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- OPEN CALL: RE:CLAIM
The Hidden Art Project hat große Pläne und ihr könnt Teil dieser werden! Alle Kunst-, und Kulturschaffenden, Kreative oder Menschen, die sich für die Umsetzung von Projekten begeistern haben noch bis diesen Sonntag, den 29. Mai, die Chance Teil des re:claim Kulturfestivals vom 17. bis 26. Juni in der Innenstadt Oldenburgs zu werden, daran mitzuwirken und dabei die Stadt neu für sich zu beanspruchen. Wer den Kulturschnack aufmerksam verfolgt, der weiß bereits, dass sich das Team des Hidden Art Projects den ganz großen Themen verschreibt. So war die letzte Ausstellung, Traced by Plastic, als eine Mischung aus interaktiver Kunstinstallation und empirischer Sozialforschung, bereits Thema bei uns und führte auf einprägsame Art und Weise vor Augen wie sehr wir doch von Plastik umgeben sind. Zurückerobern Nun steht das nächste große Projekt vor der Tür: das re:claim Kulturfestival. Und auch hier setzt man bereits beim Motto Partizipieren, zurückerobern und revitalisieren ein eindeutiges Statement für den eigenen Anspruch an das Ganze. Aber was genau soll denn zurückerobert werden? Nicht weniger als die Innenstadt als ursprüngliches Zentrum städtischen Lebens und dabei ein Zeichen für Demokratie Meinungsvielfalt und Freiheit in Zeiten von Krieg zu setzen, Minoritäten sichtbar zu machen und das eigene Leben wiederzuentdecken, das unter mehreren Jahren Pandemie begraben war. Deine Chance Doch wie stelllt man das an? Inmitten der Oldenburger Innenstadt soll auf rund 1500qm² Kunst in absolut jeder Ausdrucksform ihren Platz finden. Und diesen Platz könnt ihr füllen! Denn The Hidden Art Project ruft mit seinem Open Call zur Partizipation am Projekt auf! Also am besten direkt die Bewerbung fertig machen und losschicken. Wir haben euch hier nochmal kurz die 4 einzelnen Kategorien, an denen ihr euch beteiligen könnt, zusammengestellt. Die ausführlichen Informationen und Formulare für die Bewerbung findet ihr dann jeweils immer über den angegebenen Link auf den Seiten des Hidden Art Projects.
- ZAHLTAG: ARTOTHEK
Was bekommt man heute noch für 20 Euro? Bei den aktuell immer weiter steigenden Preisen für so gut wie alle Bereiche, wird die Auswahl leider zusehends kleiner. Doch wir hätten da einen Vorschlag! In der Artothek Oldenburg könnt ihr hierfür ein ganzes Jahr lang zeitgenössische Kunst ausleihen und dabei aus einer riesigen Auswahl an Werken schöpfen. Kaum zu glauben, oder? Ist aber wirklich so. Artotheken sind deshalb eine tolle Alternative und Möglichkeit für alle Menschen, die sich für Kunst begeistern und interessieren, doch diese nicht zwangsläufig selbst käuflich erwerben möchten oder auch können. Denn tolle Kunst hat schließlich auch, völlig zu Recht, ihren Preis. Die Artothek hier in Oldenburg wurde 1982 ins Leben gerufen, richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und fördert auch durch den Ankauf, die Präsentation und den Verleih schwerpunktmäßig regionale Künstlerinnen und Künstler. Eine Leihkarte können alle abschließen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Die bereits bestehende Sammlung kann sich dabei wirklich sehen lassen, da zum Sammlungsbestand inzwischen über 2000 Werke gehören und die Sammlung wächst durch regelmäßigen Neuankauf sogar weiterhin. ARTOTHEK OLDENBURG PETERSTRAßE 1 26121 OLDENBURG ÖFFNUNGSZEITEN: MONTAG & DONNERSTAG 15:00 - 19:00 UHR Neben der reinen Kunstausleihe, die es einem ermöglicht auch in den eigenen vier Wänden in den Genuss toller Kunstobjekte zu kommen, ist die Artothek aber ebenso Bildungseinrichtung und bietet immer wieder unterschiedliche Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Denn Kunst ist schließlich nicht nur dekorativ, sondern auch inspirierend! Sich mit den Werken wirklich beschäftigen und auseinandersetzen zu können, das erfordert auch Ruhe. Und wo könnte man diese besser finden als in seinem eigenen zu Hause. Aber auch in ihren eigenen Räumlichkeiten innerhalb des alten Palazzogebäudes an der Peterstraße 1 ist die Artothek ein Ort zum Anfassen, an dem jede Form der falschen Scham fehl am Platze ist. Die Skulpturen dürfen angefasst, in die Hand genommen und genau betrachtet werden und auch in den Bilderstapeln darf frei geblättert werden. Und es wird sogar noch besser: für Auszubildende, Studierende, Arbeitslose, Sozialhilfebezieher, Wehr- und Zivildienstleistende gilt sogar noch ein ermäßigter Betrag von 10 Euro pro Jahr. Also, wenn hier nicht das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, dann wissen wir es auch nicht.
- IRIS WOLFF: EIN LANDGANG
Welchen Einfluss eine Reise auf die Entstehung eines literarischen Werkes haben kann? Das könnt ihr diesen Sonntag um 11 Uhr im Kulturzentrum PFL erfahren, wenn die Autorin Iris Wolff ihren neuen Text „Ankündigung einer Reise“ präsentiert, der im Zuge des Landgang-Reisestipendiums des Literaturhauses Oldenburg entstand. Spuren der Vergangenheit Mit W.G. Sebald, dem „großen Reisenden der Literatur“, teilt Iris Wolff die Überzeugung, dass es „neben der linearen Abfolge der Ereignisse“ eine „vertikale Perspektive in die Tiefe der Zeit“ gebe. Bei einem Besuch im Museumsdorf Cloppenburg erinnert sich die Schriftstellerin an ihre eigene Kindheit im Banat. Bilder in einer Veröffentlichung zu griechischen Migranten lassen sie in Delmenhorst an die Fotoalben ihrer Familie denken. Und die falsche Aussprache des Stadtnamens Jever, die sie vor Ort als Nichteinheimische verrät, lässt die Autorin generelle Gedanken über Zugehörigkeit und Fremdsein anstellen, die ebenfalls in Erfahrungen ihrer Familie grundiert sind. So führt die Reise durchs Oldenburger Land die Gedanken der Schriftstellerin in den persönlichsten Passagen ihres Textes in die eigene Vergangenheit zurück. Generelle Überlegungen zum Reisen verbindet sie zudem mit konkreten Erfahrungen der Tour, die sie als Stipendiatin unternahm. Das Oldenburger Land als Quelle der Inspiration Das Landgang-Stipendium wird seit 2015 jährlich an hochkarätige deutschsprachige Schriftsteller vergeben. Deshalb liest sich Liste der bisherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten auch wie ein waschechtes Who-is-Who: unter anderem fiel die Wahl bereits auf Judith Hermann, Mirko Bonné, Jan Brandt und natürlich auf Iris Wolff. Die Begrifflichkeit des Landgangs ist hierbei wirklich wörtlich zu verstehen: wie vom Literaturhaus selbst beschrieben, bereisen die Ausgewählten jedes Jahr im Herbst das Oldenburger Land im Nordwesten Niedersachsens. Sie treffen dabei auf Stadtlandschaften verschiedensten Charakters, auf Kultur- und Agrarlandschaften und auf sehr viel Natur. Sie sehen sich um, sie lassen sich ein auf die ganz oben links an der Peripherie gelegene Region zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen, zwischen der Weser und Ostfriesland. Ihre Beobachtungen lassen sie dann jeweils in einen Text einfließen. Fünf eben dieser Texte fanden inzwischen sogar unter dem Titel 5 Landgänge als Sammelband im Wallstein Verlag eine Veröffentlichung. IRIS WOLFF - ANKÜNDIGUNG EINER REISE SONNTAG, 22. MAI 2022 - 11 UHR KULTURZENTRUM PFL PETERSTRAßE 3 26121 OLDENBURG Weiter geht's im Podcast Wer übrigens noch mehr über die Arbeit des Literaturhauses erfahren möchte, dem können wir unsere Podcast Episode mit Monika Eden und Sina Lührs wärmstens empfehlen. Neben der Entstehungsgeschichte, sprechen wir unter anderem über die vielfältigen Veranstaltungsreihen, die durch die zumeist moderierten Gespräche fernab bloßer Lesungen, eigenständige Erlebnisse werden, die jeder Besucherin und jedem Besucher einen individuellen Zugang zum vorgestellten Buch ermöglichen. Wie die beiden dabei auch immer wieder das junge Publikum in den Blick nehmen und abholen möchten, ist ebenso Thema wie die Bedeutung von Literatur auf die Entwicklung unseres gesellschaftlichen Lebens.
- EVERYDAY HUSTLE
Ihr kennt das: Im Alltag gibt es nicht immer nur die coolen Jobs und die großen Projekte. Es gibt da auch ganz viel Kleinkram, den niemand sieht, der aber trotzdem getan werden muss und manchmal richtig viel Zeit kostet. Das ist beim Kulturschnack nicht anders. Und bei uns geht das schon los, wenn man einfach nur was fragen will. Wir könnten eine sehr lange Geschichte erzählen, wie es dazu kam, dass Kevin in einem Kämmerlein im PFL sitzt und Thorsten an einem Flex Desk im Core. Warum schon zig andere Optionen durchgesprochen wurden, aber bisher keine funktionierte. Doch das ersparen wir euch - wichtig ist nur, dass es so ist. Denn das bedeutet: kein gemeinsames Büro, keine Schreibtische gegenüber, kein kurzes Zurufen, kein schnelles Abschnacken. Die Folge: Dutzende Mails, Shared Docs, schnelle Telefonate. Am besten ist aber was anderes: eben mal rüberlaufen, vom Core ins PFL oder umgekehrt. Dauer: ungefähr sieben Minuten pro Richtung. Das ist natürlich eine krasse, völlig ineffiziente Zeitverschwendung. Aber wir haben festgestellt: man sollte sich das gönnen. Denn die Post-Covid-Lehre schlechthin ist ja: Analog ist besser. Nur dann gibt es Vibes, Atmo, Feeling. Außerdem trifft man draußen selbst auf dem kurzen Weg von der Heiligengeist- zur Peterstraße immer wieder spannende Leute. Schöne Grüße an Sven und Hauke vom Hidden Art Project, die wir zuletzt zu jeder möglichen Tageszeit getroffen haben. Kein Wunder: Mitte Juni kredenzen sie uns ja ein Großprojekt. Stay tuned. Unser Traum bleibt zwar ein gemeinsames Büro, Schreibtische gegenüber, kurzes Zurufen, schnelles Abschnacken. Bis es soweit ist, findern wir die aktuelle Situation aber auch ganz nice. Erstens ist das Core ein sehr inspirierendes Kontrastprogramm zum Kulturcampus rund ums PFL. Und zweitens muss man einfach nur das Beste aus allem machen. In diesem Fall: sich ab und zu sieben Minuten Zeit nehmen, anstatt sieben Mails hin und her zu schicken. Klar ist so etwas Kleinkram, den niemand sieht, der aber trotzdem getan werden muss und manchmal richtig viel Zeit kostet. Der Everday Hustle eben. Aber: für euch immer gerne!
- ZEITLOS ZEITGEMÄß
Alle zwei Jahre verleiht die Stadt Oldenburg den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik. Nie davon gehört? Dann wird es Zeit. Er gehört nämlich zu den bekanntesten und relevantesten Preisen in diesem Bereich und besitzt hohe internationale Bedeutung. Hier erfahrt ihr alles Wichtige: Was es mit dem Preis auf sich hat, welche besondere Bedeutung er gerade in diesen Zeiten besitzt und natürlich auch, wer ihn in diesem Jahr bekommt. Spoiler: Es ist ein waschechter Superstar. Jetzt, immer und überall Ihr fragt euch vielleicht: Kann dieser Preis wirklich so wichtig sein, wenn er nicht auf sämtlichen Titelseiten der Nation auftaucht? Berechtigter Einwand. Aber: Bekanntheit und Bedeutung standen noch nie einem zwingenden Zusammenhang, sonst würde niemand die Kardashians kennen. Außerdem genießt der Preis in Fachkreisen höchste Wertschätzung. Woran es aber tatsächlich noch hakt: Möglichst vielen Menschen plausibel zu machen, warum der Preis kein Nischenthema ist, sondern uns alle betrifft und für uns alle spannend und lehrreich sein kann. Um ihn etwas besser zu verstehen, muss man eigentlich nur auf den Untertitel schauen: „Zeitgeschichte und Politik“ passieren jetzt, immer und überall. Sie bestimmen unser tägliches Leben, definieren unsere Möglichkeiten und setzen uns Grenzen. Diese beiden Begriffe verdichten all das, was um uns herum passiert, zu Themen und Ereignissen mit historischer Bedeutung. Das heißt also: Zeitgeschichte und Politik haben einen hohen Aktualitätsbezug und eine enorme Bedeutung für unser Leben. Anders ausgedrückt: Was wir heute als epochale Momente kennen, war zum Zeitpunkt des Geschehens: Zeitgeschichte und Politik. Nie wieder Krieg! Der Preis wird seit 1984 von der Stadt Oldenburg verliehen. Erinnern wir uns kurz zurück an die damalige Zeit: Wir befanden uns inmitten des Kalten Krieges zwischen West und Ost mit dem Brennglas Deutschland, wo beide Systeme eine Grenze teilten. Nach vier flüchtigen Jahrzehnten des Friedens in Europa schien vieles wieder auf dem Spiel zu stehen. Zudem gab es in den Jahren zuvor eine langwierige - auch international beachtete - Auseinandersetzung um die Namensgebung der Oldenburger Universität. Diese Zeit war der ideale Moment, um die pazifistischen Ideale Carl von Ossietzkys wieder aufzunehmen. Er, der im KZ Esterwegen vor den Toren Oldenburgs inhaftiert war, forderte schon sechzig Jahre zuvor "Nie wieder Krieg!". Oldenburg nahm sich zum Ziel, diejenigen Menschen auszuzeichnen, die sich im Geiste Ossietzkys genau dafür engagierten - und die dabei vor allem die Verständigung zwischen West und Ost im Blick hatten. „Geschichte wiederholt sich nicht“, sagen manche. „Tut sie doch, wenn man nicht daraus lernt“, kontern andere. Und sie scheinen in diesem Fall recht zu haben, denn die Konstellation aus dem Jahr 1984 kommt uns heute, weitere vier Jahrzehnte später, seltsam bekannt vor. Fronten zwischen Ost und West, Kriegsgefahr in Zentraleuropa und der große Bedarf an Verständigung zwischen beiden Seiten - das ist heute fast so brennend aktuell wie damals. Der Carl-von-Ossietzky-Preis hat also weiterhin genau die richtige, wichtige Zielrichtung. Denn er hält Erinnerungen wach, vertritt Werte und Ideale und wirkt positiv in die Zukunft - genau wie seine Preisträger:innen auch. Vorhang auf für den neuen Preisträger Der Carl-von-Ossietzky-Preis hatte bisher schon einige bekannte Preisträger:innen. Noam Chomsky war zum Zeitpunkt der Verleihung im Jahr 2004 einer der bekanntesten libertäre Visionäre der Welt. Ahmad Mansour gehörte bei der Verleihung 2016 zu den bekanntesten und kenntnisreichsten Kommentatoren der damaligen Islamismus-Debatte. Doch der diesjährige Preisträger schlägt in Sachen Bekanntheit wohl alle bisherigen Dimensionen. Es handelt sich um niemand geringen als den weltberühmten Pianisten Igor Levit. Er wird aber nicht etwa für sein virtuoses Spiel ausgezeichnet - sondern für das, was er sagt und tut, wenn er nicht am Flügel sitzt. Als bekennender Europäer und international gefeierter Pianist engagiert sich der gebürtige Russe Igor Levit in vielfältiger Weise für den Klimaschutz und für die uneingeschränkte Achtung der Menschenwürde. „Ganz im Sinne Carl von Ossietzkys spürt und analysiert Levit nicht nur die Brüche der Gesellschaft, in der er lebt, sondern er positioniert sich konsequent gegen Rassismus, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und die Verrohung der Sprache“, schreibt die Jury in ihrer Begründung. Mit seiner Stimme als Musiker und als politisch denkender, sprechender und handelnder Mensch erreiche Igor Levit Menschen verschiedener Generationen und sensibilisiere für die Dringlichkeit mutigen zivilgesellschaftlichen Engagements. „Die Zeit, in der man passiv sein konnte, ist vorbei!“ Mit diesen klaren Worten begründet Levit seine Haltung. Für ihn ist gesellschaftspolitisches Engagement eine staatsbürgerliche Pflicht, wenn wissenschaftliche Fakten geleugnet, Menschen ausgegrenzt, demokratische Prinzipien gefährdet und Menschenrechte verletzt werden. So haben unter anderem die Griechenland-Krise 2008, der Syrien-Krieg und die Flüchtlingsströme 2015, das weltweite Erstarken von Rechtspopulismus, Extremismus und Antisemitismus sowie der Klimawandel wesentlich zu seinem politischen Engagement beigetragen. Gegenüber der „Zeit“ sagte er einmal: „Ich will nicht nur der Mann sein, der die Tasten drückt“ Dieses Vorhaben setzt er in die Tat um. Dabei nimmt er in Kauf, offen kritisiert oder gar angefeindet zu werden. Sein positives Sendungsbewusstsein, sein Bedürfnis für seine Vorstellungen einzutreten und andere von ihnen zu überzeugen - das zeichnet Levit aus und das eint ihn auch mit dem Namensgeber des Carl-von-Ossietzky-Preises. Pianist und Politaktivist Levit positioniert sich nicht nur in unzähligen politischen Statements in den sozialen Medien, sondern auch mit musikalischen Open-Air-Auftritten gegen rechts wie 2020 in Potsdam und 2021 in Jamel bei Wismar. Musikalische Aktionen am Klavier für mehr Klimaschutz führten ihn unter anderem 2019 im Rahmen eines Klimastreiks in die Oldenburger Fußgängerzone und 2020 im Zuge der Baumrodungen für die A 49 in den Dannenröder Forst. Anlässlich des aktuellen Kriegsgeschehens bezieht Levit Stellung, indem er seine Solidarität mit der Ukraine zum Ausdruck bringt. Ein Twitter-Hauskonzert mit russischen und ukrainischen Künstlern sowie ein Benefizabend im Berliner Ensemble zugunsten des Aktionsbündnisses Katastrophenhilfe wurden von ihm spontan initiiert. Der Carl-von-Ossietzky-Preis mag nicht jedem geläufig sein. Die Bedeutung seiner inhaltlichen Ausrichtung aber - insbesondere im Kontext zum aktuellen Tagesgeschehen - macht ihn aber unabhängig von seiner Bekanntheit zu einem Glanzlicht der Auszeichnungslandschaft. Der Preis hat im Laufe der Zeit nichts von seiner Aktualität eingebüßt, sondern beweist sich vielmehr als zeitlose zeitgemäße Würdigung bedeutender gesellschaftlicher Positionierungen im Geiste Ossietzkys. Danke, Igor Levit, für Ihren Beitrag dazu. FREITAG, 9. DEZEMBER 2022 VERLEIHUNG DES CARL-VON-OSSIETZKY-PREISES FÜR ZEITGESCHICHTE UND POLITIK AN IGOR LEVIT KULTURZENTRUM PFL
- ERKENNTNISSE AUS DEM KULTURAUSSCHUSS
Nachdem ihr bereits Montag in unserer Ankündigung vorab erfahren konntet, was es mit dem Kulturausschuss auf sich hat und was dieses Mal auf der Tagesordnung Platz fand, war es gestern dann soweit: Kevin hat sich das Ganze für euch live angeschaut und lässt euch heute an seinen persönlichen Eindrücken teilhaben. 01: Einwohnerfragestunde nutzen! Auch wenn an diesem Tag die Besucherinnen und Besucher keine Fragen stellen, bleibt ganz klar festzuhalten: Die Möglichkeit, in den ersten Minuten einer Ausschusssitzung eben genau das tun zu können bei Bedarf ist Demokratie at it's best. Wem also eine Frage auf dem Herzen liegt zu unserer Stadt, der findet in den jeweils thematisch passenden Ausschusssitzungen, die entsprechende Möglichkeit eben diese Frage zu stellen. Zur Auflistung und den Terminen der einzelnen Ausschüsse findet ihr hier weitere Informationen: Ausschüsse des Rates > Stadt Oldenburg 02: Nachhaltigkeit muss ganzheitlich gedacht werden! Natürlich beschäftigt uns alle das Thema der Nachhaltigkeit, gerade unter dem Gesichtspunkt des fortscheitenden Klimawandels. So auch die Stadt Oldenburg selbst, da sich unzählige - eigentlich alle - Bereiche einer Stadtverwaltung mit den Fragen, die hierbei entstehen, konfrontiert sehen. Umso erfreulicher, dass aktuell in den Ausschüssen das neue Nachhaltigkeitsleitbild präsentiert wird. Denn anstatt, dass alle einzelnen Bereiche für sich arbeiten, wurde hier für die gesamte Stadtverwaltung ein umfassendes Bild geschaffen, an dessen Umsetzung die einzelnen Bereiche nun gemeinsam arbeiten können. Hier wird also an einem gemeinsamen Strang gezogen, damit sich Kräfte bündeln und der nötige Wandel so effizient wie nur möglich stattfindet! Dass dieses ganzheitliche Denken absolut notwendig ist, wird schnell auch anhand der Rückfragen klar, denn beispielsweise die energetische Sanierung einer kulturellen Spielstätte betrifft direkt mehrere Fachbereiche. 03: Die Kulturförderung erneuert sich! Einige der Punkte auf der Tagesordnung betreffen an diesem Abend auch die Kulturförderung. So wird es auch in diesem Jahr wieder eine Strukturbrücke als Fördermaßnahme geben, bei der auch weiterhin das Motto ganz klar ist: so unbürokratisch wie nur irgendwie möglich die Nachbeben der Coronakrise für die Kulturszene unserer Stadt abzufedern und unkompliziert Hilfe zur Verfügung zu stellen. Abseits der Strukturbrücke als Sondermaßnahme, wurde jedoch auch auf organisatorischer Ebene die Antragsstellung für Förderungen erneuert und findet nun rein digital statt. Das vereinheitlicht und kanalisiert nicht nur das Verfahren für die Verwaltung, sondern soll ebenso den Prozess auch für die Kulturschaffenden übersichtlicher und einfacher gestalten. Alle Infos dazu findet ihr hier: Kulturförderung > Stadt Oldenburg Neben klassischer Projektförderung, gibt es jedoch auch die sogenannte institutionelle Förderung. Dabei handelt es sich, einfach ausgedrückt, um eine anhaltende, vertraglich zugesicherte Fördersumme für Kultureinrichtungen. Auch diese soll in den kommenden Monaten, im engen Austausch mit Politik und Kultur neu aufgestellt werden, um klarere Richtlinien erarbeiten, die zur Stärkung der Transparenz, wann und warum etwas gefördert wird, beitragen. 04: Wird die Kultur gebraucht, ist sie da und hilft wo sie kann! Der Ukrainekrieg hinterlässt uns alle fassungslos, im Angesicht der Schicksale und des Leids, das die Menschen aktuell dort erfahren müssen. Wie wir euch bereits in einem unserer Artikel berichten konnten, leistet jedoch unter anderem auch die Kulturlandschaft unserer Stadt aktuell Hilfe wo immer sie nur irgendwie kann. Das Ausmaß und die unterschiedlichen Facetten all' dieser Hilfeleistungen wurde in dieser Sitzung nochmals geschildert, was einen wirklich überwältigt und freut. Natürlich helfen Spendengelder hierbei riesig, doch es sind auch die kleinen Geschichten drumherum, die einen hierbei berühren. Um nur eine von vielen tollen Geschichten zu benennen, stellte der Verein Jugendkulturarbeit e.V. nicht nur sofort seine Räumlichkeiten für Geflüchtete zur Verfügung, sondern über den engen Kontakt und das gemeinsame Miteinander fand man auch schnell auf künstlerischer Ebene zueinander und arbeitete gemeinsam an kulturellen Projekten. 05: Der Carl-von-Ossietzky-Preis 2022 wird eine richtig große Sache! Zum Abschluss und als letzte Erkenntnis bleibt nur "WOW" zu schreiben. Denn in dieser Sitzung wurde der Preisträger des diesjährigen Carl-von-Ossietzky-Preises 2022, der diesmal am 9. Dezember verliehen wird, bekanntgegeben und der hat es wirklich in sich! Keinem geringeren als Pianist & Aktivist Igor Levit wird in diesem Jahr die Ehre des Preises zu Teil, der Menschen verliehen wird, die sich ganz im Sinne Ossietzkys für Demokratie stark machen und ihre Werte verteidigen! Uns erwartet also zum Ende diesen Jahres ein waschechtes Highlight. Mehr dazu werdet ihr selbstverständlich auch hier bei uns auf dem Kulturschnack erfahren!
- PODCAST: FOLGE 06
Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, draußen blüht es. Es liegt förmlich in der Luft: der Kultursommer der Oldenburger Kulturetage steht vor der Tür! Bettina Stiller war hierzu bei uns zu Gast und hat uns bereits exklusiv vorab einen Einblick in das Programm gegeben, auf das wir uns dieses Jahr alle freuen dürfen. Auch verrät sie uns ihre ganz persönlichen Highlights. Darüber hinaus konnten wir auch über die Kulturetage selbst sprechen, darüber wie sie ihre Arbeit versteht, wie die einzelnen Bereiche bespielt werden und ob & wie sie versucht, sich selbst dabei immer wieder neu zu erfinden. Dabei kommen auch Projekte zur Sprache, die explizit gesellschaftsrelevante Thematiken aufgreifen und sich mit unserer Geschichte und unserem historischen Erbe auseinandersetzen. Welche Rolle dabei der Ortsteil Bookholzberg der Gemeinde Ganderkesee spielt, das erfahrt ihr in dieser Folge! Es lohnt sich. Wir wünschen viel Spaß beim Hören! Alle weiteren Informationen und Details zum Kultursommer findet ihr ab Kalenderwoche 21 unter: www.kultursommer-oldenburg.de
- SITZUNG AM 17.05.2022
Keine Frage: Die Kultur ist frei. Trotzdem haben Politik und Verwaltung einigen Einfluss. Sie diskutieren und formulieren kulturpolitische Ziele, entscheiden über Projektzuschüsse, institutionelle Förderung oder Strukturbrücken und setzen auch eigene inhaltliche Akzente, z.B. über die Begegnungen-Reihe, den Carl-von-Ossietzky-Preis oder den Kulturschnack. Deswegen gilt für den Kulturausschuss: nicht verpassen! Es ist ein wiederkehrendes Ritual: Am dritten Dienstag im Monat kommt der Kulturausschuss zusammen, um sich mit aktuellen Entwicklungen und Entscheidungen im Kultursektor zu beschäftigen. Was auf dem Papier zunächst nicht unbedingt hochgradig spannend klingt, hat es aber häufig in sich. Denn letztlich hat alles, was hier besprochen wird, einen Einfluss auf unsere Kulturlandschaft. Sowohl auf die Akteur:innen als auch auf die Konsumenten:innen. SITZUNG DES KULTURAUSSCHUSSES DIENSTAG, 17. MAI 2022, 17 UHR KULTURZENTRUM PFL PETERSTRASSE 1 26135 OLDENBURG WAS IST DRAN? Die ersten drei Tagesordnungspunkte sind mehr oder weniger Formalien, sie werden meiste in wenigen Sekunden abgehakt. Die Einwohnerstunde kann spannend sein, weil sie der Bevölkerung die Gelegenheit bietet, eigene Impulse in die Kulturentwicklung einzubringen. Im Anschluss geht's in die Themen - und die sind dieses Mal alles andere als klein. Wer an dieser Stelle immer noch nicht genug hat und noch tiefer in die Welt des Kulturausschusses eintauchen möchte, hat dazu Gelegenheit im städtischen Ratsinformationssystem. Er erscheint zunächst etwas unübersichtlich, erweist sich nach etwas Ausprobieren aber als hilfreiches Tool, um den Überblick über die politischen Prozesse in Oldenburg zu bewahren. Und das ist ja nicht das Unwichtigste, was man mit seiner Zeit anfangen kann.
- MUSEUMSREIF!
Erste Assoziationen bei diesem Titel: betagt, altmodisch, out of date. Man kann ihn aber auch ganz anders lesen. Denn was ins Museum kommt, ist vielleicht alt. Aber es ist ganz sicher etwas anderes: spannend, außergewöhnlich, relevant. Glaubt ihr nicht? Es ist aber so. Und das kann man zu keinem anderen Zeitpunkt besser nachprüfen als zum Internationalen Museumstag - dieses Jahr am 15. Mai! Kurze Rückblende: Erinnert ihr euch an euren letzten Museumsbesuch? An den Moment, als ihr vor dem Gebäude standet? Vielleicht war es das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, sprich: das Schloss, vielleicht war es auch der Oldenburger Kunstverein. Welches auch immer es war: Es hatte eine gewisse Aura, oder? Etwas, das man bei den meisten anderen Gebäuden nicht sieht oder spürt. Entweder altehrwürdig und erhaben - oder hochmodern, puristisch, aufs Wesentliche konzentriert. Es scheint eine ungeschriebene Regel zu geben: Museen befinden sich entweder in prächtigen Altbauten mit großem Eingangsbereich, vielleicht sogar einigen Säulen oder Skulpturen entlang der Treppenstufen. Oder Museen befinden sich in architektonisch spektakulären Gebäuden, die mit klaren Linien einen kontrastierenden Rahmen für die Kunstwerke bieten. In jedem Fall sind diese Orte nicht: alltäglich und austauschbar. Orte der Erinnerungen Warum? Ganz einfach: Weil die Museen selbst nicht alltäglich und austauschbar sind. Sie sind nicht etwa Abstellkammern für olles Zeug, sie sind nicht hoffnungslos veraltet und unmodern. Selbst auf das simpelste Museum der Welt träfe all das nicht zu. Denn: Sie bewahren die Erinnerungen unserer Gesellschaft. Und mit ihnen ist es genauso wie mit unseren eigenen: sie sind prägend, lehrreich, oft sogar bedeutend. Es ist wichtig, dass wir sie haben. Aber: wenn wir andere daran teilhaben lassen wollen, kommt es darauf, wie man davon erzählt. Wie bei jeder guten Geschichte zählen Blickwinkel, Storyline und Spannungsbögen. Stimmt alles, dann haben wir etwas davon. Bei uns selbst - und im Museum. Der Internationale Museumstag lädt uns alle dazu ein, diese These selbst nachzuprüfen. Denn geben wir zu: Im Alltag gibt es kleinere Hemmschwellen, die verhindern, dass wir den eingangs erwähnten Moment vor dem Museum häufig erleben. Da ist zum einen der Preis, auch wenn er bei den Oldenburger Häusern insgesamt als sehr moderat einzustufen ist. Die großen Kunsthäuser in den Metropolen rufen jedenfalls andere Tarife auf. Zum anderen fehlt häufig der konkrete Anlass. Also der Zeitpunkt, an dem man zu sich sagt: Jetzt aber! Endlich ein Anlass Der Museumstag löst beide Probleme. Zum einen bieten die Oldenburger Häuser allesamt freien Eintritt. Das heißt also: Man kann völlig kostenfrei auf Entdeckungsreise gehen. Und weil eben alle dieses Angebot haben, ist auch ein Anlass da: Man sollte diese Gelegenheit einfach nutzen. Denn wie gesagt bedeutet sie nicht etwa, in altem Krempel nach Brauchbarem zu suchen. Sie bedeutet etwas ganz anderes: nämlich Eintauchen in andere Zeiten, Themen, Kontexte. Das Schöne entdecken in Dingen und Informationen, für die man sich im Alltag kaum Zeit nimmt. Dazulernen durch sinnliche Erfahrung statt Online-Schulung oder Frontalunterricht. Auf alle Besucher:innen wartet eine inspirierende, lehrreiche Erfahrung - und das ohne große Kosten und Mühen. Ohne Mühen? Ja, richtig. Denn wir fassen hier zusammen, welche Museen am Internationalen Museumstag teilnehmen, ob es spezielle Angebote gibt und haben sogar einen Routenvorschlag für euch. Das klingt gut? Na, dann los.
- GRATIS COMIC TAG 2022
Ja, ihr lest richtig! Die Stadtbibliothek Oldenburg spendiert euch diesen Samstag nicht nur Comics zur Lektüre, sondern noch einiges mehr und bietet dabei ein buntes Rahmenprogramm für die kleinen aber auch die großen Besucherinnen und Besucher. Man merkt Hannes Meiners und Regina Peters von der Stadtbibliothek an, dass sie sich freuen, denn mit dem Gratis Comic Tag steht die erste große Veranstaltung in diesem Jahr an: „Bereits in den vergangenen Jahren sorgten die Gratis-Comic-Tage für Furore. In diesem Jahr wollen wir zudem auf das spannende KIBUM-Motto vom 12. bis 22. November 2022 einstimmen." Dabei könnte die Veranstaltung am Samstag kaum ein besserer Teaser sein, um auf das was die Besucherinnen und Besucher Ende diesen Jahres bei der KIBUM erwartet schon jetzt einzustimmen, denn in diesem Jahr wird diese ganz unter dem Motto „Mehr als krach & bumm! KIBUM, Comics und Graphic Novels.“ stehen. GRATIS COMIC TAG 2022 SAMSTAG, 14. MAI 2022 - AB 11 UHR PFL KULTURZENTRUM PETERSTRASSE 3 26121 OLDENBURG Comics, Comics, Comics ... Wer sich fragt, wieviele Comics es denn genau geben wird, dem sei schon vorab versichert: es sind VIELE! Sehr viele. Denn wie immer hält die Stadtbibliothek speziell für diesen Tag gedruckte, limitierte Comics für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Mitnehmen bereit – darunter Titel wie „90 Jahre Goofy“, „Fantasy Entenhausen“, „Nika, Lotte, Mangold“, „Batman“, „Doctor Strange“ oder „Star Wars“. Wer sich also nur im Entferntesten für das Universum der Comics interessiert, wird ganz sicher für jeden Geschmack das passende Heft finden. Das Rahmenprogramm Doch auch abseits der bloßen Comics gibt es an diesem Tag einiges zu Erleben mit einem Rahmenprogramm, das sich schon für Kinder ab 6 Jahren bestens eignet. So wird Comic-Künstler Thomas Wellmann von 11:30 bis 12:20 Uhr nicht nur aus seiner Kinder-Comic-Reihe „Nika, Lotte, Mangold“ (erschienen im Rotopol Verlag), rund um drei Freundinnen, die gemeinsam Abenteuer erleben, vorlesen, sondern darüber hinaus auch die Illustrationen seines Comics im Großformat präsentieren und zusätzlich live zeichnen. Wer würde schließlich nicht liebend gerne mal sehen, wie seine Lieblingscomics beziehungsweise die Comics seiner eigenen Jugend handwerklich entstanden sind? Hier bietet sich die Möglichkeit diese Fähigkeiten live erleben zu können. Denn Wellmann ist absoluter Experte seines Fachs. Der in Münster lebende Künstler und Autor zeichnet Illustrationen für die „ZEIT“ und arbeitet an internationalen Produktionen des Cartoon Network mit. Wellmann ist Dozent für Visual Storytelling an Designhochschulen in Düsseldorf und Münster und arbeitet als Storyboard-Designer für große US-Firmen. Und auch er teilt die Vorfreude und Begeisterung: „Wie schön, dass wir zum Gratis-Comic-Tag und dann im November zur KIBUM gemeinsam in Oldenburg Comics feiern wollen. Kinder-Comics eignen sich hervorragend für einen vergnüglichen Einstieg in Lesewelten.“ Wem das noch nicht reicht und nicht sowieso schon längst überzeugt ist: Von 11 bis 14 Uhr wird zusätzlich am selben Tag die Künstlerin Yingshu Shi kostenfreie Schnellportraits von allen Interessierten erstellen. Also: Samstag geht's auf zum PFL und abgetaucht in die Welt der Comics, denn es gibt schließlich viel zu sehen und zu lesen. Wir sagen: Viel Spaß!
- IMMER ERSTE REIHE
Wer die Oldenburger Kulturszene in den letzten beiden Jahren auch nur mit halber Aufmerksamkeit verfolgt hat, dürfte die LOGE nicht übersehen haben. In einer Phase, die sich vor allem durch ihre Unmöglichkeiten ausgezeichnet hat, wurde sie zu einem Aktivposten, der die jeweiligen Umstände reflektierte und thematisierte. Wie das Kollektiv entstand, was es bewegt und was wir in Zukunft von ihm erwarten können, hört ihr in unserem Podcast - oder lest ihr hier in vier epischen Kapiteln. Die LOGE, das sind Mathilda Kochan, Regisseurin am Oldenburgischen Staatstheater und Clara Kaiser, freischaffende Szenographin. Sie haben – wenn wir das Klischee einmal bemühen wollen – die Not zur Tugend gemacht. Die vielen Veränderungen durch die Pandemie verursachten bei ihnen zwar Frustration, aber eben auch Inspiration. Sie interpretierten die widrigen Umstände in erster Linie als Möglichkeit. Wir erwischen die beiden inmitten der Proben zur Wiederaufnahme von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, die momentan ihre gesamte Zeit in Anspruch nimmt. „Ich sitze schon ab halb neun morgens am Schreibtisch und bereite mich auf die Probe vor“, erzählt Mathilda. „Ich inszeniere die ganzen Szenen, das sind insgesamt sechzehn Stunden Musik“. Clara ist ebenfalls beteiligt, aber mit anderem Schwerpunkt: „Ich beschäftige mich mit vielen Dingen, die hinter den Kulissen passieren“, beschreibt sie ihren Part. „Bühnenbild, Kostümproben und so weiter. Bei einem so aufwändigen Projekt wie dem ‚Ring‘ gibt es unendlich viel zu besprechen und abzustimmen.“ Die Tagesabläufe werden bestimmt durch die Proben: Sie laufen von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 22 Uhr. Dazwischen: Planungen, Organisation, Schnacks. Trotz allem scheint es so, als seien die beiden mit diesen komplexen Jobs noch nicht ganz ausgelastet und müssten sich noch auf anderem Weg austoben. Schließlich haben sie vor zwei Jahren das Projekt „Die LOGE“ gestartet. Beim Staatstheater stehen Mathilda und Clara nicht selbst auf der Bühne, hier setzen sie eigene künstlerische Akzente und ihre eigenen Ideen um. Das tun sie mit großer Leidenschaft, viel Liebe zum Detail – und einer besonderen Spezialität, wie sie uns erzählt haben. KAPITEL 1: KILLING LONELINESS Mit dem Thema Corona wird allgemein nicht viel Gutes assoziiert, für die LOGE war die Pandemie aber dennoch der Erweckungsmoment: Sie ist aus einer spontanen Regung während des allerersten Lockdowns im Frühjahr 2020 entstanden. „Damals stand der ‚Ring‘ schon in den Startlöchern – und am Tag vor dem Probebeginn kam der Lockdown“, erinnert sich Clara zurück. „Wir hatten zu dem Zeitpunkt extrem viel Energie und die musste irgendwo hin.“ Auch Frust war dabei, weil plötzlich alles verboten schien. Die beiden waren aber überzeugt: Theater muss doch möglich sein. War es auch, wie sich herausstellen sollte. „Es gab damals eine große Diskussion in den Medien, ob es sich überhaupt noch zu spielen lohnt, wenn wegen Corona-Beschränkungen nur zwanzig Leute im Publikum sitzen“, erinnert sich Mathilda. Ja? Nein? Auch aus Protest überspitzten Clara und Mathilda ihre Antwort und entwarfen in der Kurwickstraße einen winzigen „Theatersaal“ für nur eine Person. „Daher kommt auch der Name: wir hatten einen einzigen roten Stuhl in den kleinen Zuschauerraum gestellt.“ Eine Bühne, drei Performances: Killing Loneliness. (Bilder: Felix Wenzel) Es entstand also ein Theater aus dem nichts. Das benötigte neben einem Raum auch ein Ensemble - und das mitten in einer Pandemie. Wie plant man das? Wie geht man da vor? „Es passierte eigentlich alles zeitgleich“, erinnert sich Clara. „Mathilda war schon in Gesprächen mit Michael Hagemeister, der damals mit Raum auf Zeit an den Start ging. Wir waren seine ersten Klienten.“ Gleichzeitig haben die beiden ihre vielen Kontakte am Theater genutzt: „Wir haben viel rumtelefoniert, mit Darsteller:innen aller Sparten, und haben gefragt: Wer hat Bock?“, schildert Mathilda das Verfahren. „Die Resonanz war großartig, weil alle in derselben Situation waren und ratlos zuhause saßen.“ Das Format war nicht nur für das Publikum spannend, sondern auch für die Beteiligten. Jeder Akteur konnte sich ein Programm zwischen drei und sieben Minuten überlegen. Darüber hinaus gab es nur eine große Regel: „Wir wollten sicher sein, dass es unter allen Umständen möglich ist, zu öffnen“, erklärt Clara die Prämisse. Daher war der „Saal“ von der Bühne durch eine Scheibe getrennt. Dass jemand vom Kulturschnack schon mal in einer Peepshow war, ist nur ein Gerücht. Aber wenn es so gewesen wäre, hätte man sich vielleicht daran erinnert gefühlt. Der Vorteil: es konnte keine Situation geben, in der dieses Format untersagt worden wäre. Alleinsein war immer erlaubt. Auch für die beteiligten Künstler:innen war die Loge eine intime Erfahrung. Zwar gab es besagte Scheibe, sie sahen jedoch durchaus das Augenpaar des Gastes - ohne zu wissen, zu wem es gehört. Ein Unterschied zu den ansonsten großen, bisweilen anonymen Mengen in den Theaterhäusern. Insgesamt lockte dieses Format über tausend Personen in den kleinen Raum in der Kurwickstraße. Was in diesem Fall nicht nur gleichbedeutend ist mit tausend Aufführungen, sondern auch mit tausend verschiedenen Stücken: „Nie war etwas gleich. Alles wurde immer variiert“, erklärt Mathilda. „Das heißt: Keine zwei Personen haben dasselbe Stück gesehen, es konnte keinen Austausch über das Gesehene geben, nur über die Erfahrung.“ Das war sozusagen die Steigerung bzw. Spitze der Vereinzelung: Das Erlebnis geschah nicht nur allein, es war auch einmalig. Auf klassische Werbung hat die LOGE übrigens verzichtet, die Menschen wurden direkt vor dem Saal angesprochen. Keine leichte Aufgabe in der „Konsummaschine Innenstadt“. Doch die Idee setzte sich durch, viele kamen sogar mehrmals, um verschiedene Künstler:innen zu sehen - oder auch mehrfach dieselben, aber mit anderen Performances. „Viele waren dankbar und in gewisser Weise sogar transformiert, weil sie nach der ersten Überwindung die Kultur in der City als große Bereicherung wahrgenommen haben“, beschreibt Mathilda die Reaktionen des Publikums. Was das angeht, hat Clara sogar einen Traum: „Ob ich in der Stadt ein T-Shirt kaufe oder eine Kulturveranstaltung besuche, das sollte die gleiche kleine Hemmschwelle und die gleiche Selbstverständlichkeit haben. Beides sollte gleich einfach, ohne größere Vorbereitung möglich sein.“ So war es zumindest bei „Killing Loneliness“: Man musste nichts wissen und nichts mitbringen, sondern sich einfach nur drei Minuten darauf einlassen, anstatt auf seinen üblichen Pfaden zu bleiben. „Eine reine Kopfsache“, weiß Clara. Bei der spontanen Begegnung mit Kultur sollte es okay sein, kein Vorwissen zu haben und eventuell auch kein Verständnis für die Materie. Die Begegnung allein sei schon wertvoll, egal wie die Meinung am Ende ausfällt. Und dafür ist die Innenstadt – also der öffentliche Raum - ein idealer Ort, die LOGE gleich bei ihrer Premiere zeigte. KAPITEL 2: FÜRCHTET EUCH NICHT! Auch das zweite Projekt der LOGE fand in der Fußgängerzone statt, genauer gesagt in der Baumgartenstraße. Dort war alles eine Nummer größer als bei „Killing Loneliness“, denn es handelte sich dieses Mal nicht um einen Miniatur-Theatersaal, sondern um eine begehbare Installation. „Dort gab es zwar auch einzelne Stationen mit Performances“, beschreibt Clara den Aufbau. „Die Leute konnten dieses Mal aber durch die Tür gehen und den Raum selbst erkunden.“ Was auch nötig war, um die Installation in ihrer gesamten Wirkung zu erfassen. Aber dazu gleich mehr. Zunächst stand das Duo hier vor einem ähnlichen Problem wie in der Kurwickstraße. Auch die Baumgartenstraße gehört nicht zu den 1A-Lagen, wie es Makler:innen formulieren würden. „Es ist eine Durchgangsstraße. Es kommen zwar Menschen vorbei, aber sie schauen kaum nach Links oder Rechts und wollen eigentlich nur schnell ans andere Ende des „Tunnels“, beschreibt Clara den Effekt. Die Aufgabe war auch hier, die Menschen aus ihren Spuren zu reißen und in die Ausstellung zu locken. Der Erfolg variierte. Diejenigen, die sich schließlich darauf eingelassen haben, hätten das aber nie bereut. Eigentlich seien alle geläutert herausgekommen, erinnert sich Mathilda zurück. Neun Bilder, eine Stimmungslage: Fürchtet euch nicht! (Bilder: Stephan Walzl) Kein Wunder: es war eine intensive Erfahrung. Das Gebäude gehört zu den ältesten der Stadt und überstand sogar den großen Brand von 1676. Im Gegensatz zum Degodehaus am Rathaus genießt es allerdings keinerlei Aufmerksamkeit. Im doppelten Sinne: weder kennen die Menschen dieses alte Haus, noch wird es besonders gepflegt. Im Gegenteil: Es wirkt, als könne es jederzeit über den Besucher:innen zusammenbrechen können, so schief sind die alten Wände inzwischen. Der Vorteil daran: Die Gemäuer wurden nicht zuletzt wegen ihrer Beschaffenheit zu elementaren Bestandteilen der Installation. So konnte die LOGE mit „Fürchtet euch nicht!“ Site Specific Art erschaffen – also Kunst, die in einem direkten, engen Bezug zur Umgebung steht, sie aufnimmt, integriert, thematisiert. „Das Konzept war eigentlich vor dem Raum da“, denkt Clara zurück. „Geplant war ursprünglich ein richtig trashiger Weihnachtsmarkt namens LAMETTA, als Reaktion darauf, dass keiner stattfinden konnte.“ An dieser Stelle wird wieder einmal klar: Die LOGE lässt sich so schnell nichts verbieten. Wenn es was nicht möglich erscheint, dann machen Clara und Mathilda es trotzdem – oder erst recht! Dennoch verschob sich das Projekt aus verschiedenen Gründen bis in den Juni. Kein guter Zeitpunkt für Weihnachtswahnsinn. Doch schon zuvor hatte sich das Programm immer weiter verändert, nachdem die LOGE das Gebäude entdeckt hatte. Der Trash-Gedanke blieb zwar irgendwo im Hinterkopf verankert, das Ergebnis sollte letztlich aber vollkommen anders aussehen. „Der Prozess ist etwas schwierig zu erklären“, gibt Mathilda zu. „Der Spaß-Faktor blieb, als hätten wir etwas ganz Banales gemacht. Inhaltlich wurde die Ausstellung aber meditativer, sakraler, philosophischer.“ Wer das Gebäude kennt, ahnt bereits, dass diese Veränderung damit zu tun hat. „Wir haben gewissermaßen mit der Atmosphäre des alten Hauses gespielt“, erklärt die Regisseurin. „Das ist ein uraltes Fachwerkhaus, es roch sehr modrig, im Keller gibt es sogar ein Gewölbe. Irgendwann haben wir etwas Kirchliches damit verbunden.“ Die Räume boten die Inspiration zu verschiedenen künstlerischen Experimenten, die allesamt das Sein, die Vergänglichkeit und den Tod zum Thema hatten: Ein Countertenor als Priester verkleidet, der sphärisch durch die Räume wandelt. Ein Meer aus gebrochenen Spiegeln im Kellergewölbe. Absurde, abstrakte Improvisationen eines alten Harmoniums. Ein entfremdet bemalter Beichtstuhl, in dem die Betrachter:innen selbst zu Beichtvätern (oder -müttern) wurden. Im Obergeschoss ein alter Sessel, der symbolisch für Abwesenheit, Verlust und Tod steht. „Das war schon heavy“, ist sich Mathilda bewusst. „Trotzdem hatten wir immer das Gefühl, dass die Begehung die Leute belebt.“ Und tatsächlich: Die LOGE hat mit „Fürchtet euch nicht!“ eine Welt für sich geschaffen, die ihre Besucher:innen bewegte. „Es gab kaum Leute, die nur kurz in der Ausstellung waren. Alle haben sich sehr intensiv damit beschäftigt“, erinnert sich Clara. „Viele haben sich richtig reinziehen lassen.“ Eine solche begehbare Installation irgendwo auf der Welt? Klasse! Aber in jenem betagten Gemäuer, umgeben vom Konsumtempel Innenstadt, mitten im Hochsommer? Genial, fantastisch, begeisternd. KAPITEL 3: DIE TANZSTELLE Das dritte Projekt ließ danach nicht lange auf sich warten. An einem langen Wochenende im September realisierte die LOGE die „Tanzstelle“ in der Kaiserstraße. Dabei ist schon das Wortspiel im Titel genial: Denn bei diesem Projekt verwandelten Clara und Mathilda eine ehemalige Avia-Tankstelle, die längst aufgegeben wurde, in eine Diskothek für eine Person: Eingang durch die ehemalige Waschstraße, Abtanzen in den alten Verkaufsräumen. Dabei war alles stilecht mit viel Liebe zum Detail ausgestattet: Coole Beleuchtung, dicker Sound und – natürlich – gute DJs. „Es war strikt verboten, zu zweit zu tanzen“, erklärt Mathilda, um dann lachend zu ergänzen: „Höchstens nach 22 Uhr. Da sind dann irgendwann die Hemmschwellen gefallen.“ Hier gab es eine leichte Abwandlung der bisherigen Versuchsanordnung. Bei den ersten beiden Projekten ging es darum, ein Kulturereignis allein zu erleben, ohne sich direkt auszutauschen zu können. Bei der Tanzstelle hingegen wurde ein Ereignis, das sonst ein sehr kollektives Erlebnis ist und stark von der Gemeinschaft lebt, auf eine Person beschränkt und damit seines Wesenskerns beraubt. Beim Tanzen ist man zusammen, sieht sich an, berührt sich vielleicht, manche verlieben sich sogar. Hier ist das Alleinsein ein maximaler Kontrast zu unseren Gewohnheiten. Clara sieht zwar durchaus Parallelen zu „Killing Loneliness“, da man normalerweise auch im Theatersaal mit vielen anderen Personen zusammensitzt. Doch die Tanzstelle sollte den Gedanken noch auf die Spitze treiben. Stimmungsvoll: Nicht zuletzt die Beleuchtung machte aus dem Zweckbau einen Club. (Bilder: Die LOGE) Tatsächlich reagierten die Menschen höchst unterschiedlich auf diese Isolation. Manche feierten sich und die Gelegenheit nach Herzenslust ab und wollten die Einpersonendisco gar nicht wieder verlassen. Schließlich hatten die Clubs zu diesem Zeitpunkt seit Ewigkeiten geschlossen (und das sollte auch noch monatelang so leiben). Anderen wiederum fehlte der Kontakt zu Gleichgesinnten total. Sie konnten das Abtanzen allein nicht so genießen wie erhofft und waren vergleichsweise schnell wieder draußen. Aber Enttäuschung? War ihnen nicht anzusehen. Alle waren glücklich, bei diesem Experiment dabeizusein und zu erfahren, wie sich das anfühlt: endlich wieder tanzen zu können! Aber was treibt Clara und Mathilda an, dass sie all den Aufwand in Kauf nehmen, der in Projekten wie der Tanzstelle steckt? „Wir bekommen natürlich eine kleine Gage“, erklärt Mathilda. Der Beweggrund sei das aber nicht, wie sie schmunzelnd ergänzt: „Wir bezahlen uns nicht besonders gut. Es gibt im Prozess nämlich immer wieder weitere Ideen, die man unbedingt umsetzen will. Die Kosten dafür ziehen wir bei uns ab.“ Bei den beiden ist eine hohe intrinsische Motivation zu spüren, eine große Lust, Ideen wahr werden zu lassen. „Mir reicht es aus, dass ich das machen kann, ohne dass ich gleichzeitig noch was anderes machen muss“, erklärt Clara ihre Haltung dazu. Es geht also um Möglichkeiten statt Moneten. Dazu passt eine Definition für Künstler:innen, die besagt: das sind Menschen, die das machen müssen. Aus tiefster innerer Überzeugung. Mit Blick auf Clara und Mathilda muss man eindeutig sagen: Absolut zutreffend. KAPITEL 4: GEPLANT SPONTAN Die bisherigen Projekte der LOGE waren experimentell, gewagt, provokant - und trotzdem (oder gerade deswegen) sehr erfolgreich. Ein großes Problem gab es aber immer und gibt es weiterhin: die Zeit. Die ersten Projekte fanden während der Corona-Lockdowns statt. Zwar gab es im Staatstheater damals durchaus einen gewissen Betrieb, die Freiräume waren aber größer als sonst. Dadurch entstanden Gelegenheiten, Projektideen zu ersinnen und zu entwickeln. Das sieht während der Probephase für den „Ring des Nibelungen“ deutlich anders aus. Der Normalbetrieb am Staatstheater ist natürlich ein Segen, doch er nimmt Freiräume für die LOGE. Doch zum Glück waren Clara und Mathilda vorausschauend: Rechtzeitig vor dem „Ring“ – Ende letzten Jahres – wurde ein neues Projekt für den Spätsommer entwickelt und die entsprechenden Förderanträge gestellt. Das heißt: wir dürfen uns auf das vierte Kapitel der LOGE freuen und auf einige bekannte Elemente: „Die Reduzierung auf eine Person, die Site Specific Art in einem Gebäude, die Wahrnehmungs-Veränderung bei den Zuschauer:innen – das sind die Geschichten, die uns interessieren. Das ist uns ganz klar geworden“, weiß Mathilda um die Stärken ihres Ansatzes. „Das wird wieder auftauchen.“ Es gibt eine konkrete Idee, die Suche nach Räumen wird in den kommenden Monaten aber weitergehen. „Es soll alles ganz spontan sein“, blickt Clara voraus. In der Baumgartenstraße gab es einen sehr langen Aufbau, jetzt soll das Gegenteil der Fall sein: „Wenn sich ein Leerstand anbietet, sollen die Projekte ad hoc entwickelt werden, als Reaktion auf die jeweilige Umgebung.“ Eine künstlerische Sackgasse befürchten die beiden dabei nicht. „Wir sehen das gar nicht so streng. Niemand sagt uns, dass wir das so machen müssen“, erklärt Clara. „Wir haben weiterhin alles Freiheiten und brechen das jetzt schon hier und da auf.“ Ein One-Trick-Pony ist die LOGE also keineswegs. „Uns interessiert das Thema Vereinzelung einfach“, ergänzt Mathilda. „Deshalb machen wir das, nicht weil es erwartet wird.“ Die beiden genießen - und nutzen - die Freiheiten, die man zum Beispiel im Staatstheater nicht haben kann: „Wir produzieren nichts im Vorfeld, wir arbeiten vor Ort. Wir schreiben keine fertigen Stücke, alles entsteht im Prozess.“ Diese Arbeitsweise kommt auch Clara entgegen. „Das Bühnenbild bei einer Oper muss eigentlich ein Jahr vor der Premiere fertig sein. Da hat alles einen großen Vorlauf“, vergleicht sie. „Eigentlich bin ich aber chaotisch und arbeiten gerne im Moment. Unsere Projekte mit der LOGE machen das möglich.“ Gut ist, dass es beides gibt: Das eher Formale der Institution und das Unkonventionelle des Projekts. Und wo wir schon beim Thema sind: Gut, dass es die LOGE gibt. Sie ist eine klare Bereicherung für Oldenburg – und vor allem: für die Oldenburger:innen. Es geht bei ihren Projekten nicht nur um Kulturgenuss, sondern auch um die Selbstreflexion und Horizonterweiterung. Dass sich beides derart gelungen kombinieren lässt, dass man also eine Form des Genusses hat, gleichzeitig aber sich selbst in den Kontexten neu einordnet und hinterfragt, das ist eine herausragende Qualität der LOGE. Zwar ist dieses Prinzip generell tief in der Kultur verankert. Die Projekte von Clara Kaiser und Mathilda Kochan treiben aber vieles auf die Spitze und machen die Erfahrung umso intensiver. Im Spätsommer geht es weiter. Seid unbedingt dabei – immer in der ersten Reihe! * Bilder, sowie nicht anders gekennzeichnet: Die LOGE Jeder Podcast-Gast darf bei uns einen Song zu unserer Playlist Die Mische beisteuern. Mathilda hat sich „Veridis Quo“ von Darf Punkt ausgesucht, Clara „So Says I“ von The Shins. Wie die Songs klingen? Hört ihr hier:
- WÜNSCH DIR WAS!
Wenn man über die Qualitäten eines Kulturstandorts spricht, dann meistens darüber, was die Kulturakteure selbst schaffen. Die Rolle des Publikums bleibt meist außen vor. Dabei kann es selbst durchaus auch zu Qualität und Vielfalt beitragen. Eindrucksvoll gezeigt hat dies „O - eine Stadt sucht ein Drama“ des Oldenburgischen Staatstheaters. Dabei konnte das Publikum entscheiden, welcher Stoff inszeniert wird. Das Ergebnis? Feiert nun seine Premiere. Für viele Menschen in Führungspositionen ist die Kundenbefragung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits möchte man wissen, was die Zielgruppe sich wünscht. Andererseits hieße dass aber, ihre Vorstellungen berücksichtigen zu müssen. Sprich: nicht mehr das tun zu können, was man selbst will. Ein Dilemma! Allerdings nicht für Christian Firmbach, dem Intendanten des Oldenburgischen Staatstheaters. Gemeinsam mit seinem Team entschied er sich im Jahr 2018 bewusst dafür, das Oldenburger Publikum bei der Gestaltung des Spielplans mit einzubinden. Beim Projekt „O - eine Stadt sucht ein Drama“ durfte es selbst entscheiden, welches von vier zur Auswahl stehenden Stücken tatsächlich inszeniert werden soll. Eine einfache Frage, hinter der letztlich aber Größeres steht. Mitmachen? Mehr davon! „Der Prozess hatte Elemente von Demokratie und Digitalisierung“, erklärt der Leitende Dramaturg Jonas Hennicke, der damals mit auf der Bühne saß, als die Stücke im Spielraum des Staatstheaters vorgestellt wurden. „Man konnte sich vor Ort bei szenischen Lesungen ein Bild machen, auf unserem YouTube-Kanal die Zusammenfassung ansehen oder auf der Website die Skripte lesen. Fundierter kann man die Entscheidung eigentlich nicht treffen.“ So sah das damals aus: eine szenische Lesung im Spielraum. Das Oldenburger Publikum ließ sich nicht lange bitten und stimmte fleißig ab. Die Entscheidung fiel damals auf „Über meine Leiche“ von Stefan Hornbach, für das er im Jahr 2015 mit dem Osnabrücker Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde. Wer sich ein wenig einfühlen will, findet hier eine Leseprobe. Nun endlich, nach zwei Jahren pandemischer Verzögerung, feiert das Stück seine Premiere im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Alle, die damals mitgemacht haben, dürfen nun überprüfen, ob ihre Entscheidung richtig war. Alle anderen können entdecken, was sich damals gegen hochkarätige Konkurrenz durchgesetzt hat. „Mit diesem Format haben wir einerseits natürlich Neuland betreten“, blickt Jonas zurück. „Andererseits glaube ich aber, dass solche Elemente immer wichtiger und selbstverständlicher werden. Überall sehen wir den Wunsch nach Interaktion, im Zeitalter von Social Media gehört das immer mehr dazu.“ Diesen Ansatz wird das Staatstheater in der kommenden Spielzeit noch weiter vertiefen und ein ganz neues, hybrides Format anbieten. Auch dabei wird Jonas eine wichtige Rolle spielen, wie er uns schon verraten hat. Mehr dazu in den kommenden Wochen an dieser Stelle. „ÜBER MEINE LEICHE“ VON STEFAN HORNBACH TERMINE: SA 14.05. 20 UHR (PREMIERE) FR 20.05. 20 UHR SO 12.06. 18 UHR DI 28.06. 20 UHR SA 02.07. 20 UHR FR 08.07. 20 UHR SO 10.07. 18 UHR FR 15.07. 20 UHR OLDENBURGISCHES STAATSTHEATER THEATERWALL 28 26122 OLDENBURG Zwischen Leben und Tod Warum sich das Oldenburger Publikum für „Über meine Leiche“ entschieden hat, lässt sich bereits anhand der Storyline erahnen: Im Mittelpunkt steht Friedrich (Manuel Thielen) ein schüchterner, junger Mann ohne besondere Ziele, der wieder bei seinen Eltern eingezogen ist. Er wird jedoch jäh aus seiner Lethargie gerissen, als bei ihm ein Tumor diagnostiziert wird: Krebs. Plötzlich bekommt sein Leben ein Verfallsdatum, Wahrnehmungen und Perspektiven verschieben sich, Dinge bekommen eine neue Wertigkeit. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt tritt Jana (Rebecca Seidel) wieder in sein Leben: intelligent, selbstbewusst, lebensmüde. Sie empfindet wenig Mitleid für Friedrich, schließlich erwartet ihn, was sie sich schon lange wünscht. Jana will Friedrich zeigen, wie man stirbt - Friedrich soll Jana beibringen, wie man lebt. Zwischen diesen gegensätzlichen Polen entzünden sich in Hornbachs vielbeachtetem Debütstück die Funken. Sie ergeben ein kraftvolles, poetisches Plädoyer für den unbedingten Willen zum Leben. Authentisch und lebensnah, feinfühlig und emotional, aber trotzdem erfrischend frech und zugespitzt - diese bunte Mischung kam bereits beim Osnabrücker Publikum hervorragend an. Auch die „Drama-Sucher:innen" in Oldenburg konnte es überzeugen. Aber wie wird es jetzt auf der Bühne im Staatstheater sein? Kann die Inszenierung von Franziska Stuhr überzeugen? Die Erwartungen vielleicht sogar übertreffen? Vieles spricht dafür. Doch warum sollen wir Vermutungen anstellen? Probiert es selbst aus! Seht euch dieses Drama an, das Oldenburg selbst gesucht und gefunden hat. Hört man Dramaturg Jonas zu, scheint klar zu sein: Die Elemente aus Demokratie und Digitalisierung sind gekommen, um zu bleiben. Das heißt: Eine Gelegenheit zur Mitbestimmung dürfte sich in Zukunft wieder ergeben. Egal, ob die Stadt dann wieder ein Drama sucht oder es um etwas ganz anderes geht: Lasst euch die Gelegenheit nicht entgehen. Denn wie gesagt: Dadurch entstehen Bindung, Bereicherung und Begeisterung. „Über meine Leiche“ tritt den Beweis dafür an.











