Dokusoap Episode 451 ist ein richtiges Theater-Experiment, das man auf sehr vielschichtige Weise betrachten kann., © Eva von Holt
22.02.2018

Dokusoap. Episode 451

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von HoltAutor: Eva
Eva von Holt schnuppert seit 2011 Oldenburger Luft. Nach Donau und Ostsee hat sie die Liebe nun an die Hunte verschlagen. Und sie findet ihre neue Heimat wunderschön.

Wie glaubwürdig ist das, was uns das Fernsehen als „Reality“ präsentiert? Diese Fragen stellen sich die Macher des Stücks „Dokusoap Episode 451“, das am Freitag in der Exerzierhalle Premiere feiert.

Effekthaschende TV-Shows zeigen, vor allem auf den Privatsendern, tagein tagaus wie es – vermeintlich – in deutschen Wohnzimmern aussieht. Und viele Menschen schalten ein; selbst wenn sich langsam rumgesprochen hat, dass die gezeigte „Realität“ einem Drehbuch folgt.

„Dokusoap Episode 451“ hält der aktuellen Fernsehlandschaft den Spiegel vor und offenbart, dass bei den großen TV-Gefühlen oft viel zu dick aufgetragen wird. Als Zuschauer/in wird man auf die gängigen Plattitüden (der gemütliche Bayer; die kinderreiche Wirtsfamilie oder die einfältigen Handwerker) genauso gestoßen wie auf die dramatische Überspitzung von alltäglichen Problemen. So wird der Sohn mit angeborenem Herzfehler immer wieder ins Zentrum der ganzen Sendung gerückt und ein bisschen Schimmel an der Wand macht ein Zimmer gleich zur „Gruselküche“.

Das Format des Stücks ist experimentell – die Dialoge, die eigentlich zu platt klingen, um „wahr“ (also aus dem Fernsehen) zu sein, entstammen tatsächlich 1:1 einer deutschen Realityshow.

Nach der ersten Hauptprobe (mit einem Testpublikum im Zuschauerraum) ist Dramaturg Jonas Hennicke ganz gespannt auf das Feedback der Oldenburger/innen. In einer kleinen Runde wird über die eingebauten Unterbrechungen diskutiert (zu 100% getroffen, die wiederkehrenden Jingle-Botschaften sind „genauso nervig wie echte Werbepausen“), aber auch über Parallelen zur griechischen Tragödie und  Anspielungen auf amerikanische Heiler-Sendungen zu Beginn und Ende des Stücks.

Die Testzuschauer sind angetan vom Stück und Jonas Hennicke ist beruhigt: „Am Anfang dachte ich: das klappt niemals. Bei anderen Stücken weiß man oft gleich wo es hingehen soll. Hier war das Ergebnis total offen.“ Ein richtiges Theater-Experiment eben, das man auf sehr vielschichtige Weise betrachten kann.

"Dokusoap. Episode 451" läuft im Staatstheater noch bis zum 16.03.2018. Weitere Informationen und Karten zum Stück gibt es auf www.staatstheater.de.

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt

Autor: Eva

Eva lebt seit 2011 im wunderschönen Oldenburg. Bevor sie hierher kam, hat sie schon vier Jahre (Ost)Seeluft in Rostock geschnuppert und Germanistik studiert. Aufgewachsen ist sie allerdings an einem viel kleineren Gewässer, nämlich an der Donau. Die Liebe brachte sie schließlich in den Norden und nun fühlt sie sich sehr wohl hier. An Oldenburg mag sie besonders die schöne Architektur, das reichhaltige Kulturprogramm und nicht zuletzt die vielen kreativen, engagierten, hilfsbereiten, offenen Menschen. Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie auf Kreativ- oder Flohmärkten unterwegs, besucht Konzerte oder erkundet die Stadt und ihre Umgebung. Über ihre Erlebnisse in Stadt und Region berichtet sie auch online, auf www.deroldenburgblog.de

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