Aufnahme aus der aktuellen Ausstellung "For beyond that horizon lies another horizon", © Eva von Holt
04.12.2017

Interview mit dem Kunstvermittler Jan Blum

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von HoltAutor: Eva
Eva von Holt schnuppert seit 2011 Oldenburger Luft. Nach Donau und Ostsee hat sie die Liebe nun an die Hunte verschlagen. Und sie findet ihre neue Heimat wunderschön.

Jan Blum ist Musiker und Kunst- und Medienpädagoge und arbeitet seit 2009 für das „Edith-Russ-Haus für Medienkunst“. Ich treffe den 38-Jährigen zum Interview an seinem zweiten Arbeitsplatz, gleich nebenan, im Kulturbüro der Stadt Oldenburg.

Herr Blum, wie sind Sie zum Bereich Kunstvermittlung gekommen?
Alles begann mit meiner Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten für Grafikdesign. Denn im Anschluss daran hatte ich keine Lust, in der Werbung tätig zu sein und suchte nach einem anderen Betätigungsfeld. So kam ich zum Studiengang Kunst- und Musikpädagogik. Ein genaues Berufsziel hatte ich zu dieser Zeit zwar nicht, aber ich folgte einfach meiner Begeisterung für Kunst und Design, die ich schon seit der Schulzeit habe.

Dann freut es Sie sicher, dass Sie nun im Kunstbereich tatsächlich arbeiten. Was macht Ihnen denn am meisten Spaß an Ihrer Arbeit?

[überlegt] ..., dass es insgesamt eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit ist. Und ich freue mich auch immer wieder zu sehen, wie sich die Räume des Edith-Russ-Hauses verändern, je nachdem welche Ausstellung gerade gezeigt wird. Außerdem kann ich mitunter sehr experimentell arbeiten, was mir auch sehr gut gefällt.

Was macht eigentlich ein/e Kunstvermittler/in? Welche Möglichkeiten hat sie oder er, Menschen an Kunstobjekte heranzuführen?

Beim Thema Kunstvermittlung und Museumspädagogik denkt man vielleicht zuerst an Führungen. Das ist ein sehr klassischer Aufgabenbereich, der langsam abgelöst wird. Bei unseren Führungen im Edith-Russ-Haus ist es zum Beispiel so, dass es keine reine frontale Erklärung der Kunst geben soll, sondern den Besuchern wird vielmehr die Möglichkeit gegeben, in einen Dialog zu treten – mit dem Kunstwerk und mit den anderen Teilnehmern. Dabei werden Fragen aufgeworfen, die nicht immer beantwortet werden können, die uns aber trotzdem dem Kunstwerk näher bringen.

Welche Projekte haben Sie in der Vergangenheit realisiert?

Wir konnten schon öfter Führungen mit Experten anbieten, die sich im Thema der Ausstellung gut auskennen, zum Beispiel Soziologen oder Politologen. Bei unserer Ausstellung „Wild - Transgender and the communities of desire“ Anfang diesen Jahres wurde so eine Experten-Führung mit drei Transgender-Personen durchgeführt.
Daneben haben wir auch viele Projekte mit Schulklassen, die zum Beispiel eigene Trickfilme drehen oder gelegentlich auch mit Deutschlernenden, die sich dann mit einer bestimmten Ausstellung genauer beschäftigen.

Und welche Projekte gibt es zur Zeit oder in naher Zukunft?

Vor Kurzem haben wir einen Schüler-Workshop im Rahmen der KIBUM angeboten, bei dem sich die Jugendlichen die Frage stellen, was man mit Geld machen kann, wenn es irgendwann nichts mehr wert ist. Die Ergebnisse werden dann fotografisch dokumentiert. In Planung haben wir außerdem ein Projekt mit einem Literaturkollektiv, das sich von den in der Ausstellung gezeigten Werken zu Texten inspirieren lässt, die dann vor Publikum vorgetragen werden.

Das bedeutet also, dass die Zielgruppen bei Ihren Projekten sehr unterschiedlich sind. Mit wem arbeiten Sie eigentlich lieber zusammen, mit Kindern oder Erwachsenen?

Das ist schwer zu beantworten. [lacht] Ich sag es mal so: Wenn ich die eine Gruppe lange hatte, freue ich mich wieder auf die andere.

Was denken Sie, betrachten Kinder Kunst anders als Erwachsene?

Ja, das denke ich schon. Kinder schauen ungefiltert und manchmal ungezwungener auf Kunst. Außerdem haben sie meistens eine sehr große Neugier darauf.

Das stimmt. Doch nicht jeder kann etwas mit Kunstvermittlung anfangen. Wie stehen Sie zu der Streitfrage:  Muss Kunst zwingendermaßen aufbereitet werden oder kann sie auch für sich alleine stehen?

Ich denke, dass Kunst immer Fragen aufwirft. Und die Vermittlung bietet einen Raum für diese Fragen an. Eine Antwort ist dabei, wie schon gesagt, nicht unbedingt das Ziel. Schön ist es auch, wenn man den aufgeworfenen Fragen in einem eigenen künstlerischen Prozess nachgeht. Die Kunstpädagogik kann aber den Besuchern auch beim Einstieg in komplexe Themen und komplexe Ausstellungen helfen. Jedoch muss man sich immer wieder selbst fragen, inwieweit man durch die Vermittlung den Blick zu sehr lenkt.

Zum Schluss würde ich noch gern wissen, wie sich die Kunstvermittlung in den letzten Jahren verändert hat. Also weg von der frontalen Führung hin zu ...?

Hin zu verschiedenen anderen Formaten. Zu dialogischen Führungen etwa oder auch museumsübergreifenden Veranstaltungen, wie dem Museumstag oder der Nacht der Museen. Insgesamt lässt sich auch eine gesteigerte Nachfrage nach Angeboten mit Eventcharakter feststellen.
Was sich auch verändert hat, ist meiner Meinung nach, dass sich die Institutionen – Museen und Ausstellungshäuser – heute viel mehr selbstreflexiv mit den Themen auseinandersetzen, die sie zeigen. Und wir gehen natürlich mit der Zeit und werden zunehmend digitaler. So war das Edith-Russ-Haus zum Beispiel im Rahmen der Ausstellung „Autonomy Cube“, im Jahr 2015/2016, ein temporäres, offenes Tor-Netzwerk, auf das jeder zugreifen konnte.
Das nenne ich wirklich eine abwechslungsreiche Arbeit!

Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Freude dabei und danke Ihnen für das Interview!

Danke. Immer wieder gerne.
(Hinweis: Dieser Interviewtext ist aus Gesprächsnotizen entstanden)

Weitere Infos:
Weitere Informationen zum Angebot im Bereich Kunstvermittlung im Edith-Russ-Haus für Medienkunst gibt es hier.

Eva von Holt ist die OldenburgBloggerin., © Eva von Holt

Autor: Eva

Eva lebt seit 2011 im wunderschönen Oldenburg. Bevor sie hierher kam, hat sie schon vier Jahre (Ost)Seeluft in Rostock geschnuppert und Germanistik studiert. Aufgewachsen ist sie allerdings an einem viel kleineren Gewässer, nämlich an der Donau. Die Liebe brachte sie schließlich in den Norden und nun fühlt sie sich sehr wohl hier. An Oldenburg mag sie besonders die schöne Architektur, das reichhaltige Kulturprogramm und nicht zuletzt die vielen kreativen, engagierten, hilfsbereiten, offenen Menschen. Wenn sie nicht gerade schreibt, ist sie auf Kreativ- oder Flohmärkten unterwegs, besucht Konzerte oder erkundet die Stadt und ihre Umgebung. Über ihre Erlebnisse in Stadt und Region berichtet sie auch online, auf www.deroldenburgblog.de

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