Lautmalerei im Comic, zu sehen im Stadtmuseum., © Stadt Oldenburg
07.02.2018

Die Neunte Kunst

Steffen Pilney lebt seit 2011 in Oldenburg. Der gebürtige Ostfriese hat Kulturluft hinter den Kulissen des Filmfests geschnuppert. Oldenburg hat es ihm besonders wegen des kulturellen Angebots angetan., © PrivatAutor: Steffen
Steffen Pilney lebt seit 2011 in Oldenburg. Der gebürtige Ostfriese hat Kulturluft hinter den Kulissen des Filmfests geschnuppert. Oldenburg hat es ihm besonders wegen des kulturellen Angebots angetan.

Kaboom! Wusch! Bäm! Diese Lautmalerei schreit nach einem Handwerk, das sich im Laufe des letzten Jahrhunderts zu einer Kunstform gemausert hat: der Comic. In Deutschland hatten Comics nie den hohen Stellenwert wie zum Beispiel in Amerika. Aber nicht zuletzt wegen der vielen, vielen Comicverfilmungen im Kino erleben sie seit Jahren einen „Boom!“. Grund genug, sich intensiver mit der Thematik zu beschäftigen.

Gesagt, getan. Zum ersten Mal zeigen das Stadtmuseum, das Horst-Janssen-Museum und das Edith-Russ-Haus für Medienkunst eine gemeinsame Ausstellung. In „Die Neunte Kunst“ könnt ihr in drei Kapiteln in die Welt des Comics und der Graphic Novels eintauchen.

Die Geschichte des Comics

Los geht’s im Stadtmuseum mit Kapitel I, der „Geschichte des Comics“. Über mehrere Stockwerke erstrecken sich Wände mit Ausschnitten aus Comics, Infotafeln, Vitrinen und einer bunten Wand mit versteckten Schätzen. Der Schwerpunkt liegt in den Heimatländern des Comics: USA, Frankreich und Belgien. Natürlich fallen besonders Donald Duck, Asterix und Tim & Struppi ins Auge (sogar die Schlümpfe findet ihr, wenn ihr genau hinschaut). Aber auch Deutschland kommt nicht zu kurz: Kennt ihr Nick, den Weltraumfahrer oder Sigurd, den ritterlichen Helden? Das Stadtmuseum hat sie alle!

Interessant sind auch die Infos über Comics in der Werbung und als Werkzeug von Propaganda. Hier sind auch Ausschnitte aus ganz alten Comicverfilmungen zu sehen, mit Donald Duck als Nazi-Ente. Disney nutzte die beliebte Figur, um die Amerikaner für den Kampf gegen die Nazis zu begeistern und Hitler als der Teufel, der er war, darzustellen. Auch erste Zeichentrickfilme von Superman könnt ihr euch anschauen. „Die Geschichte des Comics“ ist ein perfekt-nostalgischer Start, um „Die Neunte Kunst“ kennenzulernen. Gehen wir ein Museum weiter…

Aktuelle deutsche Graphic Novels

Das Horst-Janssen-Museum nebenan nutzt ebenfalls zwei Stockwerke, um in Kapitel II die aktuellen Arbeiten von 13 Comiczeichnerinnen und -zeichnern vorzustellen. An den Wänden hängen die originalen Zeichnungen und Skizzen der Künstlerinnen und Künstler, teilweise mit Markierungen und Notizen versehen, die ihre Ideen während des Zeichnens und danach verraten. Einblicke in die Lebensläufe der Ausgestellten gibt es ebenfalls. Das Ganze präsentiert sich als Rundgang mit genügend Gelegenheiten, sich zu setzen und in den beiliegenden Bildbänden zu stöbern.

Der Name sagt es schon: Hier zu sehen sind Graphic Novels, die erwachsene Version von Comics jenseits von Entenhausen und Co. Die Themen drehen sich um Mord, Wahnsinn und Krieg. Aber auch Liebe, Kunst und Musik. Seid ihr Fans von Nick Cave? Dann dürfte für euch „Nick Cave. Mercy on Me“ von Reinhard Kleist ein besonderer Hingucker sein. In dem Bildband illustriert Kleist nämlich kapitelweise Songs des vielseitigen Musikers. Wie zum Beispiel das Kapitel über den Mord eines Mannes an seiner Geliebten, inspiriert vom Song „Where the Wild Roses grow“, den Nick Cave and the Bad Seeds 1995 mit Kylie Minogue veröffentlichten.

Zeit für eine Mittagspause im Café Farbwechsel, wo der Kaffee und die Atmosphäre einfach grandios sind.  Und für die Suche nach dem nächsten Buchladen, um die eine oder andere Graphic Novel für zuhause zu besorgen! Aber davor wartet erst das Edith-Russ-Haus mit dem dritten Kapitel der Ausstellung.

Unwanted Stories

Ein paar Straßen weiter im Edith-Russ-Haus geht es wie gewöhnlich ungewöhnlich zu: „Unwanted Stories“ ist eine Gruppenausstellung mit Künstlerinnen und Künstlern aus Polen, Ägypten, Russland, Irland und Israel. Das Erdgeschoss ist in mehrere Bereiche unterteilt, mit Trennwänden und Sitzgelegenheiten. Es sieht ganz anders aus als in den beiden Teilausstellungen vorher, denn neben Graphic Novels sind auch Videos, eine leuchtende Installation und Computerspiele zu sehen, die von Comics und (düsteren) Graphic Novels inspiriert wurden.

Auch die Präsentation der verschiedenen Themen variiert: Die Graphic Novel „Solar Grid“ von Ganzeer, die aktuell noch in ihrer Entstehung ist, präsentiert sich als Raum- und Lichtinstallation. In der dystopischen Geschichte hat sich die Menschheit drastisch in Arm (Erde) und Reich (Mars) gespalten. Die Erde ist umspannt von Satelliten, die künstliches Sonnenlicht erzeugen, um die vielen solarbetriebenen Fabriken zu speisen. In der Installation kann man das grelle Licht, dass die Menschen auf der Erde ertragen müssen, nachempfinden – nicht nur hell, sondern auch ganz schön warm!

Und wer sagt, dass Kunst nicht auch interaktiv sein kann? David OReilly ist mit zwei Videospielen vertreten. In „The Mountain“ spielt ihr einen kleinen Bergplaneten, der im All umherfliegt und eigentlich nicht viel tut. Aber genau das ist der Reiz an der Geschichte! Und in „Everything“ fliegt ihr durchs Universum und nehmt jede mögliche atomare Form an, die ihr wollt. Beide Spiele ziehen euch sehr schnell in ihren Bann. Eine Runde Zocken ist nach dem Rundgang durch die drei Häuser auch genau das Richtige…

Weitere Infos

Wenn ihr Lust habt, „Die Neunte Kunst“ komplett zu sehen, dann sei euch das Kombiticket empfohlen. Damit kommt ihr tagesunabhängig für 7 Euro (3,50 Euro ermäßigt) in alle drei Häuser. Wenn ihr einen Museumstag einlegen wollt und außerdem noch jeweils eine Führung mitnehmen möchtet, dann nutzt doch die Sonntage: Los geht es immer um 11 Uhr im Stadtmuseum, um 14 Uhr im Horst-Janssen-Museum und um 16 Uhr im Edith-Russ-Haus.
Und übrigens: Eintrittspreise, Öffnungszeiten und das komplette Rahmenprogramm findet ihr unter www.oldenburg.de/dieneuntekunst

Steffen Pilney lebt seit 2011 in Oldenburg. Der gebürtige Ostfriese hat Kulturluft hinter den Kulissen des Filmfests geschnuppert. Oldenburg hat es ihm besonders wegen des kulturellen Angebots angetan., © Privat

Autor: Steffen

Steffen Pilney zog 2011 nach Oldenburg, um Kunst und Germanistik zu studieren. Der gebürtige Ostfriese lebte zuvor ein Jahr lang in Göttingen und absolvierte ein Freiwilliges Kulturelles Jahr in einem Programmkino. Der Film- und Hörspielfan arbeitete unter anderem für das Internationale Filmfest Oldenburg. An seiner Wahlheimat gefällt ihm besonders das kulturelle Angebot, die Restaurants und das Casablanca Kino. Zurzeit ist Steffen im Pressebüro der Stadtverwaltung tätig. Sein Masterabschluss-Hörspiel „Tod auf der Kegelbahn!“ ist bei Soundcloud zu hören.

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