Unheimliche Figuren sind ein zentrales Motiv auf den großformatigen Holzdrucken und Druckplatten von Gustav Kluge., © Katrin von Harten-Wübbena
28.02.2019

Gustav Kluge schnitzt Dämonen

Es gibt keinen schöneren Studienort als Oldenburg! Davon ist Katrin von Harten-Wübbena überzeugt. Während ihres Studiums lernte sie die Stadt und die Kultur schätzen. Aktuell ist sie Volontärin bei einer Tageszeitung…, © Katrin von Harten-Wübbena Autor: Katrin
Es gibt keinen schöneren Studienort als Oldenburg! Davon ist Katrin von Harten-Wübbena überzeugt. Während ihres Studiums lernte sie die Stadt und die Kultur schätzen.

Wenn ihr Dämonen und dunkle Gestalten sehen wollt, seid ihr im Horst-Janssen-Museum richtig aufgehoben. Unheimliche Figuren sind ein zentrales Motiv auf den großformatigen Holzdrucken und Druckplatten von Gustav Kluge. So ist in seiner Ausstellung „Rote Watte – Druckstöcke und Holzdrucke“ eine dunkelblaue Person mit weit aufgerissenem Mund zu sehen. Sie erinnert an die einprägsame Figur in dem Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch. Auf einem anderen Werk ist eine schwarze Gestalt zu erkennen, die ein Organ vor sich trägt – es sieht aus wie ein menschliches Herz. Wieder ein anderer Druck zeigt Jesus, umringt von schwarzen Wesen. „Das sind Dämonen“, sagt der Künstler zögerlich, der sich optisch kaum von seinen Figuren unterscheidet.

Kluge trägt eine schwarze Hose, einen dunkelblauen Pullover und einem schwarzen Mantel. Die tiefbraunen Kreise seines Brillengestells lassen seine Haut bleich wirken, Haare hat er kaum noch und seine Mundwinkel sind leicht nach unten geneigt. Doch deprimiert ist Kluge keinesfalls. „Ich bin ein nachdenklicher Typ.“ Finstere Gedanken habe er keine – obwohl seine Motive düster wirken. „Ich wähle oft schwarz für meine Figuren, weil es die ausdrucksstärkste Druckfarbe ist“, erklärt der 71-Jährige, der in Hamburg und Starnberg lebt. Er selber nehme seine kreierten Figuren auch nicht als düster wahr. Und dass er keine bunte Kleidung tragen würde, sei reiner Zufall.  

Kind der Nachkriegszeit

Dennoch hat Kluge, 1947 geboren, als Kind der Nachkriegszeit die Auswirkungen des Krieges erlebt. Seine Lehrer waren Kriegsveteranen, sein Vater Kriegsinvalide. Sie kämpften als Soldaten in der Schlacht und litten unter den Folgen. „Ich habe in meiner Kindheit in einer kaputten und zerstörten Welt gelebt“, sagt Kluge. Er habe die Städte Wilhelmshaven und Hannover in Trümmern gesehen. „Im Jahr 1950 gab es noch viele zerstörte Teile.“ Prägende Erlebnisse, die er seiner Ansicht nach „wenn, dann nur unterbewusst“ in seinen Kunstwerken verarbeitet hat. 

Die Bibel in der Jackentasche

Ganz bewusst hingegen setzt sich Gustav Kluge mit Literatur auseinander. Vor allem ein Werk hat es ihm angetan: Die Bibel. Er zieht das kleine schwarze Buch aus seiner Jackentasche. „Das ist eine interessante Lektüre. Schon Berthold Brecht hat gesagt, dass die Bibel das beste Buch der Welt sei. Dem kann ich nur zustimmen, die Bibel kann ich öfter lesen.“ Bei anderen Büchern würde es dagegen ausreichen sie ein einziges Mal zu lesen. Er zeigt auf einen Krimi. Die Bibel offenbare ihm immer wieder Neues. Er ist bekennender Christ, setzt sich aber auch gerne mit anderen Glaubensrichtungen auseinander wie beispielsweise dem Buddhismus.  

Biblische Geschichten verarbeitet er auf seine eigene kreative Art in seinen Kunstwerken. Er möchte sich von bekannten Bildern Michelangelos oder Albrecht Dürers abgrenzen und eine eigene Bildwelt erschaffen. So hat er die Apokalypse oder auch „Die Offenbarung des Johannes“, die sich im Neuen Testament befindet, mit einem Teil eines menschlichen Skeletts dargestellt. Ein Becken, eine extrem lange Wirbelsäule mit Rippenbogen sollen auf das Unheil vorausdeuten. Das Fragment soll symbolisch der Griffel (Stift) sein, mit dem Johannes die sieben Briefe verfasste, die auf den Weltuntergang hindeuten. Dieses Bild ist nur eins von sieben, von seiner „Sieben Nischen Partitur“, die er ursprünglich für die Christianskriche in Hamburg erstellt hat und die nun im Horst-Janssen-Museum zu sehen sind. Auch hier kommt wieder die schwarze Druckfarbe zum Zuge, die die Figuren finster wirken lassen.  Auch die eingangs erwähnten Dämonen lassen sich in dieser Bilderserie finden.  


Die Ausstellung „Rote Watte – Druckstöcke und Holzdrucke“ läuft noch bis 24. März 2019. Das Horst-Janssen-Museum hat immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise

Tageskarte: 3,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Freier Eintritt für Studierende der Universität Oldenburg und der Jade Hochschule.

Nähere Informationen könnt ihr auf folgender Internetseite finden:
www.horst-janssen-museum.de

Es gibt keinen schöneren Studienort als Oldenburg! Davon ist Katrin von Harten-Wübbena überzeugt. Während ihres Studiums lernte sie die Stadt und die Kultur schätzen. Aktuell ist sie Volontärin bei einer Tageszeitung…, © Katrin von Harten-Wübbena

Autor: Katrin

Es gibt keinen schöneren Studienort als Oldenburg! Davon ist Katrin von Harten-Wübbena überzeugt. Während ihres Studiums lernte sie die Stadt und die Kultur schätzen. Aktuell ist sie Volontärin bei einer Tageszeitung…

Katrin von Harten-Wübbena ist Volontärin bei einer Tageszeitung - dem Anzeiger für Harlingerland in Wittmund. Während ihres Studiums der Kunst- und Medienwissenschaften sowie der Wirtschaftswissenschaften lebte die Ostfriesin in Oldenburg. Zusammen mit ihren Kommilitonen zog sie regelmäßig durch die Oldenburger Museen - das Ziel: Exkursionsscheine für das Kunststudium sammeln. Der Nebeneffekt: So lernte sie alle Kultureinrichtungen kennen und lieben. Heute wohnt sie wieder in Ostfriesland, ist aber des Öfteren in Oldenburg und besucht auch heute noch mit ihren ehemaligen Studienkollegen Ausstellungen und trifft kreative Menschen.

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