Hermann Gautel, Robert Lenz, Hin Bredendieck? und Lony Neumann? um 1929, © Unbekannter Fotograf (Erich Krause?), Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
21.05.2019

Das Bauhaus in Oldenburg

Maren Janka Hopp ist Volontärin beim Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg., © Maren Janka Hopp Autor: Maren
Maren Janka Hopp ist Volontärin beim Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg

Bereits hundert Jahre ist es her, dass Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus als Schule für Gestaltung gründete. In ganz Deutschland wird das Jubiläum mit Veranstaltungen und Ausstellungen gefeiert. Auch das Landesmuseum Oldenburg widmet sich mit der Sonderausstellung der einflussreichen Hochschule für Gestaltung. Doch was hat Oldenburg mit dem Bauhaus zu tun?

Sehr viel, wie die Schau „Zwischen Utopie und Anpassung – Das Bauhaus in Oldenburg“ auf eindrucksvolle Weise zeigt. Bereits als eines der ersten Museen in Deutschland sammelte und präsentierte das Landesmuseum Oldenburg in den 20er Jahren Bauhausmöbel und -produkte. Zudem organisierte die Oldenburger Vereinigung für junge Kunst schon früh Ausstellungen, in denen am Bauhaus entstandene Werke präsentiert wurden. Doch das ist nicht alles: Zwischen 1923 und 1927 brachen vier junge Männer aus Oldenburg und Ostfriesland nach Weimar beziehungsweise Dessau auf, wo sie die innovativen Ideen des Bauhauses kennenlernten. Anhand ihrer bewegenden und sehr unterschiedlichen Lebenswege rekonstruiert die Ausstellung die Entwicklungen des Bauhaus-Impulses von seinen Anfängen bis in die heutige Zeit.

Das Bauhaus-Küken

Zum einen ist da Hans Martin Fricke, ein gebürtiger Oldenburger, der mit nur 16 Jahren in Weimar die Tischlerei-Werkstatt besuchte und schließlich in Dessau die Gesellenprüfung ablegte. Mitte der 20er Jahre entschied er sich für ein Architekturstudium in Oldenburg und kehrte in seine Heimat zurück. Seit 1926 war er als Architekt in Oldenburg und Bremen tätig. Während der NS-Zeit fungierte er als hochrangiger Kulturfunktionär. In der Nachkriegszeit wurde er zu einer bedeutenden Kraft der Architektur der 50er Jahre in Oldenburg – ein Lebenslauf, in dem sich die deutsche Geschichte mit all ihren Verwerfungen widerspiegelt. Seine NS-Vergangenheit wurde nicht aufgearbeitet und er realisierte zahlreiche Wohnhäuser und Geschäftsbauten, wie das Bürohaus des Bauunternehmers Ludwig Freytag in Oldenburg.

Ein Experte für das Licht

Ebenfalls aus Oldenburg stammt Hermann Gautel, der zusammen mit Hin Bredendieck in Dessau in der Metallwerkstatt arbeitete. Dort entwarfen sie unter anderem mit Marianne Brandt Lampen für die Leipziger Leuchtenfirma Körting & Mathiesen. Als es auch ihn 1933 zurück nach Oldenburg zog, eröffnete er ein innovatives Einrichtungsgeschäft und gab so die Ideen des modernen Innenraumdesigns in die Region weiter. Die ausgestellten Fotografien seines Schaufensters zeigen jedoch deutlich, dass er sich nur zum Teil an der klaren Formensprache des Bauhauses orientierte. Ein bisschen provinzielle Gemütlichkeit musste es für die Oldenburger dann doch geben. Ein plötzliches Ende fand Gautels künstlerische Tätigkeit, als er in den Kriegsdienst berufen wurde und aus diesem nicht wieder zurückkehrte.

Eine Avantgarde-Galerie für Oldenburg

Der dritte im Bunde der Oldenburger Bauhäusler ist Karl Schwoon. Bevor es ihn nach Dessau zog, begann er eine Ausbildung im Malersaal des Oldenburger Landestheaters. Am Oldenburger Werkhaus bildete er sich in Abendkursen fort und lernte dort Hermann Gautel kennen. Da bereits seine frühen Arbeiten sehr vielversprechend waren, empfahl ihm Walter Müller-Wulckow, sein Studium am Bauhaus fortzusetzen. In Dessau angekommen, waren es vor allem Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer, die ihn maßgeblich beeinflussten. Zwischen 1943 und 1945 arbeitete Schwoon als Bildberichterstatter in Frankreich und an der Ostfront. In britischer Gefangenschaft überlebte er den Krieg, doch wurde fast sein gesamtes Frühwerk 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Zurück in Oldenburg prägte er dort das Kulturleben als Geschäftsführer des Oldenburger Kunstvereins und als Inhaber der galerie schwoon, der ersten Oldenburger Avantgardegalerie der Nachkriegszeit.

Ein Ostfriese in Amerika

Besondere Aufmerksamkeit bekommt der in Aurich geborene Hin Bredendieck, der zu den einflussreichsten und am nachhaltigsten wirkenden Vertretern der Bauhaus-Ideen in Amerika zählt. Nachdem ihm die Kunstgewerbeschulen in Stuttgart und Hamburg aufgrund ihrer rückwärtsgewandten Ausbildungsweise nicht zusagten, kam er im Sommer 1927 nach Dessau, wo er sich gleich zu Hause fühlte. Nach seinem Abschluss arbeitete er in den Werbeateliers von Moholy-Nagy und Bayer in Berlin. 1932 nahm er eine Arbeit in der Schweiz an und entwickelte zusammen mit Sigfried Giedion wegweisende Entwürfe neuer Leuchten, die durch indirektes Licht überzeugen. Angesichts der sich zuspitzenden politischen und wirtschaftlichen Situation emigrierte Bredendieck 1937 in die USA, wo er am New Bauhaus Chicago einen Lehrauftrag erhielt. Dort entstanden in Zusammenarbeit mit Nathan Lerner etwa zehn Jahre später Möbel, die bereits als fertige Bausätze verkauft wurden und zuhause zusammengebaut werden konnten – Ikea á la Bauhaus!

 

Zwischen Utopie und Anpassung

Die Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung“ zeichnet die individuellen Wege der vier nordwestdeutschen Bauhäusler bis zum kulturellen Wiederaufbau nach. Als Ergebnis eines zweijährigen Forschungsprojektes können der Geschichtsschreibung des Bauhauses vier bis dato unbekannte Akteure hinzugefügt werden. Exponate wie der Studentenausweis von Hermann Gautel, dessen Bauhaus-Zeugnis oder eine Fotografie von Hin Bredendiecks Arbeitsplatz in Dessau geben einen ganz persönlichen Einblick in die Talentschmiede Bauhaus. Viele Entwürfe und Dokumente werden erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, während einige Designstücke bereits zu Ikonen der Moderne geworden sind.

Maren Janka Hopp ist Volontärin beim Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg., © Maren Janka Hopp

Autor: Maren

Maren Janka Hopp ist im Februar 2019 für ein Volontariat beim Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte nach Oldenburg gekommen. Nach der Schule war für sie schnell klar, dass sie Kunstgeschichte studieren will. So zog es sie erst nach Bonn und anschließend nach Würzburg. Dort entdeckte Maren auch ihr Hobby das Buchbinden und Journaling für sich. Schließlich kam sie über Köln nach Oldenburg. Wenn sie dort nicht gerade im Museum ist, findet man die gebürtige Lingenerin in ihrer kleinen Werkstatt, in der sie mit Leidenschaft Notizbücher mit schlichtem Design fertigt.

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