Die Puhdys in der Diskothek "Renaissance", © Peter Kreier
16.12.2019

Von Kurt Cobain bis aktiv irma

Lisa Knoll Profilbild, © Volker Kunkel Autor: Lisa
Oldenburg gibt Lisa alles, was sie zum Leben braucht. Von A wie Alltagsglück bis Z wie Zuhausegfühl.

„Waaaas, du kennst das nicht? Aber das ist doch mittlerweile Kult!“- „Also der Laden ist für mich absolut kultig!“ – „Das ist so richtig Kult hier, oder?“
So oder so ähnlich habe ich es schon oft gehört. Häufig war dabei von Musik die Rede. Von Filmen, Büchern oder der urigen Eckkneipe. Es geht den Leuten leicht über die Lippen, das K-Wort. Aber was ist eigentlich Kult? Wann ist etwas Kult? Und wo findet man in Oldenburg kultige Plätze? Die aktuelle Sonderausstellung im Stadtmuseum gibt jede Menge Antworten auf mitunter schwierige Fragen.

„Kultorte machen eine Stadt über die Jahre zu dem, was sie heute ist“, erklärt Franziska Boegehold, Kuratorin der Ausstellung „Kult! Angesagte Orte in Oldenburg“. „Und wir wollten natürlich wissen, welche Orte den Oldenburgerinnen und Oldenburgern besonders am Herzen liegen.“ In einer interaktiven Karte konnten sie in den letzten Monaten ihre persönlichen Kultorte eintragen und ihre Erinnerungen mit anderen teilen. Auch ihr könnt euren Kultort noch ergänzen – auf der Website des Stadtmuseums oder direkt in der Ausstellung, die noch bis zum 1. März 2020 zu sehen sein wird.

Bevor ich „Kult!“ besucht habe, habe ich online einen neugierigen Blick auf diesen besonderen Stadtplan geworfen. Welche Orte spielen in Oldenburg eine Rolle? Wie viele von ihnen kenne ich (noch)? Und wo befindet sich eigentlich mein eigener Kultort? Ich habe mich also durch rund 60 Eintragungen geklickt und mich durch die zugehörigen Kommentare inspirieren lassen – von der Thomaskirche im Norden („ein besonderes Juwel“) bis zum Utkiek („der schönste Müllberg der Welt“) im Süden.

Kaum ein Kultort ist durch sture Fakten oder rationales Überlegen ausgewählt worden. In fast allen Eintragungen finden sich kleine Anekdoten und Erinnerungen, die eines gemeinsam haben: Die Orte berühren, sind vertraut, strahlen Behaglichkeit aus. Sie wecken Erinnerungen an die eigene Kindheit oder an ein besonderes Ereignis, das man miterleben durfte. „Hier wurde 2000 der Aufstieg der EWE Baskets in die erste Bundesliga gefeiert“ heißt es etwa zur Haareneschhalle. Und beim Eintrag zum Gemeindesaal Kurlandallee ist natürlich vom legendären Nirvana-Konzert im Dezember 1989 die Rede, kurz bevor die Band um Grunge-Ikone Kurt Cobain weltberühmt wurde.

Ich bin zu jung, um Erinnerungen wie diese teilen zu können und fühle mich manchen Orten deshalb nicht verbunden. Dafür habe ich einige andere in den letzten Jahren kennen und lieben gelernt. Unter den Eintragungen finden sich nämlich auch echte Dauerbrenner, die seit vielen Jahren das Oldenburger Stadtbild prägen und zu recht einen unumstößlichen Platz im Alltag der Oldenburgerinnen und Oldenburger  eingenommen haben. Die leckerste Currywurst gibt’s  nachts um drei beim Heiermann, nirgends kann man sich so ungestört durch Berge von gebrauchten Schallplatten wühlen wie bei MTS Citysound und schon unsere Eltern haben zu spätes Erscheinen im Unterricht mit „Die Brücke war hoch!" entschuldigt. Ja, auch ich habe diese Ausrede so einige Male benutzt – obwohl die Cäcilienbrücke nie wirklich Teil meines Schulwegs war.

Manche Kultorte hingegen wirken auf den ersten Blick schon fast skurril. Der aktiv irma an der Bremer Straße zum Beispiel. Ein Supermarkt als Kultort? Da darf man schon mal ratlos dreinschauen. Bei der Begründung gerate ich dann aber doch ins Schmunzeln: „kein steril-durchgestylter Konsumtempel“, sondern „ein gewachsener Laden mit einem Gesicht, mit Seele“ ist dort zu lesen. Auch hier findet man sie also wieder, die Vertrautheit. Den Wohlfühlfaktor.

Ich habe mich natürlich nicht nur digital, sondern auch im Stadtmuseum auf Entdeckungsreise begeben. „Kultorte in einer Ausstellung darzustellen, ist nicht leicht, denn sie sind vor allem mit Erinnerungen und Emotionen verbunden“, sagt Kuratorin Franziska Boegehold. Um sie dennoch so greifbar wie möglich zu machen, können Besucherinnen und Besucher durch eine Fülle von Fotos, Videos  und Interviewausschnitten ihre eigenen Erinnerungen an Oldenburgs Kultorte wieder aufleben lassen oder bisher unbekannte Plätze neu entdecken.

Ich hätte noch viele weitere Stunden in den kultigen Erinnerungen stöbern können. Die größte Anziehungskraft ging für mich dabei tatsächlich von den Orten aus, die es nicht mehr gibt. Die alten Filmaufnahmen aus längst geschlossenen Diskotheken und die Fotos von inzwischen abgerissenen Gebäuden habe ich mir besonders genau angeschaut. Und auch nach meinem Besuch im Stadtmuseum habe ich noch über das Gesehene nachgedacht. Ich fragte mich, ob die Menschen auf den Bildern noch oft an die damalige Zeit zurückdenken, und was sie an dem Abend, als dieses eine Foto entstand, wohl erlebt haben könnten. Ich wollte wissen, was sie heute machen, und ob sie damals ihre Kultorte schon genau so hätten benennen können, wie es jetzt viele Oldenburgerinnen und Oldenburger rückblickend tun.

Ich bin Oldenburgerin durch und durch und gehe liebend gern auf Entdeckungstour durch meine Stadt. Meine persönlichen Kultorte zu benennen, fällt mir aber dennoch schwer. Kann ich mit gerade einmal 27 überhaupt schon von „Kult“ sprechen? Bin ich dafür nicht zu jung? Werde ich vielleicht erst in 30 Jahren sagen können, „Wow, das ist für mich ein echter Kultort“?
Vielleicht stoße ich mich nur an Begrifflichkeiten. Vielleicht wäre für mich „Lieblingsplätze“ eine treffendere Beschreibung. Denn davon habe ich einige. Ob sie Kultcharakter haben oder nur für mich allein gemütlich, schön oder eben einfach „typisch Oldenburg“ sind – wer kann das schon sagen?

Vielleicht sind meine Lieblingsplätze von heute tatsächlich (meine) Kultorte von morgen, wenn ich meinen Kindern mit einem Leuchten in den Augen von früher erzähle oder mit alten Freunden in Erinnerungen schwelge. Bis dahin werde ich mit anderen Augen durch meine Stadt radeln und dabei sicherlich dem einen oder anderen neu entdeckten Kultort einen Besuch abstatten.

„Kult! Angesagte Orte in Oldenburg“ ist für alle Oldenburgerinnen und Oldenburger – und auch für die, die es werden möchten! – die perfekte Gelegenheit, um unsere Stadt einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen und herauszufinden, was Oldenburg für die Menschen bedeutet, die hier leben. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März 2020 im Stadtmuseum zu sehen. Wenn ihr wie ich schon vorab einmal in den kultigen Orten der Stadt stöbern wollt, findet ihr auf der Website des Stadtmuseums die interaktive Karte. Und wer weiß, vielleicht fällt euch ja auch noch ein Ort ein, der auf diesem Stadtplan der etwas anderen Art auf keinen Fall fehlen sollte …

Lisa Knoll Profilbild, © Volker Kunkel

Autor: Lisa

Seit Januar 2019 ist Lisa Volontärin bei Mediavanti. In ihrer Freizeit geht die angehende Redakteurin am liebsten auf Entdeckungsreise durch Oldenburg, denn nach vielen Stippvisiten in der weiten Welt steht fest: Diese Stadt gibt ihr alles, was sie zum Leben braucht - von A wie Alltagsglück bis Z wie Zuhausegfühl.

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