Detailansicht der Insektenwiese am Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg., © Melanie Tönies
05.09.2019

Von Blumen, Bienen und Schmetterlingen

Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln., © Melanie Tönnies Autor: Mel
Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln.

Das Jahr 2019 wurde nicht ohne Grund als „Insektenjahr“ ausgerufen. Die kleinen Vielbeiner, die in unseren Gärten, Wäldern und auf Wiesen herumschwirren, sind in großer Gefahr: Schon jetzt sind einige Arten vom Aussterben bedroht. Die Folgen eines großen Insektensterbens wären auch für uns Menschen gravierend, denn Insekten tragen unter anderem zur Bestäubung von Nutzpflanzen bei, die später auch von uns verzehrt werden wollen.

Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken und auf die heimischen Insekten aufmerksam zu machen, hat das Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg seit einiger Zeit eine insektenfreundliche Wiese direkt vor dem Gebäude am Damm 42-44 eingerichtet. Ich habe mich mit den beiden Museumsmitarbeitern, der Biologin Dr. Christina Barilaro und dem Entomologen (Insektenkundler) Michael Demanowski, getroffen und mir erklären lassen, was eine insektenfreundliche Wiese ausmacht und wie jeder Mensch etwas dazu beitragen kann, dass uns die so wichtigen Tierchen erhalten bleiben.

Die Planung der insektenfreundlichen Wiese vor dem Museum reicht schon bis in den Herbst des Jahres 2016 zurück. Seinerzeit entschloss das Museum, zusammen mit der Schmetterlings-AG des NABU in Oldenburg, in dieser Hinsicht tätig zu werden, wie mir Dr. Barilaro erzählt. War ein Teil der Rasenfläche vor dem Museumsgebäude zunächst als Schmetterlingswiese eingerichtet worden, kam im späteren Verlauf auch ein Bereich hinzu, der sich an alle Insektenarten, vor allem aber an heimische Bienenarten, richten sollte.

Auch wenn der erste Blick auf die Wiese ein wenig chaotisch wirkt und nach Wildwuchs aussieht, verfolgt die Fläche durchaus ein Prinzip. Besonders mager muss der Boden sein, berichtet Dr. Barilaro, so dass vor der ersten Aussaat ein Abtragen der Grasnabe und das Einbringen von sandigem Boden notwendig war. Damit sich alle Pflanzen gleichmäßig entwickeln und keine Art buchstäblich im Schatten der anderen steht, ist auch ein- bis zweimal im Jahr der Einsatz einer Sense notwendig. Selbst die Zusammensetzung der Pflanzen hat System: Auf der Insektenwiese kommen solche Arten zum Einsatz, die sich an den Bedürfnissen der Insekten orientieren. So benötigen beispielsweise „ausgewachsene“ Schmetterlinge andere Futterpflanzen als deren Larven.

Bei meinem Besuch auf der Insektenwiese des Museums spielt das Oldenburger Wetter leider alles andere als mit. Nichtsdestotrotz entdeckt Insekten-Experte Michael Demanowski bei starker Bewölkung und zwischenzeitlichen Regenschauern gleich einige der begehrten Tierchen in und auf den Pflanzen. Schwebfliegen und auch eine kleine Biene sind selbst bei diesem Mistwetter unterwegs. Bei besseren Witterungsbedingungen könne man hier auch Schmetterlinge wie den Kleinen Fuchs oder Zitronenfalter, Wild- und Honigbienen, Goldwespen, sowie verschiedene Käfer, Raupen und Spinnen entdecken, erklärt Demanowski.

Natürlich hat nicht jeder insektenfreundliche Mensch eine so große Gartenfläche zur Verfügung, um den heimischen Arten das Leben zu erleichtern. Hier weiß Dr. Christina Barilaro Rat: Selbst kleine Blumenkübel oder -kästen auf dem Balkon, in die insektenfreundliches Saatgut gepflanzt wird, können den Tieren helfen. Wichtig dabei ist, nur Saaten zu verwenden, die regionale Pflanzenarten aufweisen. Beispiele dafür sind Schafgarbe, Kornblumen, Wilde Möhre, Ferkelkraut, Hornklee, Spitzwegerich, Löwenzahn und Scharfer Hahnenfuß. Entsprechend zusammengesetzte Saatmischungen, so Barilaro, lassen sich heutzutage bequem im Internet bestellen, beispielsweise bei saaten-zeller.de.

Besonders schön zur Geltung kommen zudem Pflanzen wie Lavendel, Flieder oder Disteln. Auch mit sogenannten Insektenhotels, die man an einem sonnigen Standort ab März des Jahres aufstellen sollte, kann man Insekten unterstützen, ebenso durch selteneres Rasenmähen oder sandige Bereiche, in denen am Boden lebende Insekten Unterschlupf finden können.

Wer wissen will, was alles auf der eigenen Insektenwiese kreucht und fleucht, kann sich in insektenkundlichen Workshops des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg informieren. Alle Veranstaltungen finden sich auch auf der Website des Museums: www.naturundmensch.de.

Die insektenfreundliche Wiese ist jederzeit kostenlos vor dem Museumsgebäude am Damm 42-44 zugänglich und wird bald mit einer entsprechenden Infotafel, sowie ab Oktober dieses Jahres auch mit einem Insektenhotel ausgestattet werden. Selbst ein kleiner Abstecher im Vorbeifahren lohnt daher auf jeden Fall: Es gibt viel zu entdecken auf dieser bunten und sehr lebendigen Wiese.

Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln., © Melanie Tönnies

Autor: Mel

Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln. Mittlerweile arbeitet sie als Online-Redakteurin für ein Apple-Magazin und steht in ihrer Freizeit am liebsten im Oldenburger Unikum/OUT auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Vom Probenstress erholt sie sich auf ihrem Rennrad, am Gamepad ihrer PS4 und vor allem am Meer - das ist ja glücklicherweise gleich um die Ecke.

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