Musikal-Szene aus Jesus Christ Superstar im Oldenburgischen Staatstheater, © Stephan Walzl
04.12.2017

Jesus Christ Superstar

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von HoltAutor: Eva
Eva von Holt schnuppert seit 2011 Oldenburger Luft. Nach Donau und Ostsee hat sie die Liebe nun an die Hunte verschlagen. Und sie findet ihre neue Heimat wunderschön.

Donnerstag, 19 Uhr: Aufgeregt warte ich vor dem Oldenburgischen Staatstheater. Heute ist Abendprobe für Jesus Christ Superstar und ich darf dabei sein. Neugierig betrete ich den großen Theatersaal, wo die Beteiligten schon auf den Beginn der Probe warten. Eine leichte Anspannung liegt in der Luft.

19.30 Uhr: Der Vorhang hebt sich, Pianist Jürgen Grimm spielt das erste Lied an und auf der Bühne erscheinen die Musicaldarsteller/innen als Rockband. Alle gehen in ihrer Rolle richtig auf und überzeugen mich von der ersten Sekunde an. Singend verlässt die Gruppe die Bühne zum Szenenwechsel. Doch da ruft Regisseur Erik Petersen zum ersten Mal dazwischen: „Der Gesang aus dem Off war gut, aber der Tisch und das Sofa müssen schneller von der Bühne.“ „Und wenn die Wand hochfährt, kommst du schon von hinten“, sagt er an Darsteller Mark Weigel gewandt, der einen jüdischen Hohepriester spielt. Also, zurückspulen. Szenenwechsel wiederholen. Diesmal geht alles glatt und das Stück kann weiterlaufen.

20.00 Uhr: Mittlerweile fühle ich mich schon gar nicht mehr wie in einer Probe, sondern wie in der richtigen Vorstellung. Ich vergesse die leeren Plätze um mich herum und den Lichttechniker schräg vor mir und schaue gebannt auf das Geschehen auf der Bühne. Selbst, dass die Darsteller zwar geschminkt sind, aber keine Kostüme tragen, stört mich überhaupt nicht.

20.30 Uhr: Erst die Pause nach dem ersten Akt reißt mich aus der schönen Scheinwelt der „Rockoper“. Am liebsten wäre mir, wenn es direkt weitergeht. Aber den Darsteller/innen sei die Verschnaufpause gegönnt. Die ohrwurmverdächtigen Musical-Songs (die ich schon aus dem Jesus Christ Superstar-Film kenne) bleiben jedoch die ganze Pause über in meinem Kopf. Einigen Mitwirkenden scheint es genauso zu gehen, denn aus allen Ecken höre ich immer mal wieder jemanden die gespielten Melodien pfeifen oder summen.

21 Uhr: „Ruhe, bitte!“ ruft Erik Petersen und der Vorhang hebt sich erneut. Die bekannte Geschichte um Jesus und seine Jünger nimmt ihren unvermeidlichen Lauf, wobei ich aber immer wieder vergesse, dass die Musical-Darsteller/innen Jesus Christus, Judas Iskariot und Maria Magdalena verkörpern. Sie könnten genauso gut Menschen aus unserer Zeit sein. Denn Liebe, Eifersucht, Verrat, (Selbst-)Mord, Neid und Habgier sind ja zeitlose Themen.

21.30 Uhr: Das Musical steuert auf seinen Höhepunkt zu, doch leider müssen die letzten Szenen wieder unterbrochen werden. Mein Zuschauerherz blutet, aber natürlich soll bei der Premiere jeder Handgriff sitzen und so müssen noch einige Detailfragen geklärt werden.

22 Uhr: Der Vorhang fällt. Geschafft! Großer Applaus! Die Mitwirkenden packen ihre Sachen zusammen. Viele von ihnen waren ja schon vor Probenbeginn im Theater, zum Beispiel in der Maske, und freuen sich sicher auf ihren Feierabend. Und auch ich mache mich auf den Nachhauseweg. Es war ein toller Abend mit einer fantastischen Darbietung auf der großen Theaterbühne. Wirklich ganz großes Kino, äähhh Musical, in Oldenburg!

Weitere Infos

Jesus Christ Superstar läuft im Oldenburgischen Staatstheater noch bis zum Ende der Spielzeit 17/18 Ende Juni. Termine und Tickets zu den einzelnen Vorführungen gibt es auf www.staatstheater.de.

 

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt

Autor: Eva

Eva lebt seit 2011 im wunderschönen Oldenburg. Bevor sie hierher kam, hat sie schon vier Jahre (Ost)Seeluft in Rostock geschnuppert und Germanistik studiert. Aufgewachsen ist sie allerdings an einem viel kleineren Gewässer, nämlich an der Donau. Die Liebe brachte sie schließlich in den Norden und nun fühlt sie sich sehr wohl hier. An Oldenburg mag sie besonders die schöne Architektur, das reichhaltige Kulturprogramm und nicht zuletzt die vielen kreativen, engagierten, hilfsbereiten, offenen Menschen. Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie auf Kreativ- oder Flohmärkten unterwegs, besucht Konzerte oder erkundet die Stadt und ihre Umgebung. Über ihre Erlebnisse in Stadt und Region berichtet sie auch online, auf www.deroldenburgblog.de

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