Mal zweifelnd, mal inbrünstig, mal wütend, mal liebevoll liest Alexander Fehling ausgewählte Geschichten, die sich vor allem um Janssen selbst drehen., © Horst Janssen Museum
03.01.2019

Alexander Fehling liest Horst Janssen

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt Autor: Eva
Eva von Holt schnuppert seit 2011 Oldenburger Luft. Nach Donau und Ostsee hat sie die Liebe nun an die Hunte verschlagen. Und sie findet ihre neue Heimat wunderschön.

„Ich will mal drauf los quasseln, irgendwie, irgendwas“, sprudelt es aus Alexander Fehling heraus. Der bekannte deutsche Schauspieler, der 2010 Johann Wolfgang von Goethe auf der großen Leinwand verkörperte und vorher schon in „Inglourious Basterds“ und „Buddenbrooks“ im Kino zu sehen war, sitzt im Ausstellungsraum des Horst-Janssen-Museums vor einem mucksmäuschenstillen Publikum und liest Texte von Horst Janssen. Also ist es nicht Fehling, der da „drauf los quasselt“, sondern der berühmte norddeutsche Künstler, dem dieses Museum gewidmet ist. Seine „Quasseleien“ sind zwar auf Papier gebannt, aber der Berliner Schauspieler Fehling erweckt sie heute zum Leben.

Autobiografische Einblicke in ein bewegtes Leben

Mal zweifelnd, mal inbrünstig, mal wütend, mal liebevoll liest Alexander Fehling ausgewählte Geschichten, die sich vor allem um Janssen selbst drehen. Dabei erfährt man sehr viel über das Leben und die Gedankenwelt des 1995 verstorbenen Zeichners. Dieser sagt zum Beispiel in seinen Texten, er verspüre eine intensive „Sucht aufs Ausschließliche“. Seine Schriften lassen nach wenigen Minuten schon erahnen, dass er nicht nur die Extreme, sondern auch sehr detaillierte Schilderungen von Begebenheiten und Menschen liebt. Wie auch in seinen Zeichnungen scheint er die Dinge schonungslos auf den Punkt bringen zu wollen. Und so schreibt Janssen einfach genauso wie ihm der Mund gewachsen ist: ironisch, bissig und amüsant („Über Nacht verstorben. Peng.“). Und das Publikum lässt sich von Fehlings grandioser Vortragsweise mitreißen und lacht an den jeweiligen Stellen.

Ausstellung über Janssen als Autor folgt im Herbst 2019

Aufgrund seiner bewegten Biografie und auch über sein Leben als Künstler hat Janssen viel zu berichten. Er sei „unterwegs geboren“ und in der großelterlichen Schneiderei aufgewachsen, kam auf die „Kadettenschule“ (Napola) und später auf die Kunstakademie. Seinen Plan, im Jahr 2020 zu sterben, konnte er leider nicht verwirklichen. Im November 2019, also dieses Jahr, wäre sein neunzigster Geburtstag gewesen, was das Horst-Janssen-Museum zum Anlass nimmt, ihn den Museumsbesucherinnen und -besuchern auf eine neue Weise, nämlich als Autor, vorzustellen. Als Vorgeschmack auf die große Geburtstags-Ausstellung, die im Herbst 2019 zu sehen sein wird, haben sich die Verantwortlichen diese Lesereihe mit berühmten Schauspielern ausgedacht. Alexander Fehling macht dafür am heutigen Abend den Anfang, gefolgt von Robert Stadlober am 24. Januar 2019. Die Entscheidung über die Anzahl und die Auswahl der Texte liegt dabei ganz bei den Schauspielern. Das Publikum weiß vorher also nicht, was vorgetragen wird.

Freundlicher Empfang für Alexander Fehling

Aber auch für den Vortragenden Alexander Fehling war diese Veranstaltung eine kleine Überraschung. Bevor er nämlich das Angebot bekam, nach Oldenburg zu kommen und Texte von Horst Janssen zu lesen, kannte er den Künstler so gut wie gar nicht. Um ihm trotzdem einen freundlichen Empfang zu bereiten, stellte Museumsmitarbeiterin Melanie Robinet ein Werk Janssens neben das Rednerpult, das Fehling bekannt vorkommen könnte: es zeigt Johann Wolfgang von Goethe. Und Museumsleiterin Jutta Moster-Hoos empfing den Schauspieler mit lobenden und warmen Worten, bevor er vor die gut gefüllten Sitzreihen in den Räumen der Dauerausstellung trat.

Auftakt der Lesereihe kommt beim Publikum sehr gut an

Am Ende von Alexander Fehlings Lesung an diesem Abend waren sowohl diejenigen, die Janssens Schriften schon kannten, als auch die, für die seine Texte neu waren, begeistert. Der Auftakt der Lesereihe war also ein voller Erfolg und Alexander Fehling stellte sich im Anschluss noch den Fragen und Lobesbekundungen der Zuhörerinnen und Zuhörer. Auf Nachfrage erzählte der Schauspieler zum Beispiel, dass ihn an Janssens Erzählweise vor allem die Wut fasziniert hat: „Wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt.“
Gut unterhalten und glücklich, aber vielleicht mit ein bisschen Wehmut verließen die Anwesenden nach und nach das Museum. Denn leider ist auch der schönste Vorleseabend einmal vorbei; oder um es mit Horst Janssen zu sagen: „Peng, Kladderadatsch und Ende!“

Fortsetzung am 24. Januar mit Robert Stadlober

Doch bald geht es glücklicherweise schon weiter mit den interessanten Auszügen aus Janssens Leben und literarischem Schaffen. Dann wird uns der österreichische Schauspieler Robert Stadlober, bekannt aus Filmen wie „Sonnenallee“ und „Crazy“, „seinen“ Janssen präsentieren. Tickets für diese Veranstaltung am Donnerstag, den 24. Januar (Beginn: 20 Uhr) gibt es im Horst-Janssen-Museum, der Oldenburg-Info im Lappan und auf www.ticket2go.de zu erwerben (Preis: 10 €, ermäßigt 7 €). Und im Frühjahr geht die Reihe dann in die dritte Runde. Noch mehr Informationen zu den folgenden Veranstaltungen und der kommenden Ausstellung über Janssen als Autor finden sich in Kürze auf www.horst-janssen-museum.de.

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt

Autor: Eva

Eva lebt seit 2011 im wunderschönen Oldenburg. Bevor sie hierher kam, hat sie schon vier Jahre (Ost)Seeluft in Rostock geschnuppert und Germanistik studiert. Aufgewachsen ist sie allerdings an einem viel kleineren Gewässer, nämlich an der Donau. Die Liebe brachte sie schließlich in den Norden und nun fühlt sie sich sehr wohl hier. An Oldenburg mag sie besonders die schöne Architektur, das reichhaltige Kulturprogramm und nicht zuletzt die vielen kreativen, engagierten, hilfsbereiten, offenen Menschen. Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie auf Kreativ- oder Flohmärkten unterwegs, besucht Konzerte oder erkundet die Stadt und ihre Umgebung. Über ihre Erlebnisse in Stadt und Region berichtet sie auch online, auf www.deroldenburgblog.de

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