Kunst ist immer Illusion und Illusion ist immer Kunst., © Angelika Schwaff
04.12.2017

Der Zauber der Kunst

Angelika Schwaff ist Bloggerin, Journalistin und Videoproduzentin., © Angelika Schwaff, Reisefreunde 2015Autor: Angelika
Angelika Schwaff liebt das Reisen und kommunizieren. Deswegen hat sie ihren Job in der Tourismus-PR aufgeben. Jetzt reist sie durch die ganze Welt und schreibt Blogs.

Es wird noch gehämmert und geschraubt, Leitern stehen herum, Werkzeugkoffer sind aufgeklappt. Alte Filmprojektoren verraten jetzt schon, worum es bei der Ausstellung des Künstlers geht. Auf einen Drink mit Tobias Dostal, 6. Horst-Janssen-Grafikpreisträger der Claus Hüppe-Stiftung, einen Tag vor seiner Ausstellungseröffnung in Oldenburg.

Die Getränkewahl ist heute eingeschränkt: Die Bar im Museum hat noch nicht geöffnet, aber es gibt Kaffee mit Milch für den Künstler. Künstler und Zauberer müsste es richtig heißen, denn Tobias Dostal ist beides zugleich.

Seine bisherigen Stationen sind genau so beeindruckend wie seine Werke: Schon während des Studiums der freien Kunst in Braunschweig arbeitete Dostal mit seinem Lehrer Christoph Schlingensief in Brasilien zusammen. Nach seinem Diplom brachte ihn ein Stipendium nach New York – und schließlich ging er 2015 als „Artist in Residence“ nach Burkina Faso ins Operndorf Afrika – der letzten künstlerischen Arbeit seines einstigen Lehrers Schlingensief.

Nach dem Kaffee führt Tobias Dostal durch die Räume der Ausstellung. Zwei alte Filmprojektoren stehen gleich am Eingang, eine Hommage an die alte Zeit und sicherlich auch an Schlingensief. „Die Projektion ist eine Täuschung, aus einzelnen Bilder, sogar aus den schwarzen Bildern dazwischen entsteht ein Film“, erzählt Dostal mit strahlenden Augen. Illusionen zu schaffen macht ihm deutlich Spaß. Aber auch die Transformation, sogar der Verschleiß faszinieren ihn: „Irgendwann werden Kratzer auf den Bildern sein, auch das wird das Ergebnis verändern.“ Dostals Umgang mit Licht, Illusionen, Kunst und Magie, mit Neuem und Altem ist fast schon poetisch.

Im nächsten Raum hängt ein eigentümliches Konstrukt von der Decke. Es sieht aus wie ein Kronleuchter, mehrere Streben erstrecken sich wie Arme von der Mitte des Werkes. An ihren Enden laufen kleine Filmloops, wie GIF-Animationen. Gerade als ich eine Vase erkenne und das auch laut sage, zeigt Dostal auf die kleine Leinwand und schlägt vor „Oder es sind zwei Gesichter!“. Wie recht er hat. Das Auge ist träge, es lässt sich so herrlich täuschen.

Im dritten Raum stehen mehrere Stangen, an deren Enden selbstgebaute Projektoren fixiert sind, alte Kameraobjektive – dahinter werden einzelne Motive beleuchtet und so an die Wand geworfen: Eine Hommage an einen Jungen, den Dostal im Operndorf Afrika kennen und schätzen gelernt hat als er mit ihm und anderen Kindern gezaubert hat.

„Eins muss ich noch zeigen, es hängt aber noch nicht an der Wand.“ Wir steigen über zwei geöffnete Werkzeugkoffer zu zwei Acrylplatten, die an der Wand lehnen. „Das sieht jetzt noch nach nichts aus“, betont der Künstler, aber selbst jetzt funktioniert die Illusion, dank der Fähigkeit des Hirns, es auch mal gut sein zu lassen und sich der Täuschung hinzugeben. Denn wenn ich die Augen etwas zusammenkneife und meinen Kopf bewege, sehe ich wie mir auf den Acrylplatten ein Auge zuzwinkert. Und wie ein Tusch nach dem Ende eines Tricks auf der Bühne nennt Dostal wie von Zauberhand den Titel des Werks, ohne dass ich danach gefragt hatte: „Sektorenzwinker“.

Angelika Schwaff ist Bloggerin, Journalistin und Videoproduzentin., © Angelika Schwaff, Reisefreunde 2015

Autor: Angelika

Bloggerin, Journalistin. Videoproduzentin. Auf ihrem Blog Reisefreunde schreibt Angelika Schwaff seit 2009 über ausgefallene Orte, Menschen und gutem Essen auf Reisen. Zuvor hat Angelika in der Tourismus-PR, als Radio Moderatorin, freie Journalistin und Dokumentarfilmen gearbeitet. Sie lebt in Berlin.

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