Raumaufnahme der Ausstellung "Herkunft verpflichtet", © Sven Adelaide
04.01.2018

Herkunft verpflichtet

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt Autor: Eva
Eva von Holt schnuppert seit 2011 Oldenburger Luft. Nach Donau und Ostsee hat sie die Liebe nun an die Hunte verschlagen. Und sie findet ihre neue Heimat wunderschön.

„Was verbirgt sich hinter diesem Gemälde?“, diese ungewöhnliche Frage stellen sich wahrscheinlich nur wenige Menschen, wenn sie in ein Museum gehen. Doch für Dr. Marcus Kenzler ist diese Frage entscheidend. Denn der Oldenburger Wissenschaftler ist einer von rund 175 deutschen Provenienzforschern.

Provenienz – noch nie gehört? Das Wort kommt aus dem Lateinischen und meint die Herkunft einer Sache oder Person. Welche Geschichte steckt also hinter einem Kunstwerk? Ist es vielleicht NS-Raubkunst und wurde seinen Besitzern entwendet? Oder wurde es, mit dem Status „entartete Kunst“, aus einem Museum entfernt? Jedenfalls ist sich Dr. Kenzler sicher, dass sich in nahezu jedem deutschen Museum ein Objekt mit solch einer „dunklen Vergangenheit“ befindet - auch im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg.

Um diese Kunst- und Kulturgegenstände ausfindig zu machen und – wenn möglich – den Erben der ehemaligen Eigentümer zurückzugeben, wurde Dr. Kenzler Anfang 2011 mit der hauseigenen Provenienzforschung betraut. Dabei begibt er sich  auf eine spannende Spurensuche: „Ich lese Stempel mit der Lupe, deute Hinweise und lege Familienstammbäume an.“ Auch die Inventardaten, die jedes Museum über seine Ausstellungsstücke führt, können erste Aufschlüsse über die Herkunft geben: Wann wurde das Objekt angekauft? Wer war der Vorbesitzer? Leider gibt es auf die vielen Fragen, die der Forscher an ein Kunstwerk richtet, nicht immer die passenden Antworten.

Doch Dr. Kenzler stellt sich dieser Herausforderung und zieht nun erstmals, nach knapp sieben Jahren, öffentlich Bilanz. Zusammen mit seiner Forschungsarbeit verlässt er das stille Kämmerlein und präsentiert die Provenienzforschung auf der großen Bühne einer eigenen Ausstellung mit dem Titel: „Herkunft verpflichtet! Die Geschichte hinter den Werken“ (bis 25. Februar 2018).

Aber wie plant und präsentiert man eine Ausstellung über so ein spezielles, wissenschaftliches Forschungsgebiet? „Bei der Planung der Sonderausstellung war die größte Frage für mich: Wie kann man Forschung zeigen? Und zwar auch so, dass sie nicht dröge, sondern interessant ist?“, berichtet Dr. Kenzler.

Seine Lösung: Die Forschungsergebnisse in einen übergeordneten Rahmen stellen, Begrifflichkeiten genau erklären und relevante historische Ereignisse wie den aus den Medien bekannten Fall des „Schwabinger Kunstfunds“ um Cornelius Gurlitt aufgreifen. Das ist das Grundkonzept. Und die Darstellung? Große Banner und Wandgestaltungen erklären ausgewählte Schlagworte der (Oldenburger) Provenienzforschung. Umgedrehte Gemälde und Rahmen offenbaren das, was sonst verborgen bleibt: rätselhafte Aufkleber oder Stempel. Und ein kleiner Film zeigt den begeisterten Provenienzforscher bei seiner Arbeit. Sein Anspruch der größtmöglichen Anschaulichkeit ist ihm also geglückt.

Bei der Vorbereitung der Sonderausstellung und dem dazugehörigen Begleitprogramm hatte der Wissenschaftler sichtlich Spaß. Doch auch einen anderen Teil seiner Arbeit findet er besonders schön: Wenn „Raubkunst“ an ihre rechtmäßigen Eigentümer oder besser gesagt deren Nachkommen zurückgegeben werden kann. „Manche sind dann ganz überrascht, wenn ich mich bei ihnen melde und sage, dass sie etwas zurückbekommen.“ Und so trägt die Provenienzforschung für Dr. Kenzler, auch wenn sie sich oft mit traurigen Schicksalen beschäftigen muss, zu einer späten Gerechtigkeit bei. Denn: Herkunft verpflichtet!

Weitere Infos:

Die Ausstellung "Herkunft verpflichtet" läuft noch bis zum 25. Februar 2018. Informationen, Preise und Öffnungszeiten zur Ausstellung gibt es hier.

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt

Autor: Eva

Eva lebt seit 2011 im wunderschönen Oldenburg. Bevor sie hierher kam, hat sie schon vier Jahre (Ost)Seeluft in Rostock geschnuppert und Germanistik studiert. Aufgewachsen ist sie allerdings an einem viel kleineren Gewässer, nämlich an der Donau. Die Liebe brachte sie schließlich in den Norden und nun fühlt sie sich sehr wohl hier. An Oldenburg mag sie besonders die schöne Architektur, das reichhaltige Kulturprogramm und nicht zuletzt die vielen kreativen, engagierten, hilfsbereiten, offenen Menschen. Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie auf Kreativ- oder Flohmärkten unterwegs, besucht Konzerte oder erkundet die Stadt und ihre Umgebung. Über ihre Erlebnisse in Stadt und Region berichtet sie auch online, auf www.deroldenburgblog.de

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