Wenn es doch mal hektisch wurde, ging Veronika Hoberg gerne aufs Dach des Staatstheaters, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die Oldenburger Innenstadt hat., © Eva von Holt
09.11.2018

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Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt Autor: Eva
Eva von Holt schnuppert seit 2011 Oldenburger Luft. Nach Donau und Ostsee hat sie die Liebe nun an die Hunte verschlagen. Und sie findet ihre neue Heimat wunderschön.

Menschen, die in der Kultur- und Kreativbranche tätig sind, verbringen ihren Arbeitstag selten nur im Büro – wenn sie eins haben. Sie müssen immer dort sein, wo ihre Ideen aktuell umgesetzt werden aber auch dort, wo sie Energie tanken und ihren Gedanken freien Lauf lassen können. Zwei dieser Menschen habe ich im Oldenburgischen Staatstheater getroffen; an eben genau jenen Plätzen, die sie aufsuchen, wenn sie neue Pläne schmieden, sich mit Kolleg/innen und Mitarbeiter/innen besprechen oder einfach mal die Seele baumeln lassen.

„Ich liebe den Duft von frisch verarbeitetem Holz“

Veronika Hoberg steht in der Tischlerei des Oldenburgischen Staatstheaters. Die Mitarbeiter/innen sind fleißig am Werk und aufgrund des Lärms der vielen Maschinen müssen wir sehr laut miteinander sprechen. „Hier hat ein Bühnenbild meistens seinen Ursprung“, sagt die Frau, deren Arbeit es ist, die gesamte Herstellung der Bühnenbilder zu organisieren. Veronika Hoberg ist nämlich seit 2008 Produktions- und Werkstattleiterin am Oldenburgischen Staatstheater. Und sie zeigt mir von der ersten Minute unseres Gesprächs an, dass sie ihre Arbeit mit Leidenschaft ausübt. Denn was viele vielleicht nicht bedenken: Erst die Objekte im vermeintlichen „Hintergrund“ versetzen die Schauspieler/innen auf der Bühne in ihre eigene Welt und machen die Erzählung einer Geschichte für das Publikum zu einem Gesamtkunstwerk.

Ausbildung auf der Werft und Diplomarbeit über Bühnentextilien

Nach der Schule machte Veronika Hoberg, die aus der Nähe von Bremerhaven kommt, erstmal eine Ausbildung bei einer Schiffswerft. „Als Frau dort zu arbeiten war ungewöhnlich, aber die Ausbildung prägt bis heute mein Verständnis für Metall“, erzählt sie und lacht, als wir in der nächsten Werkstatt, der Schlosserei, stehen. Und auch zum darauffolgenden Arbeitsraum, der Dekoration hat sie eine besondere Verbindung: „Meine Diplomarbeit habe ich über Bühnentextilien geschrieben.“ Die gibt es hier wirklich zur Genüge: Stoffrolle über Stoffrolle stapelt sich auf beiden Seiten des großen Raumes bis hin zur Decke.

Zur Tischlerei, Schlosserei und Dekoration gesellen sich noch der Malersaal und die Bühnenplastik, um das Arbeitsfeld „Bühnenbild“ abzurunden, in dem knapp 30 Mitarbeiter/innen beschäftigt sind. „Im Malersaal sind die Objekte oft zuletzt und bekommen ihr ‚Finish‘. Damit es hier nicht zu stressig wird, ist es aber besonders wichtig, im Vornherein Staus zu vermeiden.“ Doch das sei gar nicht so einfach bei drei bis sechs Produktionen, die parallel mit Bühnenbildern versorgt werden müssen.

Verschnaufpause über den Dächern von Oldenburg

Wenn es doch mal hektisch wurde, ging Veronika Hoberg gerne aufs Dach des Staatstheaters, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die Oldenburger Innenstadt hat. Ich kann mir gut vorstellen, wie man hier wirklich einmal tief durchatmet und dann wieder mit neuer Energie weitermacht. „Seit dem Abschluss der Brandschutzvorkehrungen in diesem Jahr sind die Türen jedoch alarmgesichert“, sagt die Produktionsleiterin etwas wehmütig. Zum Glück hat ihr Büro auch ein schönes Fenster mit Blick auf den Cäcilienpark. In diesem Büro plant sie gerade auch die anstehenden Produktionen der neuen Spielzeit. „Ich freue mich besonders auf das Weihnachtsmärchen und die Ballettoper ‚Les Paladins‘. Und natürlich auf den Opernball im Januar!“ Für letzteren laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren und Veronika Hoberg ist für die Ausstattung und technische Organisation des Balls zuständig.
Vom Dach muss ich nun wieder ganz nach unten ins Erdgeschoss, wo meine zweite Interviewpartnerin wartet, um mir ihre Arbeits- und Lieblingsplätze im Theater zu zeigen.

Plötzlich Choreografin bei Jesus Christ Superstar

Yoko El Edrisi treffe ich im superschicken Theatercafé gleich im Eingangsbereich des Staatstheaters. Die quirlige Niederländerin mit dem interessanten Namen (sie hat japanische und marokkanische Wurzeln) erzählt mir zuerst, wie sie überhaupt nach Oldenburg gekommen ist: „Im Herbst 2017 wurde ich als Darstellerin und Choreografie-Assistentin für ‚Jesus Christ Superstar‘ engagiert. Dass die eigentliche Choreografin noch vor der Premiere ausfallen und ich in ihre Rolle schlüpfen würde, damit hätte ich nicht gerechnet.“ Doch Yoko El Edrisi, die schon bei vielen Musicals mitgewirkt hat, unter anderem als Dance Captain oder Regie-Assistentin, übernahm damals gerne diese verantwortungsvolle Aufgabe. Heute berichtet sie stolz von der guten Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.

„Orpheus in der Unterwelt“: ihre vierte Produktion in Oldenburg

Besonders freute sich die ausgebildete Musicaldarstellerin, als ihr Engagement in Oldenburg verlängert wurde. „Parallel zu ‚Jesus Christ Superstar‘ durfte ich auch bei den ‚Comedian Harmonists‘ und der Oper ‚Maria‘ mitarbeiten“, erzählt sie mit einem Strahlen in den Augen. Eine sehr wichtige Rolle in der letzten Theaterspielzeit und auch für Yoko El Edrisi persönlich spielte der Theaterhafen; einer ihrer Lieblingsplätze in diesem Sommer. „Die Zeit dort war einfach wunderschön! Es hat großen Spaß gemacht, im Zirkuszelt zu arbeiten!“
Ein paar Besonderheiten gab es dabei allerdings zu beachten, wie ich von ihr erfahre. Weil es im Theater immer wichtig ist, wer wann wo steht, mussten die Tanzschritte von „Jesus Christ Superstar“ nach dem Umzug ins Zelt abgeändert werden. Die Choregrafin erklärt weiter: „Bei allen Produktionen am Theaterhafen musste auch die Sichtachse von 280 Grad beachtet werden.“ Das bedeutet, dass ein paar der Darsteller/innen ausnahmsweise auch „nach hinten“ und nicht wie sonst auf der Bühne „nach vorne“ spielten. In der aktuellen Spielzeit kam für Yoko El Edrisi in diesem Jahr ihre bereits vierte Produktion als Choreografin in Oldenburg hinzu. ‚Orpheus in der Unterwelt‘ feierte gerade erst im Oktober Premiere.

„Ich bin gerne draußen in der Natur oder in der Stadt“

Auch wenn Yoko El Edrisi eigentlich in Köln wohnt, hat sie Oldenburg in den letzten Monaten ins Herz geschlossen. „Ich war letzten Herbst das erste Mal hier und habe von der Stadt nicht so viel wahrgenommen. Als ich dann im Frühling wiederkam, war ich richtig überrascht, so ein schönes Oldenburg zu sehen. Eine richtige Blumenstadt!“ Vor allem habe sie sich schnell in die „schnuckelige“ Innenstadt mit den vielen kleinen Cafés verliebt. „Im niederländischen Café in der Bergstraße habe ich sogar richtige Heimatgefühle bekommen“, schwärmt die Choreografin. Dass sie sich jetzt erstmal von Oldenburg verabschieden muss, fällt ihr deshalb auch sichtlich schwer. Aber immerhin kommt Yoko El Edrisi noch ab und zu zurück, zum Beispiel für ein paar Aufführungen des wiederaufgenommenen Musicals „Jesus Christ Superstar“.

Fast die meiste Zeit im Probensaal verbracht

Am Ende unseres Gesprächs verlassen wir das Theatergebäude und gehen zu einem etwas kleineren Haus dahinter, in dem sich unter anderem die Probenräume befinden. „Hier war ich die letzten Wochen sehr oft bei der Arbeit an ‚Orpheus in der Unterwelt‘“, erzählt mir Yoko El Edrisi als wir den großen Raum mit der schönen Backsteinwand betreten. Das Bühnenbild, das wir hier vorfinden, hat mittlerweile aber gewechselt und ist für ein ganz anderes Stück. „Unsere Sachen stehen schon auf der Bühne im Kleinen Haus“, erklärt sie.

Bevor sich unsere Wege hier trennen, brennt mir noch eine letzte Frage unter den Fingernägeln: „Woraus zieht man als Choregraf/in seine Inspiration? Und wie schafft man es dabei, seinen eigenen Stil zu entwickeln?“ Meine Interviewpartnerin muss gar nicht lange überlegen: „Meine Inspiration finde ich in der Musik. In der Melodie, im Text oder in den Gefühlen, die transportiert werden. In der Ausbildung hatten wir von Ballett über Jazz und Funk verschiedene Tanzstile kennengelernt und ich mache daraus einfach eine eigene Mischung.“ Und ein Geheimnis ihrer Arbeit verrät mir Yoko El Edrisi auch noch zum Schluss: „Ich nehme gerne die Impulse der Darsteller und Darstellerinnen auf und bringe sie dann mit meinen Vorstellungen zusammen.“

Am Ende dieses Tages habe ich nicht nur viele verschiedene Einblicke hinter die Theaterkulissen bekommen, sondern auch zwei interessante Frauen und ihre Arbeitsbereiche kennengelernt. Einen klassischen Schreibtisch habe ich dabei nur ganz kurz gesehen. Gute Ideen können im Oldenburgischen Staatstheater eben überall entstehen.

Alle Informationen zur neuen Spielzeit und zu den kommenden Veranstaltungen des Oldenburgischen Staatstheaters sind auf der Webiste zu finden.

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt

Autor: Eva

Eva lebt seit 2011 im wunderschönen Oldenburg. Bevor sie hierher kam, hat sie schon vier Jahre (Ost)Seeluft in Rostock geschnuppert und Germanistik studiert. Aufgewachsen ist sie allerdings an einem viel kleineren Gewässer, nämlich an der Donau. Die Liebe brachte sie schließlich in den Norden und nun fühlt sie sich sehr wohl hier. An Oldenburg mag sie besonders die schöne Architektur, das reichhaltige Kulturprogramm und nicht zuletzt die vielen kreativen, engagierten, hilfsbereiten, offenen Menschen. Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie auf Kreativ- oder Flohmärkten unterwegs, besucht Konzerte oder erkundet die Stadt und ihre Umgebung. Über ihre Erlebnisse in Stadt und Region berichtet sie auch online, auf www.deroldenburgblog.de

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