Die Theaterbesucher in Oldenburg dürfen sich mit der Rocky Horror Show auf ein echtes Spektakel freuen., © (c) Stephan Walzl
15.08.2019

Mein Abend in der Rocky Horror Show

Profilbild von Dorothee Emsel, © Dorothee Emsel Autor: Dorothee
Im Juli 2018 kam Dorothee nach Oldenburg für die Anstellung als Mitarbeiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Oldenburgischen Staatstheater.

Vor kurzem war´s, da war mir mal so nach Musik und Strapse. Auf meinem Bildschirm flimmerte „Kevin allein in New York“ vor sich hin, mit Tim Curry als ausgekocht wüsten Hotelier, falls sich einige erinnern. Im Kopf wurde all dies zu einer schlauen Kombination, die in Anrufen bei guten Freunden gipfelte: „Kommt bei mir vorbei, movie buffs! Wir besehen uns ,The Rocky Horror Picture Show‘!“

In Vorbereitung des Filmabends verursachten mir die während einiger Szenen einzusetzenden „Special effects“ allerdings Kopfschmerz: Konfetti werfen zu Beginn des Films (Verzeihung – und wer saugt das weg?) und mit Wasser spritzen, wenn Brad und Janet ihren Wagen verlassen (Freunde, die Tapete war nicht günstig!). Und überhaupt: Wie ging nochmal der Time Warp? So konnte das alles nichts werden. Also streifte ich mir mein Frank-Magenta-Columbia-Shirt über und bewegte mich zur Generalprobe für das „Rocky Horror Show“-Musical am Oldenburgischen Staatstheater.

Diese Inszenierung weist nämlich die Besonderheit auf, dass zu speziellen Terminen der Orchestergraben abgesenkt und zur Dance Area ausgerufen wird.* Man sitzt also nicht und guckt, sondern man tanzt mit und guckt. Im Garderobenfoyer erhalte ich meine Fanbag* für 10 Euro: In einem fancy Rucksack mit Rocky-Motiv sind alle Utensilien zusammengepackt, die man für die Show braucht: Partyhütchen, Wasserpistolen, Luftschlangen, Gummihandschuhe, Spielkarten. Und eine Liste mit den Einsätzen für das Publikum: Wann sage ich nochmal „Uh!“? Wann rufe ich „Boring!“ und wann „Weissssssss“? Steht alles drauf. Und wichtig auch noch: Das Programmheft ist kein Programmheft im klassischen Sinne. In Zeitungsformat sind die deutschen Übersetzungen der Song-Texte abgedruckt. Man sollte sich die Zeitung unbedingt mitnehmen, denn auch die kommt zum Einsatz – als Abschirmmöglichkeit vor Wasseralarm.

Der Gong ertönt, ich finde mich mit etlichen anderen in der Dance Area ein, direkt vor der Bühne. Ich blicke auf einen Laufsteg, der in die Area hineinragt ... was das wohl werden wird? Ich stelle mich mal vorsorglich an den Rand, ich will ja nicht auffallen. Leider bricht dieser Plan bereits zusammen, als die Schauspielerin Helen Wendt, alias Janet Weiss, in einer der Anfangs-Szenen einen Brautstrauß wirft. Es gibt niemanden, der dem Bogen, den die Blumen machen, deutlicher im Weg steht als ich. Erster Impuls (dem ich konsequent folge): Ducken. Der Strauß landet hinter mir, im Tanzgraben lachen alle, aus dem Publikum applaudiert jemand und ruft: „Richtig so!“ Soviel zu unauffällig.

Als Brad und Janet dann im Regen zum Schloss des androgynen Frank N. Furter stapfen, spritzt es aus allen Wasserpistolen. Neben mir steht ein älterer Herr, er macht sich Sorgen um sein Hemd – das sei neu und nun würde es nass und knittrig. Ich bin ein Menschenfreund, also entfalte ich die Programm-Zeitung und bastle ihm und mir ein Schutzdach aus Papier. Und danach ist mir dann auch alles egal: Ich tanze den Time Warp und ich tanze ihn richtig, denn jeder in der Dance Area macht mit und es kann gar nichts schiefgehen.

Ich bediene mich auch aktiv meines Fanbag-Inhalts – Berührungsängste gibt es jetzt nicht mehr. Und der Laufsteg? Alle Fragen werden geklärt, als die Schauspieler*innen zum ersten Mal darauf ganz nach vorne treten und zum „touch-a, touch-a, touch-a“-Anfassen nahe sind. Die Stimmung ist monströs gut, es ist wie ein Festival. Ab und zu nach hinten schauen lohnt sich übrigens auch, allein um zu sehen, wie aktiv das Publikum in den Sitzreihen beim Song „There’s a light, over at the Frankenstein place ...“ die Handys leuchten lässt. Am Ende sind die Zuschauer*innen glücklich, vor allem die, die sich klamottentechnisch in Schale geschmissen haben und schon lange große Fans zu sein scheinen. Und weil die Inszenierung so ein Wahnsinns-Ding war, und das bereits zur Generalprobe, habe ich den Filmabend gleich im Anschluss abgesagt. Ich empfehle meinen guten Freunden, sich lieber eine Eintrittskarte zu holen.*

*Die Termine dafür findet ihr im Veranstaltungskalender unter www.staatstheater.de
*Diese käuflich zu erwerben ist kein Muss!
*Ticketbuchung telefonisch unter 0441. 2225-111, online unter: www.staatstheater.de oder direkt im Ticketshop

Profilbild von Dorothee Emsel, © Dorothee Emsel

Autor: Dorothee

Dorothee Emsel studierte Deutsche Philologie in Göttingen und war dort später als Mitherausgeberin und Redaktionsleitung des studentischen Online-Magazins Litlog beschäftigt, über welches Studierende die Möglichkeit haben, Belletristik- und Theater-Rezensionen, kulturanalytische Essays sowie Wissenschaftsartikel  zu veröffentlichen. Im Juli 2018 kam Dorothee nach Oldenburg für die Anstellung als Mitarbeiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Oldenburgischen Staatstheater. 

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