Das Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg von außen., © Johannes Klaus
18.01.2018

Archäologe auf Probe

Johannes Klaus ist Blogger, Grafiker und Reisender., © Marianna Hillmer Autor: Johannes
Johannes Klaus ist preisgekrönter Reiseblogger aus Leidenschaft. Er sagt von sich selber "Ich mach was mir gefällt" - die Essenz seiner Arbeits- (und Lebens-) Philosophie.

„Ich möchte Archäologe werden!“ Dominik ist seit knapp drei Wochen Teil des Teams des Landesmuseums für Natur und Mensch in Oldenburg. Ein Museum mit einer langen Geschichte – seit 1836 wird hier gesammelt, geforscht, gezeigt und erklärt. „Bevor ich studiere möchte ich hier tiefer ins Thema einsteigen.“ Jedes Jahr gibt es am Museum einen Platz für das FSJ Kultur, eine Unterform des Freiwilligen Sozialen Jahrs. Eingebettet ist der Arbeitsplatz in der Öffentlichkeitsarbeit und der Museumspädagogik – je nach Interesse kann man aber auch in die wissenschaftlichen Bereiche des Museums eintauchen. 

„Es ist faszinierend zu sehen, wie viel  praktisches Wissen schon in der Steinzeit da war – nur wussten sie nicht, warum es so funktioniert“, erzählt mir der 17-jährige Oldenburger, als er mich durch die ständige Ausstellung führt. Obwohl er erst so kurz dabei ist, hat er schon einiges Wissen mitgenommen. Dominik zeigt mir, wie mit einer cleveren Vorrichtung Speere viel weiter als per Hand geworfen werden konnten, wie ein steinzeitliches Grab aus riesigen Felsbrocken gebaut wurde.  Wir kommen in einen Saal mit präparierten Tieren, ein Faultier, ein Koala, teilweise sind sie über 100 Jahre alt. „Bei manchen dieser Tiere hatte ich bis jetzt nicht mal eine Ahnung, dass sie auf dieser Welt rumlaufen...“  Eine riesige Moorwand steht zentral im angrenzenden Raum, in zwei Hohlräumen liegen kleine, erstaunlich erhaltene Leichen – das Herzstück der Sammlung.

„Wollt ihr einen Blick in unser Lager werfen?“ Tosca Friedrich begrüßt uns. Sie ist die Archäologin des Landesmuseums und Dozentin an der Hamburger Universität. „Etwas Besonderes an unserer Sammlung ist, dass wir in der Region im Moor konservierte organische Materialien finden – wir haben Moorleichen, erhaltene Holzprodukte, das ist äußerst selten“, erzählt sie begeistert. Sie zeigt uns Waffen und Werkzeuge aus der Steinzeit, säuberlich in Plastiktüten verpackt und beschriftet. Regale voller Tongefäße, Vasen und Urnen, teilweise mit menschlichen Überresten.

„Ich finde das so toll, was es mir erzählt. Wenn man weiß, dass hat wirklich jemand vor ein paar tausend Jahren in der Hand gehalten, dann denke ich, wow, das hat sich niemand ausgedacht, das ist wirklich passiert, und ich habe dann das Gefühl den Menschen von früher nahe zu kommen.“ Ihre Leidenschaft ist ansteckend. „Ganz viele Dinge hier im Magazin sind noch nicht bearbeitet worden – da kann man noch viel forschen!“

In diesem Museum kann man sehr plastisch eine Vorstellung von längst vergangenen Zeiten bekommen, als unsere Urahnen lebten, jagten und feierten. In Workshops kann man mit eigenen Händen probieren, wie sich das Leben damals anfühlte, herausfinden, was es in der Natur zu erleben gibt, es gibt Taschenlampenführungen, einen Poetry Slam, auch Dominik wird bei vielen Events mitwirken können. Auch möchte er die Social Media Präsenz des Museums verbessern, um mehr junge Menschen anzusprechen. Und ich bin mir beinahe sicher, dass er am Ende mehr von Tosca gelernt haben wird als nach einem Semester an der Uni...

Weitere Infos

Informationen zu den Angeboten und aktuellen Ausstellungen im Landesmuseum Natur und Mensch gibt es auf www.naturundmensch.de.

Johannes Klaus ist Blogger, Grafiker und Reisender., © Marianna Hillmer

Autor: Johannes

Blogger, Grafiker, Reisender. Sein Blog Reisedepeschen wurde 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Seit 2013 ist Johannes Klaus Herausgeber von Reisedepeschen, 2015 gründete er die multimediale Storytellingplattform The Travel Episodes. Er ist Herausgeber der gleichnamigen Buchreihe, die bei Malik National Geographic erscheint.

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