jugendlichen ein vorgefertigtes Stück bekommen, sondern die Stoffe werden auch von ihnen erarbeitet und geschrieben? Genau. Innerhalb der Gruppe werden viele Texte reingegeben und dann zusammengebracht zu einem Ganzen und weiter bearbeitet. Im zweiten Beispiel wurde sogar die Leitung von unserer FSJ'lerin Lotta Müser übernommen, die kaum älter ist als die jungen Schauspieler:innen. Das gesamte Stück ist also gewissermaßen aus der Hand einer Generation. Und die Texte sind wirklich sehr gelungen, wie man an diesem Beispiel gut erkennen kann: „Ich habe Weltschmerz seit der Minute, in der ich angefangen habe zu bemerken, auf was für einer Welt ich lebe. Warum hat Rainer Ü50 das Recht dazu, mehr über die Welt zu bestimmen als meine Generation, die gerade wirklich etwas verändern will? Ja ok, ich weiß: weil es immer nur um Geld geht und Rainer sowieso bald seine Rente hat und ihm das alles am Arsch vorbei geht. Früher wollte ich immer Kinder und eine große Zukunft mit viel reisen, heute fällt es mir schwer, über die Zukunft überhaupt nachzudenken. Gibt es eine Zukunft? Rainer, wie dünn soll das Eis noch werden?“ Man merkt schon; Nach Highlights braucht man nicht zu fragen, eigentlich ist jedes Stück eines. Man kann die auch nicht vergleichen. Das fände ich total falsch. Jede Gruppe hat eine bestimmte Perspektive, die sie reinbringt, und eine bestimmte Zusammensetzung an Leuten, Die sind manchmal jünger, manchmal etwas älter und dadurch ergeben sich auch verschiedene Möglichkeiten. Am Ende stehen ganz unterschiedliche Ergebnisse und Schattierungen. Vielleicht gibt es aber rote Fäden. Was ist denn das Besondere am Jugendtheater, inwiefern unterscheidet es sich vom „erwachsenen“ Theater? Zunächst sind da natürlich die Themen, die auf der Bühne verhandelt werden und häufig in Zusammenhang mit dem Alter stehen. Da geht es oft um Identitätssuche und um die Frage „Wer bin ich?“ oder um Konstellationen wie „Ich und die Gesellschaft“ oder „Ich und die Welt“. Thema sind aber häufig auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen wie etwa der Klimawandel oder psychische Probleme. Klaas Schramm hat mit seiner Gruppe zum Beispiel Suizid und Depressionen auseinandergesetzt. Das sind alles Themen, die in unserer Gesellschaft sehr präsent sind und die unsere Jugend sehr betreffen - die aber auch für Ältere eine Rolle speilen. Eine Besonderheit ist aber natürlich auch die Tatsache, dass es für die jungen Schauspieler:innen nicht ihr Job ist. Sie geben in ihre Rolle wirklich alles rein. Es gibt nur ein bis vier Vorstellungen eines Stücks und nicht etwa dreißig. Es ist eine sehr komprimierte Form des Theaters und sie wollen gern alles von sich zeigen. Das ist wirklich toll. Wenn jetzt trotzdem ein Erwachsener sagen würde „Jugendtheater, das geht mich nichts an, das verstehe ich gar nicht“, was würdest du dem sagen? Ich würde jedem empfehlen, einfach mal zu kommen - auch wenn man keine Kinder hat, die im Jugendalter sind, oder sich von den Themen weit entfernt fühlt. Bei einem Besuch bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was gerade wichtig ist für die Jugendlichen und wo es für sie hingehen kann. Das ist auch gesellschaftlich hoch interessant, denn man schaut damit mal über seinen Tellerrand und hört, was jüngere Menschen hier in der Stadt denken. Die Jugendlichen, die hier auftreten, sind wirklich sehr engagiert, sie haben etwas zu erzählen - und das lohnt sich zu hören und zu sehen, Und die Jugendlichen selbst? Was haben sie vom Theaterspielen? Erkennst du da Entwicklungen? Ja, auf ganz vielfältige Weise. Jeder einzelne nimmt etwas anderes mit und es zeigt sich anders. Ganz viele entdecken sich plötzlich neu - nicht unbedingt bei der Premiere, sondern im gesamten Probenprozess. Die Aufführung vor anderen gibt zwar nochmal einen besonderen Kick, aber die Faszination ist für viele, dass sie entdecken können, wie viele verschiedene Seiten sie in sich tragen. Sie können auch mal ihr Innenleben zeigen, das ja auch gelitten hat während der Pandemie, weil sie vieles nicht ausleben und Erfahrungen nicht machen konnten. Für manche ist das Jugendtheater übrigens auch ein Sprungbrett zu einer Schauspielkarriere, In den letzten zwei Jahren sind aus den Gruppen des Staatstheaters vier Jugendliche an die Schauspielschule gegangen. Das ist eine sehr hohe Quote, denn pro Jahrgang gibt es immer fünf Clubs mit zehn bis achtzehn Mitgliedern, insgesamt also etwa 70 bis 75 Jugendliche. Ebenfalls sehenswert: „Der Tag, an dem RD fast gerettet wurde“ vom Jugendtheater Rollentausch. Mehr dazu findet ihr hier! Bestimmt haben hast du mit deinen Antworten bei einigen das Interesse am Jugendtheater geweckt. Wenn sich jemand nur ein einziges Stück anschauen wollte, welches würdest du empfehlen? Ein einziges?? Das geht ganz und gar nicht. (lacht) Da muss man schon mehr anschauen, sonst gibt es kein vollständiges Bild. Noch gibt es Gelegenheiten, ich kann das nur empfehlen! Auf die Probe gestellt Nach dem Interview mit Hanna haben wir ihre Aussagen natürlich überprüft und uns das Stück „Kein Auge zu“ der Theatergruppe imTransit in der restlos ausverkauften Exerzierhalle angesehen. Die mitreißende Kombination aus Schauspiel, Tanz und Musik bestätigte all die Dinge, die Hanna nannte: Thematisch beschäftigte es sich mit jenen Dingen, die junge Menschen in ihren Träumen beschäftigen oder ganz vom Schlafen abhalten. Von ungünstig arrangierten Stühlen und Spiegeln bis zu Selbstzweifel und Weltschmerz reichte die Bandbreite der Gedanken, die dafür sorgten, dass auch während der Vorstellung „kein Auge zu“ blieb. Die Blicke in die Köpfe der jungen Protagonist:innen waren für die jüngeren Gäste im Publikum starke Anknüpfungspunkte, für die älteren boten sie spannende Einblicke. Hier und da stellte man sogar fest, dass sich die Lebensrealitäten zwischen Jung und Alt manchmal weniger unterscheiden als man denkt. Ebenso überzeugend waren aber die performativen Leistungen aller Beteiligten. Die Band Kartoffelkoffer sorgte für weit mehr als eine musikalische Begleitung, die jungen Schauspieler:innen tanzten und agierten überraschend professionell - und im Ergebnis entstand ein bewegender Abend, der den eingangs erwähnten Dreiklang mühelos erfüllte, denn er war spannend - lehrreich - unterhaltsam. Einmal mehr wurde also klar, warum ein Theaterbesuch immer etwas Besonderes ist und warum das Gefühl einer positiven Ungewissheit beim Jugendtheater noch ausgeprägter ist als sonst. Und eine weitere Erkenntnis kristallisierte sich heraus: Jugendtheater? Das ist doch nicht nur für Jugendliche!
- NICHTS WIE HIN (26)
Irgendwas ist ja immer. Terminkollisionen und Wetterkapriolen, Wohlergehen und Weltgeschehen. Deswegen verpasst man immer wieder wunderbare Kulturveranstaltungen, die man eigentlich gern gesehen hätte, wenn nicht... nun ja, siehe oben. Am Schlimmsten ist aber vielleicht sogar was anderes: Der fehlende Überblick. Es ist einfach zu viel los! Deshalb gibt's von uns jetzt pro Woche drei Tipps: alle ganz unterschiedlich, aber alle absolut lohnenswert! Eines ist ja mal klar: Am Willen liegt's nicht! Die meisten von uns würden gerne sieben Tage die Woche irgendwas aus der Kultur mitnehmen. Konzert, Theater, Lesung, Kino, Ausstellung, Performance - die Möglichkeiten sind endlos. Und alles und auf ihre Weise interessant, aufregend, mitreißend, provokativ, inspirierend. Und trotzdem bleiben häufig Stühle leer, aber Couches gefüllt. Weil es halt doch nicht so einfach ist, erstmal mitzubekommen, was alles los ist es zu behalten und in den eigenen Kalender einzubauen dann tatsächlich in der Stimmung sein hinzugehen jemanden zu finden, die/der mit dabei ist und dann keinerlei Alltags-Hindernisse zu haben, wie Wetter, Wohlsein, Weltgeschehen. Einfach ausprobieren Deshalb gibt's von uns jede Woche drei Schlaglichter auf Veranstaltungen und Ereignisse, die in der kommenden Woche stattfinden und von denen wir denken: Da könnte man durchaus hingehen! Wie schauen dabei auf eine gute Mischung aus drinnen und draußen, gratis und teuer, traditionell und experimentell. Wir sagen nicht: Da ist für jeden was dabei. Wir sagen: Alles ist für jeden was! Wir sind nämlich überzeugt, dass unsere Tipps sich für alle erschließen lassen, die Lust haben, was zu entdecken. Wenn der Schlagerfan plötzlich zu Freestyle Hip-Hop abgeht, der pensionierte Bungalowbewohner in die Welt des Graffiti eintaucht oder die notorische Schulschwänzerin in der Kunstgalerie die Zeit vergisst, dann ist das genau der Effekt, den wir uns wünschen. Aber genug schwadroniert, hier sind die Tipps für diese Woche:
- SELIGKEITEN ERLEBEN
Nein, der Hinterhof des Landemuseums für Natur und Mensch war lange Zeit nicht gerade ein kultureller Hotspot. Vorwiegend als Parkplatz und Lagerfläche genutzt, erschloss sich sein Reiz bestenfalls auf den zweiten Blick. Erst als dort in kurzer Abfolge die „Polarnights“-Ausstellung eröffnet wurde, die umBAUbar ein Ausweichquartier fand und der Freizeitlärm e.V. das „Sonnendeck“ umsetzte, wurde der Platz zum Ort. Diese junge Tradition setzt nun Pelle, der Späti fort. Was das ist? Und was das mit Kultur zu tun hat? Lest ihr hier! Kultur wird häufig mit Institutionen verbunden: mit Museen und Galerien, Theatern oder Konzerthallen. Daran ist nicht falsch, denn überall dort hat sie eine Heimat. Nur darf man eine Bestandsaufnahme an dieser Stelle nicht stoppen, denn da ist noch viel mehr. Kultur findet nämlich auch außerhalb dieser etablierten Orte statt. Abseits konkreter Erwartungen bieten zwanglose Zwischenräume wichtige Gelegenheiten zum Ausprobieren und Experimentieren, für erste Schritte und weitere Gehversuche. Zu diesen Orten zählt seit dem letzten Sommer auch Pelle, der Späti. Dessen Setup ist zunächst unspektakulär: Ein Hinterhof, ein Foodtruck, einige Sitzgelegenheiten, dazu ein Open Turntable. Das ist nichts, was in dieser Form noch nirgendwo gab. Und doch entsteht im Ergebnis mehr als die Summe der einzelnen Teile: eine spezielle Atmosphäre, die zur Interaktion einlädt - miteinander und mit der Kultur. Pelle ist ein unkompliziertes, unverbindliches, urbanes Kulturangebot, das vielleicht nicht die Qualitäten institutioneller Angebote hat, dafür aber ganz andere und ganz eigene - und die braucht eine Großstadt genauso sehr, PELLE, DER SPÄTI - DER ZWEITE SOMMER DONNERSTAGS, 8., 15., 22., 29. JUNI 2023 JEWEILS AB 17 UHR ' LANDESMUSEUM FÜR NATUR UND MENSCH DAMM 46 26135 OLDENBURG Am 8. Juni startete Pelle in seinen zweiten Sommer. Obwohl das Projekt theoretisch ungünstige Bedingungen hat - keine Innenstadt-Lage, kein klar definiertes Kulturprodukt, keine Marketing-Maschinerie im Hintergrund - konnte es sich auf Anhieb etablieren. Die Atmosphäre, die Madlene und Cora am Damm erzeugen konnten, stieß in eine gefühlte Lücke des Oldenburger Kulturlebens: Was manchen fehlte, war ein unverbindlicher Treffpunkt von und für kulturaffine(n) Menschen, der nichts verlangt, aber viel ermöglicht. Jetzt ist er vorhanden. Wie es dazu kam, erzählen die beiden hier. Ihr seid mit Pelle letztes Jahr an den Start gegangen. Gefühltermaßen: Einfach mal so! Wie kam es dazu? Wir haben gemeinsam in der Gastronomie und im Kulturbereich gearbeitet und hatten irgendwann die Idee, einen Späti mit Kulturangebot zu eröffnen, einfach weil wir Lust drauf hatten und uns sowas in Oldenburg gefehlt hat. Räumlichkeiten dafür zu finden, war erst enorm schwierig, da wir fast ohne Kapital an den Start gegangen sind. Mit der Hilfe und Unterstützung einiger lieber Menschen kam es dann zum Foodtruck und dem schönen Plätzchen am Landesmuseum. Wieso eigentlich dieser Name? Wir haben uns im Café Saltkrokan kennengelernt und während unseres Masterstudiums gemeinsam dort gearbeitet. Das Saltkrokan war unser zweites Wohnzimmer und ohne das Café würde es den Späti nicht geben. „Pelle“ ist eine Figur aus dem Buch „Ferien auf Saltkrokan“ von Astrid Lindgren. Dieser Text beschreibt ihn ganz gut: „Pelle erlebte das ganze Dasein als eine Reihe von Wundern, und er war ständig damit beschäftigt, sie zu erforschen, geduldig und seiner Arbeit hingegeben, wie es sich für einen Forscher gehörte. Melcher empfand hin und wieder so etwas wie Neid, wenn er seinen Jüngsten beobachtete. Weshalb konnte man nicht das ganze Leben hindurch die Fähigkeit bewahren, Erde und Gras und rauschenden Regen und Sternenhimmel als Seligkeiten zu erleben?“ Der Standort am Landesmuseum war bisher kein Hotspot für Straßenkultur. Warum gerade dort? Der Platz am Landesmuseum kam uns in den Sinn, weil die umBAUbar dort im vorletzten Sommer übergangsweise war. Wir haben dann einfach mal nachgefragt und daraus hat sich eine wunderbare Zusammenarbeit ergeben. Der Platz passt für uns einfach perfekt, weil er genau die richtige Atmosphäre zum gemütlichen Zusammensitzen hat. Neben der wunderbaren Atmosphäre hattet ihr einen Open Turntable . Wird das "Selbermachen" weiter Bestandteil von Pelle bleiben? Und was habt ihr dieses Jahr sonst geplant? Wir bleiben dem Konzept zunächst treu, haben aber auch andere tolle Sachen geplant, wie z.B. Livemusik. Da wir noch in der Planung stecken und noch nicht alles spruchreif ist, können wir nur so viel sagen: Unser kulturelles Angebot soll erweitert werden und wir arbeiten mit ein paar tollen Projekten wie den raversforfuture zusammen. Wir sind aber vor allem auch jederzeit offen für Vorschläge oder Menschen, die bei uns auftreten, Workshops anbieten wollen oder, oder, oder. Ihr habt eine Förderung von Mach|Werk erhalten. Was hat das verändert? Die Förderung von Mach|Werk ermöglicht es uns, an einige Dinge professioneller ranzugehen, besser zu planen, Neues auszuprobieren und mehr finanzielle Sicherheit zu haben. Letzten Sommer haben uns ganz viele Menschen freiwillig und kostenlos unterstützt, was keine Selbstverständlichkeit ist. Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir zum Beispiel den DJs, die bei uns auflegen, jetzt Honorar zahlen können. Kunst und Kultur sollen zwar niedrigschwellig zugänglich sein, dabei wird aber häufig vergessen, dass die Künstler:innen auch von etwas leben möchten. Ihr macht das alles nebenbei. Wie schafft man sowas? Wir sind ein top Team und gute Freundinnen. Die „Arbeit“ bei Pelle macht uns so viel Spaß und ist für uns ein toller Ausgleich zu unseren Jobs. Wir lernen viel, haben mit tollen Menschen zu tun und gestalten das kulturelle Leben dieser Stadt mit. Wir finden, das ist eine super Feierabendbeschäftigung! Das finden wir auch! Danke für das Gespräch!
- KEIN AUSSERGEWÖHNLICHES EREIGNIS
Festivals haben es nicht leicht in Oldenburg: Bisher konnte sich noch keines dauerhaft etablieren. Umso bemerkenswerter ist es, wenn sich ein neues Format auf Anhieb durchsetzt - so wie "Ein außergewöhnliches Ereignis". In den Jahren 2021 und 2022 wurde das "Festival für elektronische Tanzmusik" zu einem wahren Magneten, zuletzt reisten etwa 2.000 Besucher:innen aus dem gesamten Nordwesten an. Und dieses Mal? Erinnert sich noch jemand an die Corona-Pandemie? An FFP2 und 3G+? Der globale Ausnahmezustand scheint inzwischen weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt worden zu sein (was vermutlich an einem inneren Schutzmechanismus liegt). Tatsächlich aber ist es kaum mehr als ein Jahr her, dass all die Vorsichtsmaßnahmen, Regeln und Beschränkungen aufgehoben wurden. Für etwas anderes galt das jedoch auch. Während der Pandemie wurden für die Kulturszene viele neue Förderformate geschaffen, die Nachteile durch die Pandemie zumindest teilweise ausgleichen sollten. Was aus der Not geboren war, erwies sich letztlich als Glücksfall. Kulturförderung war endlich so, wie die Kulturschaffenden sie sich wünschen: positiv, flexibel, großzügig, mutig, unterstützend, Doch mit dem Ende der Pandemie liefen auch viele Hilfsprogramme aus. Es entstand eine Lücke. Veränderte Umstände Was das mit dem EAE zu tun hat? Mehr als man zunächst denkt. Den Veranstalter:innen vom Freizeitlärm e.V. war es nämlich gelungen, das erfolgreiche Festival mitten in der Pandemie zu realisieren. Im September 2021 standen die härtesten Lockdowns noch bevor, am alten Klärwerk in Oldenburg wurde aber erstmals ausgelassen gefeiert. Nicht zuletzt mithilfe einer Förderung durch Neustart Kultur, dem „Rettungsprogramm für den Kultur- und Medienbereich“. Das war für genau solche Fälle gedacht: für Formate, die in Lücken springen und die den Menschen das geben, was ihnen so gefehlt hat: gemeinsame Glücksmomente. Doch schon im zweiten Jahr standen diese Mittel nicht mehr zur Verfügung. Dafür hätte der Verein zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre existiert haben müssen, was aber nicht der Fall war. Die Stadt Oldenburg sprang ein und übernahm zumindest eine finanzielle Grundausstattung. Dennoch musste das Festival ausverkauft werden, um auf die schwarze Null zu kommen. Aufwandsentschädigungen für die vielen Beteiligten waren ebenfalls nicht möglich, alles wurde rein ehrenamtlich realisiert. Immerhin konnte auf diese Weise am ersten Septemberwochenende 2022 das zweite EAE gefeiert werden. Das hatte zwar nicht mehr den Bonus, als eine Art Lichtblick in pandemischer Finsternis stattzufinden. Dafür aber war es eine rundum gelungene und erfolgreiche Veranstaltung mit herausragendem Line-up, prächtiger Stimmung und - anders als bei der Premiere - sogar perfektem Wetter. Kunst kontra Kommerz? Keine Frage: Das EAE war angekommen - in der Stadt, in der Szene. Dass im Spätsommer 2023 das dritte Festival stattfinden würde, stand deshalb völlig außer Zweifel. Zumindest eine Zeit lang. Doch als es daran ging, die dritte Auflage zu planen, stieß das Freizeitlärm-Team auf immer mehr Hindernisse. Dass kein Geld mehr von Neustart Kultur kommen würde, war schon lange klar. Dass die Stadt nicht dauerhaft große Summen in das Festival stecken kann ebenso. „Deswegen war eine Neuaufstellung nötig“, erklärt Gesine Geppert stellvertretend für das Kollektiv. „Wir mussten uns die Frage stellen, ob wir Großsponsoren wollen, die überall ihre Marke präsentieren, und wie teuer Tickets eigentlich sein dürfen.“ Dem Ansatz eines Kommerzfestivals oder Luxusvergnügens wurde allerdings schnell eine Absage erteilt: „Für uns war klar, dass wir niemanden ausschließen wollten“, erklärt Gesine die politischen Motive des Vereins. Die Ticketpreise anzuheben und damit für mehr Einnahmen zu sorgen, gleichzeitig aber auch sozial auszulesen, war für die Mitglieder kein gangbarer Weg. Genauso wenig kam infrage, das Ereignis stärker zu kommerzialisieren und Sponsoren einzubinden, deren Werte nicht unbedingt deckungsgleich mit jenen des Festivals sind. „Für uns stand deshalb eine Verkleinerung im Raum. Ein Übergangsfestival, bis wir uns für die Zukunft aufgestellt haben.“ Zwischen Entspannung und Enthusiasmus: Im letzten Jahr war Ein außergewöhnliches Ereignis eine rundherum wunderbare Veranstaltung. (Video: Kulturschnack) Die Rückkehr der Leerstelle Doch daraus wurde nichts. Nach dem Versiegen der Fördermittel und der bewussten Entscheidung gegen den Einstieg zahlungskräftiger Geldgeber folgte ein weiterer Rückschlag: Nachteilige Veränderungen in der Niedersächsischen Versammlungsstättenverordnung (NVStättVO) und in der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) machten es dem Team aus ehrenamtlichen Enthusiasten unmöglich, eine kleinere Variante des EAE auf die Beine zu stellen. „Die neuen Anforderungen hätten es nötig gemacht, einen ganz neuen Bauantrag zu stellen - mit Schallschutzgutachten, Parkplatzkonzept, Entwässerungsplan", berichtet Gesine. Obwohl vieles bereits aus den Vorjahren vorlag und damals bereits hohe Kosten verursacht hatte, hätten die Nachweise neu erbracht werden müssen, weil die Ausnahmen nicht auf das EAE zutrafen. „Dafür hätten wir Beträge im hohen vierstelligen Bereich gezahlt. Das ist für eine kleine Veranstaltung nicht zu rechtfertigen und nicht zu finanzieren.“ Zumal das Erstellen der Gutachten nicht zwangsläufig bedeutet, dass das Festival auch stattfindet. Im Zweifel bleibt man auf den Kosten sitzen. „Ohne diesen enormen Genehmigungsaufwand hätte das Festival stattgefunden“, vermutet Gesine. „Nur eben etwas kleiner.“ Auf gut Glück zu planen, sei aber niemandem zuzumuten. Dafür seien die Verfahren zu aufwändig, die Kosten zu hoch, das Frustpotenzial zu groß. „Es tut dem gesamten Team unglaublich Leid, dass wir das Erlebnis in diesem Jahr nicht ermöglichen können,“ gibt Gesine einen Einblick in die Gefühlswelten der Veranstalter:innen. Die empfundene Leerstelle, die einst Anlass für das Festival war, sei nun wieder da. „Uns blutet das Herz! Aber das bedeutet nicht, dass es das Festival nie wieder geben wird“, betont sie weiter. „Wir haben jetzt die Chance, mit noch mehr Energie an die Planungen für das nächste Jahr zu gehen.“ Sowieso sei die Stimmung im Verein nicht unbedingt schlecht. Es gebe zwar eine Enttäuschung, aber auch schon wieder viele neue Ideen: „Wir widmen uns jetzt erstmal kleineren Projekten wie dem frei.zeit.gang, der am 14./15. und 21./22. Juli im Rahmen der Kultursommers stattfinden wird.“ Latente Unsicherheit Wäre das alles vermeidbar gewesen? Möglicherweise. Gesine behauptet nicht, dass sie oder ihre Mitstreiter:innen die jeweilige - sich ständig verändernde - Rechtslage richtig interpretiert hätten. Oft ergänzt sie Sätze mit Einschränkungen wie „So habe ich das verstanden.“ Das zeigt ein Dilemma auf: Rechtsnormen erklären sich nicht von selbst. Zur Zeit ist es so, dass Kulturakteure bei ihren Planungen vor allem auf eines stoßen: Unsicherheit. „Es wäre gut gewesen, wenn es schon sehr früh ein Treffen mit Fachleuten gegeben hätte, auf dem uns übersetzt wird, was die Veränderungen für uns bedeuten“, erklärt Gesine. Die Kommunikation mit dem Bauamt sei zwar gut gewesen und die Haltung dort durchaus konstruktiv, „Die wollen auch keine Verhinderer sein“, ist sich Gesine sicher. Das volle Ausmaß der rechtlichen Anforderungen habe die Freizeitlärm-Gruppe aber trotzdem kaum erfassen können. Gesine hat deswegen einen Vorschlag: „Es bräuchte eigentlich Dolmetscher:innen, dieLaien dabei helfen, die rechtlichen Rahmenbedingungen richtig zu verstehen.“ Ansonsten brauche es mindestens einen Halbtagsjob, um alle baurechtlichen Fragen klären zu können; mit einem Ehrenamt ist das indes kaum vereinbar. Solange es solche Dolmetscher:innen noch nicht gibt, lautet ihr Rat deshalb: So früh wie möglich in den persönlichen Austausch mit den Expertinnen vom Fachdienst Bauordnung gehen. Zurück in die Zukunft In dieser Geschichte gibt es eine bittere Ironie: Während die Stimmung im Freizeitlärm-Lager im März immer schlechter wurde und die Absage innerlich bereits beschlossen war, besserte das zuständige Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bau und Digitales nach und versetzte die Kommunen in die Lage, wieder flexibler sein zu können. Dem EAE nutzte das zu diesem Zeitpunkt nichts mehr, andere Veranstaltungen konnten bzw. können davon aber noch profitieren. Unabhängig davon zeigt dieses Beispiel, in welch unsicheren Gefilden sich Teile der Kulturszene nach wie vor befinden. Selbst große Erfolge sind kein Garant für einen Fortbestand eines Formats. Zwar könnte man argumentieren, dass die Corona-Förderprogramme Sonderfälle waren und Veranstaltungen nun eben auf eigenen Füßen stehen müssten. Dann sollten aber nicht zeitgleich weitere Verschärfungen hinzukommen, wie nun durch die Veränderungen in der Versammlungsstättenverordnung und der Bauordnung. So musste das EAE trotz immenser Nachfrage im Vorjahr und trotz des hohen Engagements der Beteiligten in diesem Jahr die Notbremse ziehen und gezwungenermaßen eine Pause einlegen. Wie die Situation im kommenden Winter aussieht, wenn der Verein die Planungen für das Jahr 2024 aufnehmen müsste? Das kann derzeit niemand sagen. Zu hoffen ist jedoch, dass der Freizeitlärm e.V. zusammen mit seinen Partner:innen, Sponsor:innen und der Stadt Oldenburg eine langfristige Lösung findet. Dann heißt es dieses Jahr hoffentlich nur einmal und nie wieder: Kein außergewöhnliches Ereignis.











