Kosmos Janssen - Manuskripte, © (c) Melanie Tönies
04.12.2019

Der Wörterer und seine Werke

Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln., © Melanie Tönnies Autor: Mel
Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln.

Am 14. November 2019 wäre der Oldenburger Künstler Horst Janssen 90 Jahre alt geworden. In Kooperation mit der Kunsthalle Emden hat ihm das Horst-Janssen-Museum eine Sonderausstellung gewidmet, die einen ganz besonderen Aspekt in Janssens Werk in den Vordergrund stellt: Seine kreative Wortarbeit und Tätigkeit als Autor. Ich habe mich daher mit der Kuratorin der Ausstellung „Kosmos Janssen: Wie er schreibt_“, Antje Tietken, im Horst-Janssen-Museum getroffen und mit ihr über ihre Arbeit und die aktuelle Sonderausstellung gesprochen.

An einem sonnigen Dienstagvormittag treffe ich Antje Tietken im Foyer des Horst-Janssen-Museums und wage mit ihr einen ersten Rundgang durch die am 14. November 2019 feierlich eröffnete Ausstellung. Antje Tietken ist seit Gründung des Museums vor 19 Jahren als Kuratorin tätig und hat schon so einige Ausstellungen im Haus auf die Bühne bzw. an die Wände gebracht. Aber wie wird man eigentlich Kuratorin? Bei Antje Tietken ist diese Frage nicht ganz einfach zu beantworten. „Ich habe Kunstgeschichte in Marburg und Freiburg studiert“, erklärt sie mir. „Ich bin in Oldenburg aufgewachsen und wollte hier meine Doktorarbeit schreiben. Nebenbei habe ich im Landesmuseum im Schloss gearbeitet und geholfen, eine Ausstellung vorzubereiten. Ich war offenbar zur richtigen Zeit am richtigen Ort, und habe dort dann fünf Jahre verbracht. Als das Horst-Janssen-Museum errichtet worden ist, wurde jemand gesucht. Ich habe die Stelle bekommen und bin hier nun seit 2000 als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig.“

Wie viel Arbeit hinter einer Sonderausstellung wie der aktuellen steckt, wird deutlich, als wir die zwei Ebenen im Museum besuchen und uns gemeinsam die mehr als 150 Exponate ansehen. Grob geschätzt kann es schon einmal zwei bis drei Jahre an Vorbereitungen von der ersten Idee bis zur offiziellen Eröffnung dauern, berichtet Antje Tietken mir. Meistens konzentriert sich der Großteil der Arbeit auf etwa ein Jahr. Während dieser Zeit werden unter anderem Leihanträge für Exponate gestellt und sich durch das große Werk von Horst Janssen gewühlt, um passende Ausstellungsstücke auszuwählen. Bei einem grob geschätzten Umfang von 20.000 Werken des sehr produktiven Künstlers kein leichtes Unterfangen.

Vor allem bei dieser Geburtstags-Ausstellung zu Horst Janssen musste auch die grundlegende Struktur und Art der Präsentation bedacht werden. Wie bringt man einem breit gefächerten Museumspublikum die Textwerke Janssens näher, ohne für Langeweile zu sorgen? „Der Zeitaufwand bei einer solchen Text-Ausstellung ist definitiv größer als sonst“, so die Kuratorin. „Wir mussten aus einer Überfülle an Material auswählen, so dass die Besucher eine gewisse Struktur erkennen können.“ So hat Antje Tietken zusammen mit ihrer Kollegin Melanie Robinet unter anderem dafür gesorgt, dass alle Originaltexte von Horst Janssen in der Ausstellung in Schreibmaschinenschrift an den Wänden prangen. Auch die Kooperation mit der Kunsthalle Emden hat für weiteren Arbeitsaufwand gesorgt: Dort wird noch bis zum 26. Januar 2020 die ergänzende Ausstellung „Kosmos Janssen: Horst Janssen und die Bildende Kunst“, die sich der Auseinandersetzung Janssens mit den alten Meistern wie Rembrandt van Rijn und Pablo Picasso widmet, gezeigt.

Im Oldenburger Museum wird schnell die Schaffenskraft des Künstlers sichtbar: Horst Janssen hat nicht nur Illustrationen und Buchcover für andere Autoren entworfen, sondern auch selbst nicht ganz jugendfreie Märchenversionen kreiert, fotografiert, kleine Geschichten geschrieben, fremde Texte verwertet, eine eigene Version des Grundgesetzes geschaffen, Porträts namhafter Autoren wie Edgar Allen Poe und Theodor Fontane gezeichnet und neue Wörter kreiert. Sich selbst bezeichnete Janssen daher treffenderweise als „Wörterer“. Wer möchte, kann in der Ausstellung sogar ein zufälliges „Gedicht-to-go“ von Horst Janssen und ein Glossar mit typischen Janssen-Wortschöpfungen mitnehmen, oder auch per Kopfhörer in einer gemütlichen Leseecke der Künstlerstimme lauschen. In der Leseecke finden sich in Regalen und Vitrinen auch literarische Werke, die Janssen selbst in seiner eigenen Bibliothek gesammelt hatte.

Auf einer Zwischenebene des Museums hat Antje Tietken ein paar ganz besondere Exponate aufhängen lassen. Der sogenannte „Foliant“ wurde von Janssen nach einem tragischen Säureunfall verfasst, bei dem er sich Verletzungen an der Netzhaut zuzog. „Während dieser Zeit kümmerte sich eine befreundete Journalistin intensiv um ihn“, erklärt mir Antje Tietken, während wir vor den großformatigen Werken im Halbrund stehen. „Er hat ihren Namen dort zigfach verewigt und so seine Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht.“ Wer genau hinsieht, erkennt auf einem Bild die wie endlos wirkenden Wiederholungen des gleichen Namens.

Seine Krankengeschichte verarbeitete der Künstler zudem in eindrücklichen Zeichnungen, die übergroße Augen zeigen oder an Poster aus der Anatomie erinnern. Am Eingang zur Zwischenebene gibt es dann eine tolle kreative Arbeit der Kuratorinnen: Ein Foto, das Horst Janssen beim Auswählen von Manuskript-Seiten zeigt, wurde großformatig reproduziert. Die selben Seiten des späteren Buches finden sich als Papiercollage auf dem Boden ausgelegt - wer davor steht, kann sich ganz wie Janssen fühlen. Vergleicht man das große Foto an der Wand mit den Papierseiten auf dem Boden davor, erkennt man sogar identische Seiten mit farbigen Illustrationen wieder. Obwohl die Papiercollage fest auf dem Boden verklebt ist, scheue ich mich, trotz Ermunterung der Kuratorin, auf die Blätter zu treten und bleibe lieber ehrfürchtig davor stehen.

Nach dem Ende des Ausstellungsrundgangs bleibe ich beeindruckt zurück: Das Team um Antje Tietken hat es geschafft, Texte anschaulich zu verpacken und die Fülle des literarischen Schaffens Horst Janssens geschlossen zu präsentieren. Auch im Umfeld der Sonderausstellung gibt es für Groß und Klein einiges zu entdecken, darunter Führungen für Schulklassen durch die Museumspädagogik, eine entspannte Feierabend-Museumstour, eine Weihnachtskarten-Papierwerkstatt im Advent, eine Lesung mit dem Schauspieler Thomas Lichtenstein vom Oldenburgischen Staatstheater sowie ein ART Dating-Special am Valentinstag 2020. Für jede Menge Abwechslung zwischen den Werken des „Wörterers“ ist also definitiv gesorgt. Alle Termine und Veranstaltungen zur aktuellen Ausstellung finden sich auf der Website des Horst-Janssen-Museums. Letzteres hat dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr seine Pforten für Besucher geöffnet.

Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln., © Melanie Tönnies

Autor: Mel

Mel ist ein echtes Oldenburger Kind und wurde nicht nur in der Stadt an der Hunte geboren, sondern kehrte nach der Kindheit auf dem Land auch für ihr Studium der Anglistik und Philosophie zurück zu ihren Wurzeln. Mittlerweile arbeitet sie als Online-Redakteurin für ein Apple-Magazin und steht in ihrer Freizeit am liebsten im Oldenburger Unikum/OUT auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Vom Probenstress erholt sie sich auf ihrem Rennrad, am Gamepad ihrer PS4 und vor allem am Meer - das ist ja glücklicherweise gleich um die Ecke.

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