Wer sich für das Leben von Anton Günther interessiert, ist in der Dauerausstellung im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte gut aufgehoben., © OTM
06.06.2018

Das Leben von Graf Anton Günther

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt Autor: Eva
Eva von Holt schnuppert seit 2011 Oldenburger Luft. Nach Donau und Ostsee hat sie die Liebe nun an die Hunte verschlagen. Und sie findet ihre neue Heimat wunderschön.

Vor 400 Jahren ging es in Oldenburg noch sehr herrschaftlich zu. Und im Zentrum dieser Herrschaftlichkeit stand das schöne gelbe Schloss, das heute noch das Symbol für unsere Stadt ist. Und genau das werde ich heute besuchen.


Ich bin hier, um in die Geschichte von Graf Anton Günther einzutauchen, der von 1603 bis 1667 unsere schöne Stadt, mitsamt Umland, regiert hat. Er war wirklich eine interessante Persönlichkeit: leidenschaftlicher Jäger, aber bedacht darauf, Oldenburg aus dem Dreißigjährigen Krieg heraus zu halten; altmodisch in seinem Kleidungsstil, aber modern in seinen Visionen. Ich frage mich, wie er so gelebt hat, von welchen Menschen er umgeben war und was so ein Graf eigentlich den ganzen Tag gemacht hat.

Aber kommt doch einfach mit! Unsere Reise in die Vergangenheit beginnt im Jahre 1603. Anton Günther ist 20 Jahre alt, hat gerade die Regierungsgeschäfte übernommen und bricht erst einmal auf, um in ganz Deutschland eine passende Heiratskandidatin zu finden.

Auf seiner Reise kommt er an vielen prächtigen Schlössern vorbei, die ihn schließlich dazu inspirieren, seine altmodische Wasserburg komplett neuzugestalten. Er legt den Grundstein für das Oldenburger Schloss mit seiner schönen Fassade, die wir bis heute kennen.

Obwohl seine Brautschau leider erfolglos geblieben ist, muss unser Graf nicht alleine leben. In seinem neuen Prachtbau wohnen nämlich 300 Menschen! Unter ihnen natürlich viel Dienstpersonal, aber auch solche mit ganz besonderen Funktionen. Zum Beispiel die „Trabanten“, die im Schloss erzogen werden und eine Art Leibgarde für Anton Günther sind. Oder der schlosseigene Trompeter, der im Turmzimmer lebt und immer zu den Mahlzeiten vom höchsten Platz aus das Signal gibt, die Tore zu schließen.


Apropos Essen: Das nehmen die Schlossbewohner gemeinsam im großen Saal ein - das Dienstpersonal und der Adel anfangs noch zusammen, später dann getrennt voneinander. Zum Frühstück um 7 Uhr wird die sogenannte „Morgensuppe“ serviert. Heute wäre das wohl eine Mischung aus Haferbrei und Müsli mit schleimiger Konsistenz.


Bis zum Mittagessen bleibt Anton Günther dann in seinem Arbeitszimmer, direkt über dem Schlosseingang, mit Blick auf den schönen Schlossplatz (der damals natürlich noch ganz anders aussah). Dort empfängt der Regent auch seine Besucher, um ihnen bei einem Blick aus dem Fenster seine Pferde und Kutschen vorführen zu können.


Nachmittags geht Anton Günther gerne mit seinen Gästen auf die Jagd und sorgt natürlich auch nach dem Abendessen für deren Unterhaltung. Dafür hat er mehrere Musiker und einen Komiker im Schloss angestellt. Und bei diesen Feierlichkeiten wird – wie historische Quellen belegen – sehr viel Bier getrunken.

Und Wein. Letzterer sprudelt sogar aus einer wahrlichen Sensation für alle Beteiligten dieser Feste: einem Weinbrunnen! Den gibt es heute leider nicht mehr und auch der Festsaal hat sich verändert. Aus einem großen Raum, der 1.000 Personen Platz bot, wurden im Laufe der Jahre drei Räume gemacht.

Aber warum wurde im Schloss eigentlich so viel Alkohol getrunken? Vielleicht liegt es daran, dass alkoholhaltige Getränke den Körper von innen wärmen können. Im Oldenburger Schloss ist es vor 400 Jahren nämlich noch ziemlich kalt. Nur wenige Räume sind überhaupt beheizbar – meist nur die, in denen die Frauen leben – und wenn dann werden sie mit Torf beheizt, was nicht allzu viel Wärme produziert. Im Sommer, wenn es nicht so kalt ist, steht das Schloss allerdings leer, denn Anton Günther residiert zu dieser Jahreszeit immer in seinem Jagdschloss in Rastede.

Das muss ich mir auch mal anschauen – aber nicht mehr heute!
Wenn ihr euch noch mehr für das Leben von Anton Günther interessiert, kann ich euch die Dauerausstellung im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sehr ans Herz legen. Weitere Informationen gibt es hier: www.landesmuseum-ol.de.

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt

Autor: Eva

Eva lebt seit 2011 im wunderschönen Oldenburg. Bevor sie hierher kam, hat sie schon vier Jahre (Ost)Seeluft in Rostock geschnuppert und Germanistik studiert. Aufgewachsen ist sie allerdings an einem viel kleineren Gewässer, nämlich an der Donau. Die Liebe brachte sie schließlich in den Norden und nun fühlt sie sich sehr wohl hier. An Oldenburg mag sie besonders die schöne Architektur, das reichhaltige Kulturprogramm und nicht zuletzt die vielen kreativen, engagierten, hilfsbereiten, offenen Menschen. Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie auf Kreativ- oder Flohmärkten unterwegs, besucht Konzerte oder erkundet die Stadt und ihre Umgebung. Über ihre Erlebnisse in Stadt und Region berichtet sie auch online, auf www.deroldenburgblog.de

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